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Wissen Trump will zum Mars
Nachrichten Wissen Trump will zum Mars
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14:36 21.07.2019
Großer Auftritt: US-Präsident Donald Trump präsentiert das von ihm unterzeichnete Dekret, das die Nasa anweist, die bemannte Raumfahrt zu Mond und Mars wieder aufzunehmen. Vorne rechts ist der Apollo-11-Astronaut Buzz Aldrin dabei. Quelle: Oliver Douliery/dpa
Hannover

Auf der roten Oberfläche schimmern weiße Kuppeln im Sonnenlicht. Inmitten einer Landschaft, die nur aus Sand, Geröll und fernen Gebirgszügen zu bestehen scheint, wirken sie wie Oasen des Lebens. In ihrem Inneren arbeiten wenige Wissenschaftler und Techniker, um in dieser tödlichen Umgebung einen Brückenkopf für die Menschheit zu etablieren – eines Tages sollen hier Tausende leben, vielleicht gar Millionen, wenn das Leben auf der Erde unerträglich geworden ist.

So stellen sich Kinofilme meist die Eroberung des Mars vor. Und etwa so, wenngleich ohne den apokalyptischen Hintergrund, will auch die US-Regierung den ersten Schritt auf den roten Planeten in Angriff nehmen.

Trump will mehr, Trump will zum Mars

Einen Menschen noch einmal zum Mond schicken? Das ist eigentlich kein lohnendes Ziel für US-Präsident Donald Trump, damit geht nach sechs Mondlandungen zwischen 1969 und 1972 kein großer Politiker mehr in die Geschichte ein. Trump will mehr, Trump will zum Mars. Der Mond kann dafür nur eine notwendige Zwischenstation sein, ein Sprungbrett, von dem aus die Reise zum Mars leichter zu bewerkstelligen ist als von der Erde aus.

Innerhalb von fünf Jahren, so hat es die US-Regierung im Frühjahr angekündigt, werden US-Amerikaner (unter ihnen mindestens eine Frau) erneut zum Mond fliegen und dort eine Basis errichten. Die nationale Raumfahrtbehörde Nasa hat das Projekt sofort begeistert aufgegriffen: „Es ist die richtige Zeit für diese Herausforderung, und ich habe dem Vizepräsidenten versichert, dass wir – die Leute bei der Nasa – bereit sind für die Herausforderung“, erklärte Nasa-Chef Jim Bridenstine.

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Ein Modell des Raumschiffs „Orion“: Mit diesem Schiff will die Nasa wieder Menschen zum Mond bringen. Quelle: Airbus

„Artemis“ – zum Mars mit Zwischenstopp Mond

Der Erfolgsdruck ist groß. Die US-Regierung hat gleich mit der Ankündigung des neuen Plans die Daumenschrauben angezogen. Vizepräsident Mike Pence erklärte unumwunden, dass die Nasa erfolgreich sein müsse – wenn nicht, werde sie umorganisiert oder aus dem Rennen genommen. Der „Dealmaker“ Trump hat kein Problem damit, private Firmen anzuheuern, die längst bewiesen haben, dass sie ausgezeichnete Trägerraketensysteme entwickeln können. Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms 2011 hat die Nasa keine geeigneten Raketen mehr, ihre Astronauten mussten mit russischen Sojus-Raketen ins All gebracht werden.

Der Mond in Zahlen

Die Nasa hat nun einen Plan entwickelt, wie die Mission Mars mit dem Zwischenstopp auf dem Mond gelingen soll: Seit Mai firmiert sie unter dem Namen „Artemis“. Mit einem Budget von mehr als 300 Millionen Dollar will sich die Nasa zunächst die Kompetenz der privaten Konkurrenz zunutze machen. Sie sollen die Einzelteile für die Rückkehr des Menschen zum Mond entwickeln, etwa einen Lander, der Material mit einem Gewicht von einigen Hundert Kilogramm auf die Oberfläche des Erdtrabanten bringen kann.

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Künstlerische Darstellung der Nasa: So könnte das Raumschiff „Orion“ auf dem Weg zum Mond aussehen. Quelle: Nasa

Im Orbit des Mondes soll ein „Lunar Gateway“ entstehen, eine Relaisstation für die Versorgung der künftigen Mondbasis, aber auch der mögliche Startpunkt für die Reise zum Mars. Hier kann auch das von der Nasa und der europäischen Raumfahrtagentur ESA gebaute Raumschiff „Orion“ andocken, das ab 2022 Astronauten ins All bringen soll. Die Europäer liefern für „Orion“ das entscheidende Servicemodul ESM, das das Schiff mit Luft, Wasser und Strom versorgt und den Antrieb regelt. Nächstes Jahr soll „Orion“ zunächst unbemannt um den Mond fliegen.

Wenn 2024 die ersten Menschen wieder den Mond betreten, werden sie vor allem die Region um den Südpol des Mondes erkunden. Dort gibt es tief am Boden von Kratern, wo die Sonne nie hinein scheint, Eis, also Wasser. Wasser ist entscheidend für den Aufbau einer dauerhaften Mondstation. Aus dem Wasser lässt sich auch flüssiger Wasserstoff gewinnen, der als Treibstoff dienen kann. Während in den ersten Jahren nur Aufenthalte von wenigen Tagen auf dem Mond vorgesehen sind, könnte der Mensch ab 2028 länger bleiben, vielleicht dauerhaft.

Europas Beitrag zum Mondmission: Das European Service Module, kurz ESM, wird von Airbus gebaut. Das greifbarste Mondprojekt unter deutscher Führung sieht aus wie ein Zylinder – vier Meter hoch, vier Meter Durchmesser. Das Modul soll der Antrieb für das Raumschiff „Orion“ der US-Raumfahrtbehörde Nasa werden. Quelle: Airbus

„Artemis“ ist ein anspruchsvolles und teures Unternehmen. Neben dem jährlichen Nasa-Budget von derzeit 21 Milliarden Dollar, von dem auch andere Projekte bezahlt werden müssen, dürfte „Artemis“ jährlich bis zu acht Milliarden Dollar zusätzlich verschlingen. Vielleicht können Kosten gespart werden, wenn noch die privaten Unternehmen SpaceX von Elon Musk oder Blue Origin von Jeff Bezos beteiligt werden.

Musk macht mit seinen erfolgreichen Falcon-Raketen von sich reden, während die US-Firma Boeing, die eigentlich die Superrakete SLS für die Nasa entwickelt, nicht wirklich voranzukommen scheint. Und Bezos hat bereits das Modell eines Mondlanders präsentiert, der sogar 6,5 Tonnen Gewicht auf den Mond bringen könnte.

Zum Mars geht es frühestens in den 30er Jahren

Und wann geht’s es weiter zum Mars? Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es nicht. Frühestens in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts könnte es soweit sein. Vorausgesetzt, künftige US-Präsidenten entscheiden sich nicht aus vielen Gründen, von denen der naheliegendste Geldmangel ist, gegen den ambitionierten Plan. Es wäre nicht das erste Weltraumprojekt, das nach einem Wechsel im Weißen Haus beerdigt wurde.

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