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Wissen Mondgestein: Die Nasa packt ihre Schätze aus
Nachrichten Wissen Mondgestein: Die Nasa packt ihre Schätze aus
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14:36 21.07.2019
Der einzige Wissenschaftler auf dem Mond: Der Geologe Harrison Schmitt sammelt Gesteinsproben vom Mond. Schmitt war 1972 mit der letzten bemannten Mission, Apollo 17, auf dem Mond. Quelle: Nasa
Houston

Die Schätze aus dem All liegen seit fast einem halben Jahrhundert unberührt und gut gesichert im Johnson-Weltraumzentrum in Houston. Kaum ein Mensch hat sie je zu Gesicht bekommen: Gesteine vom Mond, mehrere hundert Kilo davon. Passend zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung macht die Nasa nun einen Teil der wertvollen Fundstücke für die Wissenschaft zugänglich.

„Es ist eher Zufall, dass wir den Zugang im Jubiläumsjahr schaffen“, sagt Sammlungsverwalter Ryan Zeigler, von Kopf bis Fuß in weiße Schutzkleidung gehüllt, um die außergewöhnlichen Mitbringsel nicht zu gefährden. „Aber natürlich hat der Jahrestag die Aufmerksamkeit geschärft.“

Der Genesis Rock: Der Stein ist 4,4 Milliarden Jahre alt. Er wurde von Apollo 15 vom Mond mitgebracht. Er galt lange als Beweis, dass der Mond durch einen gewaltigen Einschlag eines anderen Himmelskörpers entstanden ist. Möglicherweise ist er aber doch erst auf dem Mond entstanden. Quelle: AP

Rund 382 Kilogramm Mondgestein kamen auf die Erde zurück

Rund 382 Kilogramm Mondgestein haben die Astronauten der sechs bemannten Mondlandungen zwischen 1969 und 1972 vom Erdtrabanten mitgebracht. Zwölf Raumfahrer suchten Proben zusammen, Pioniere waren Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die am 20. Juli 1969 als erste Menschen den Mond betraten.

Mit ihrer Apollo 11 reisten 22 Kilo Material des Erdsatelliten mit zurück, eine vergleichsweise geringe Menge, weil die Nasa die Aufenthaltszeit für den Moonwalk bei der ersten Landung auf zweieinhalb Stunden begrenzt hatte. Etwa ein Viertel des Gesteins wurde für wissenschaftliche Untersuchungen oder Ausstellungen genutzt, manches ging auch als Geschenke an andere Länder und an die US-Staaten – doch der Großteil wird heute bei Raumtemperatur in Houston verwahrt.

Den Astronauten der weiteren fünf bemannten Landungen bis 1972 blieb mehr Zeit. Die drei letzten, die „Apollo“-Missionen 15, 16 und 17, waren mit Mondfahrzeugen unterwegs, die ihren Sammlungsradius deutlich erweiterten.

Ryan Zeigler präsdentiert sein Mondgestein: Es lagert im Johnson Space Center in Houston, Texas. Viele Stücke kamen noch nie mit der Erdatmosphäre in Kontakt. Quelle: AP

„Nach 50 Jahren lernen wir noch immer Neues“

Ryan Zeigler ist dafür verantwortlich, die Funde gut zu bewahren – und der Wissenschaft jetzt die richtigen Stücke zur Verfügung zu stellen. Nach 50 Jahren verspricht sich die Nasa einiges davon. Die Forschungsinstrumente seien im Vergleich zur Apollo-Ära weit empfindlicher, betont Zeigler. „Wir können mit einem Milligramm mehr machen, als wir damals mit einem Gramm machen konnten“, erklärt er. Daher sei es gutes Timing gewesen, abzuwarten.

50 Jahre Mondlandung

„Nach 50 Jahren lernen wir noch immer Neues“, sagt Zeiglers Kollegin Charis Krysher. Sie hält in Acryl konservierte Mondstückchen von Apollo 11 in ihrer behandschuhten Hand. Bisherige Untersuchungen von Apollo-Mondmaterial hätten beispielsweise den Wissenschaftlern schon Aufschlüsse über das Alter der Oberflächen von Mars und Merkur ermöglicht. Und die Erkenntnis gebracht, dass Jupiter und die anderen Großen an der Außenseite des Sonnensystems sich vermutlich in engerer Entfernung zur Sonne formiert und dann erst nach außen gewandert seien, erklärt Zeigler.

Ein Schatz vom Mond: Das etwa 3,2 Milliarden Jahre alte Stück hilft Wissenschaftlern, die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems zu entschlüsseln. Quelle: AP

Einige Proben waren noch nie der Erdatmosphäre ausgesetzt

Einige der Boden- und Gesteinsproben wurden noch auf dem Mond vakuumverpackt und waren noch nie der Erdatmosphäre ausgesetzt. Andere wurden eingefroren oder in Helium konserviert, nachdem die Raketen auf der Erde zurück waren. Das Laborteam sucht nun nach der besten Möglichkeit, wie das Material unbeschadet und ohne Verunreinigung zugänglich gemacht werden kann. Dafür wird mit Nachbildungen geprobt.

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Im Labor sind die Sammlungen in zwei Teile aufgesplittet: Ein Tresor beherbergt Stücke, die bereits zu Forschungszwecken ausgeliehen wurden. In einem größeren sind die Schätze in Originalzustand verschlossen. Einer allein kann ihn gar nicht öffnen, dazu müssen zwei Verantwortliche zusammenarbeiten und die beiden nötigen Kombinationen eingeben.

Nicht jedes Stück Mondgestein wurde auf dem Mond eingesammelt: Dieser 5,5 Kilogramm schwere Klumpen wurde in Afrika gefunden. Vermutlich wurde er bei einem Metoriteneinschlag aus der Mondoberfläche herausgeschlagen. Bei einer Auktion wurde das Stück für mehr als 600 000 Dollar versteigert. Quelle: Rodrique Ngowi/AP

Neun von der Nasa ausgewählte Forschungsinstitutionen sollen jetzt Zugang zu ebenso auserwählten Stücken erhalten. Ganz verschiedene Größen seien dabei, sagt Zeigler: „Alles vom Gewicht einer Büroklammer bis praktisch zu so geringer Masse, dass man sie kaum noch messen kann.“ Der Gutteil des Materials, das in den kommenden zwölf Monaten bereitgestellt wird, stammt von der Apollo 17-Mission im Jahr 1972, der bislang letzten. Es war auch die einzige, bei der ein Geologe – Harrison Schmitt – mit an Bord war. Schmitt ist noch immer gelegentlicher Besucher im Labor und mit im Team, wenn es nun um die Öffnung von Proben geht.

Der Mond in Zahlen

Der Bestand liegt derzeit bei mehr als 100 000 Mustern, nachdem einige der ursprünglich 2200 Stücke in Kleinteile gebrochen wurden. Nasa-Forscher Jeremy Kent hofft auf Nachschub in der Zukunft und wünscht sich „ein paar mehr Proben, mit denen wir arbeiten können“. Schließlich plant die US-Weltraumbehörde, bis 2024 wieder Menschen auf den Mond zu schicken. Platz für Mitbringsel ist im Labor noch genug.

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Von Till Mundzeck / RND

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