Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wissen Wie sich Vögel an den Klimawandel anpassen müssten
Nachrichten Wissen Wie sich Vögel an den Klimawandel anpassen müssten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:51 14.08.2019
Die Blattknospung sei für Blaumeisen entscheidend, weil wenige Wochen darauf in der Regel eine hohe Raupenzahl folge, die wiederum Futter für den Meisen-Nachwuchs ist.

Die durchschnittlichen Nachttemperaturen sind entscheidend dafür, wann Blaumeisen mit dem Nestbau beginnen und Eier legen. Zudem stehe das Datum der Eiablage im zeitlichen Zusammenhang mit der Knospung der Birkenblätter, berichten Wissenschaftler um Jack Shutt von der Universität Edinburgh in den “Proceedings B” der britischen Royal Society. Die Forscher nutzten für ihre Studie Daten aus 40 Waldgebieten Schottlands in verschiedenen Höhenlagen mit je sechs Meisenkästen, die von 2014 bis 2018 erhoben worden waren. Solche Zusammenhänge zu kennen sei unter anderem wichtig um zu verstehen, inwieweit sich die Vögel an den Klimawandel anpassen können.

Signale von Bäumen entscheidend für Eiablage

Die Blattknospung sei für Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) entscheidend, weil wenige Wochen darauf in der Regel eine hohe Raupenzahl folge, die wiederum Futter für den Meisen-Nachwuchs sei, schreiben die Forscher. Die Birkenknospung sei ein frühes Signal für die Vögel; die Birkenblätter könnte den Vögeln über Duftstoffe, durch ihren Anblick oder erste Raupen schon früh Frühlingssignale geben. Wichtiger für die Ernährung seien jedoch die sich später entwickelnden Eichenblätter, auf denen sich wesentlich mehr Nahrung für die Meisen tummle.

Interessanterweise richten die Vögel nicht so sehr den Nestbau nach der Birkenknospung aus, sondern vielmehr ihre Eiablage, wie die Forscher schreiben. Daher könnten solche Signale von Bäumen den Vögeln zur letzten Feinabstimmung für die Zeit zwischen Nestbau und Eiablage dienen. In der Natur gebe es die meisten Raupen dann, wenn die Blätter jung seien, noch bevor die Bäume Abwehrstoffe gegen die Schädlinge gebildet haben.

Erhöhte Temperatur lässt Meisen früher brüten

Laborversuche anderer Forscher hatten bereits gezeigt, dass künstlich verlängerte Tage die Keimdrüsen der Meisen früher im Jahr reifen ließen. Die Lichtstimulation öffne wahrscheinlich ein Zeitfenster, innerhalb dessen dann mehrere Faktoren wie Nachttemperatur und Blattknospung eine Rolle spielen, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass steigende Nachttemperaturen eine Art Sperre in den Vogelweibchen aufheben, was dann zur Eientwicklung führt. Nach weiteren früheren Studien starten Meisen im Wald ihre Eiablage pro einem Grad durchschnittlicher Temperaturerhöhung im Frühjahr etwa 3,5 bis 5 Tage früher.

Die aktuelle Studie sei sehr gut gemacht, sagt Lars Lachmann, Vogelexperte vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). “Wir wissen, dass im Rahmen des Klimawandels der Frühling in der Natur früher beginnt und etwa die Meisen früher brüten”, sagte er. “Die Blaumeise ist eine von den Vogelarten, die es ganz gut schafft, sich anzupassen.” Sie habe derzeit wie viele Vögel in Siedlungen und im Wald in Deutschland einen stabilen Bestand.

Lesen Sie hier: Bedrohte Art: Wiesenbrüter in Deutschland drohen zu verschwinden

Arten müssen rechtzeitig zurückkommen

Blaumeisen und andere Vögel, die in Deutschland überwintern, hätten es im Vergleich zu Langstrecken-Zugvögeln noch vergleichsweise einfach. Besonders schwer hätten es Vögel wie das Braunkehlchen, das in Afrika überwintere, beim Abflug daher nichts über die Temperaturen in Deutschland wisse, und zudem landwirtschaftliche Freiflächen brauche.

Solchen Vögeln machten zusätzlich das Insektensterben, die immer größeren Felder, weniger Restflächen und weite Flächen mit Mais und Raps zu schaffen. Auch der Kuckuck überwintert in Afrika. “Schafft er es nicht, rechtzeitig zurückzukommen, dann kann er seinen Wirtsvogelarten seine Eier nicht mehr unterjubeln”, erläuterte Lachmannn. Es sei nachgewiesen, dass der Kuckuck deswegen immer mehr in die Mittelgebirge ausweiche, wo die Wirtsvögel etwas später brüteten.

Langfristig könnten sich Langstreckenzieher wie der Kuckuck nur über genetische Auslese an früheren Frühlingsbeginn anpassen - also indem nur die früh aus Afrika zurückkommenden Vögel, nicht aber die zu spät kommenden sich fortpflanzen. Ob diese Art der Anpassung jedoch schnell genug funktioniere, sei bei vielen Arten fraglich, betont Lachmann.

Lesen Sie auch: Windräder töten Milliarden Insekten – aber macht das einen Unterschied?

Vögel können mit Tempo des Klimawandels nicht mithalten

Auch wenn Blaumeisen ein Stück weit ihre Eiablage verschieben können, heißt das nicht, dass das künftig für die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen ausreicht. Erst kürzlich zeigte eine Studie, dass einige Vögel sich zwar an den Klimawandel anpassen, allerdings mit dessen Tempo kaum mithalten können. “Manche Arten wie Blaumeise, Kohlmeise, Rötelfalke und Eichelhäher legen ihre Eier früher im Jahr und sie legen insgesamt mehr Eier, doch langfristig reicht das Tempo der Anpassung nicht aus”, sagte Hauptautorin Viktoriia Radchuk vom Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) Ende Juli.

“Es gibt trotzdem noch eine Lücke zwischen der eigentlichen Brutzeit und der optimalen Brutzeit.” Die Forscher hatten 71 Studien ausgewertet. Bei manchen Arten funktioniere die Anpassung gar nicht, etwa bei der Trottellumme. “Die Vögel spüren nicht, dass sich die Bedingungen verändern.”

Lesen Sie hier: Vögel passen sich zu langsam an den Klimawandel an

RND/dpa

Ein parasitärer Wurm, der seinen Wirt einer Gehirnwäsche unterzieht? Klingt wie ein schlechter Film. Doch Schnecken können tatsächlich von so einem Parasiten befallen werden - und werden in absurde Gestalten verwandelt.

14.08.2019

Master mit 23, die erste Führungsrolle mit 30 und Geschäftsführer mit 35: Kann und sollte man die Karriere so genau durchplanen? Nein, sagen Coaches und verraten, worauf es ankommt.

13.08.2019

Das Kind sollte längst in der Kita sein - die Arbeit ruft. Doch der kleine Trotzkopf zieht sich einfach nicht an. Jetzt bloß nicht schimpfen, sagt eine Expertin. Denn das frisst nur noch mehr Zeit. Hier einige Tipps, wie man mehr erreicht.

13.08.2019