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14:38 21.07.2019
Undatierte Zeichnung einer halb-permanenten Mondstation (Vordergrund), die als Stützpunkt zur Erforschung des Mondes dienen könnte. Quelle: dpa
Hannover

Anfang Januar gelang der Volksrepublik China ein kleines Weltraumwunder: Als erste Nation hatte sie eine Raumfahrtsonde auf der Rückseite des Mondes gelandet. Das war kompliziert, weil der Boden der erdabgewandten Seite extrem uneben ist. „Das ist ein Meilenstein. Niemand war vor uns dort“, freute sich der Leiter des Mondprogramms, Ouyang Ziyuan. Jetzt rollt der Rover „Jadehase 2“ über den Boden des Aitken-Südpol-Beckens, des größten bekannten Einschlagkraters des Sonnensystems.

Die Landung der „Chang’e 4“ – benannt nach einer chinesischen Göttin – ist Teil von Pekings ehrgeizigem Mondprogramm: Schon ab 2020 sollen sich zwei Missionen anschließen, bei denen Mondgestein gesammelt und zur Erde zurückgebracht werden soll. 2030 will China einen Menschen auf die Mondrückseite schicken. Damit käme die Volksrepublik den maßgeblichen Raumfahrtnationen zuvor, die mit der vermeintlich „dunklen Seite des Mondes“ liebäugeln.

Denn von dort aus wird die Aussicht aufs All nicht von den Strahlungen der Erde gestört. So ließen sich zum Beispiel besser Asteroiden sehen, die sich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden, oder sensible Radioteleskope könnten die Tiefen des Universums besser abhorchen.

Der Mond in Zahlen

Der Mond als Sprungbrett zum Mars

Seit der ersten bemannten Mondlandung vor 50 Jahren und den Nachfolgemissionen bis 1972 war das Nachtgestirn lange Zeit out. Alles drehte sich um den Mars. Doch so einfach ist es nicht, den 228 Millionen Kilometer entfernten, lebensfeindlichen Planeten zu erobern. Alle Weltraumnationen sind sich mittlerweile einig, dass der lediglich 384. 400 Kilometer entfernte Mond bestens als Zwischenstation für spätere Missionen dienen könnte – als Sprungbrett zum Mars sozusagen.

Man wolle „nicht zurück zum Mond“, sondern „vorwärts zum Mond“, betonte der Chef der Europäischen Weltraumagentur Esa, Jan Wörner, kürzlich in einer Diskussion. „Wir müssen wieder zum Mond, um zu lernen und bessere Technologien zu entwickeln. Erst danach können wir zum Mars.“

Weltweit liefern sich Weltraumprogramme nun regelrecht einen neuen Wettlauf zum Mond. Die USA, Russland, China, Europa, selbst Israel, Indien (das seine Mondmission allerdings vor wenigen Tagen wegen eines Problems mit der Trägerrakete 56 Minuten vor dem Start abbrechen musste), Japan und Südkorea – sie alle haben aktuelle Pläne für bemannte oder unbemannte Mondfahrten. Diesmal allerdings geht vieles nur in Kooperation.

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Nasa und Roskosmos: Errichtung eines „Moon Village“

Auch Esa-Chef Wörner denkt im Verbund: Gemeinsam mit der Nasa und Roskosmos planen die Europäer die Errichtung eines „Moon Vil­lage“, eines permanenten Monddorfs, in dem Roboter und Menschen arbeiten könnten. Eine international von Industrie, Raumfahrtagenturen und öffentlicher Hand geschaffene Mondbasis sei das Ziel, sagt Wörner. Der Mond als Forschungsstation könnte dann auch die nur 400 Kilometer von der Erde entfernte Internationale Raumstation ISS ablösen, deren Jahre ohnehin gezählt sind.

Das Szenario: Auf dem Mond leben, mit Stickstoff und Sauerstoff künstlich versorgt, „Gastarbeiter“ der Weltraumforschung, der Indus­trie und Medizin. In den lunaren Laboren untersuchen sie Gesteinsbrocken oder die Auswirkungen der Strahlung auf den menschlichen Körper. Die Bewohner versorgen sich selbst, aus dem Mondwasser werden Treibstoff für Raumschiffe und Trinkwasser gewonnen. Am rückseitigen Südpol werden größere Wassereisvorkommen vermutet. An Bord von Chinas „Chang’e 4“ befinden sich deshalb auch Kartoffeln, Saatgut und Insekteneier. Aktuell wird getestet, ob sich Gemüse in einer geschlossenen Umgebung trotz der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche anbauen lässt.

Neben dem festen Dorf ist auch eine feste Station im Orbit geplant, die sich um den Mond bewegen soll. Das „Lunar Orbital Platform-Gateway“ soll in einer Kooperation aller großen Raumfahrtorganisationen verwirklicht werden. Der Bau des „Umsteigebahnhofs“ ist laut Esa schon für 2022 anvisiert. Die kleinere Mondbasis „Lunar Field Station“ soll vorab in Erfahrung bringen, wie gut Raumschiffe auf anderen Himmelskörpern landen und wieder starten können.

50 Jahre Mondlandung

Die erste Frau, Touristen, Künstler – sollen alle zum Mond

Und wann landet der nächste Mensch auf dem Mond? Die US-Regierung will 2024 die erste Frau und den nächsten Mann auf den Erdtrabanten schicken. Präsident Donald Trump betont, diesmal nicht nur eine Flagge und Fußspuren hinterlassen zu wollen – sondern eine Basis für Marsmissionen. Allerdings soll die dafür notwendige Schwerlastrakete längst noch nicht fertig sein, und das gerade erst um 1,5 Milliarden Dollar erhöhte Budget, sagen Branchenkenner, decke nur einen Bruchteil der nötigen Investitionen für den Startschuss ab.

Vorpreschen könnten private Raumfahrtvisionäre. Elon Musks Unternehmen Space X will mit dem japanischen Milliardär und Kunstsammler Yusaku Maezawa bereits 2023 einen ersten Touristen zum Mond schießen. Eine Landung ist allerdings nicht geplant, das Raumschiff, in dem auch einige Künstler mitfliegen sollen, soll den Trabanten lediglich in 200 Kilometer Entfernung umkreisen. Schon 2026, so die kühnen Pläne, will Space X Passagiere zum Mars befördern.

Die Firma Blue Origin von Amazon-Chef Jeff Bezos entwickelt unterdessen neben der superschweren „New Armstrong“-Rakete den Mondlander „Blue Moon". Der soll erstmals 2024 zum Mond starten und dort Rover und Sonden abliefern. Später sollen auch Astronauten mitfliegen.

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Die deutsche Szene schraubt mit

In der gesamten Raumfahrtszene herrscht also Aufbruchstimmung – Mondfieber. Großkonzerne und Start-ups ringen um ihren Anteil an der New Space Economy, der stark wachsenden privaten Raumfahrtindustrie. Geld verdienen ließe sich nicht nur mit Tourismus und neuen Technologien, sondern auch mit Bergbau im All. Da wittert auch die deutsche Raumfahrtszene ihre Chance und steuert Geräte bei. Das greifbarste Mondprojekt unter deutscher Führung sieht aus wie ein Zylinder – vier Meter hoch, vier Meter Durchmesser – und hat den sperrigen Namen European Service Module (ESM).

Seit 2016 schraubt Airbus in Bremen im Auftrag der Esa an dem Modul, das der Antrieb für das neue Orion-Raumschiff der US-Raumfahrtbehörde Nasa werden soll. „Das Service Module ist das eigentliche Raumschiff, das die Amerikaner überhaupt erst in die Lage versetzt, zum Mond zu fliegen“, sagte Oliver Juckenhöfel, Leiter der bemannten Raumfahrt bei Airbus der Nachrichtenagentur dpa.

Alexander Gerst: Wissenschaft vor Lebensraum

Da könnte dann auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst ins Spiel kommen. Denn wenn die Amerikaner zusammen mit Europa ein Raumschiff für die bemannte Mondfahrt bauen: Was liegt da näher, als auf eine solche Forschungsreise auch einen allerprobten Europäer mitzunehmen?

Für „Astro-Alex“ ist der Sinn einer Mondmission nicht, Lebensraum für die Menschen zu schaffen, sondern wissenschaftlicher Art, wie er anlässlich des Mondlandungsjubiläums erklärte. „Wir fliegen zum Mond, um dort mehr über uns selbst zu erfahren und das zurück zur Erde zu bringen. Um, unter anderem, die Erde zu bewahren für zukünftige Generationen.“

Denn weder Mond noch Mars, ist Gerst überzeugt, seien so schöne, lebenswerte Orte wie die Erde.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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