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Reisereporter Museumsschiff „Peking“ ist zurück im Norden
Reisereporter Museumsschiff „Peking“ ist zurück im Norden
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21:10 31.07.2017
Auf dem Dockschiff „Combi Dock“ wurde die „Peking“ von New York nach Norddeutschland transportiert. Quelle: Fotos: Scholz/dpa, Horsten/dpa, Wapner
Brunsbüttel

Das Schild „Closed for Repairs“ versperrt Neugierigen in Brunsbüttel den Zutritt zum mit Gras bewachsenen Achterdeck: Die von Rost zerfressene ViermastbarkPeking“ darf nicht betreten werden. Vor der Rückkehr in den ehemaligen Heimathafen Hamburg muss das historische Schiff erst „wiederbelebt“ werden. Bei der Übernahme in New York sei der Segler nur noch knapp schwimmfähig gewesen, sagte Joachim Kaiser von der Stiftung Hamburg Maritim gestern in Brunsbüttel. „Sie ist in einem desolaten Zustand.“

Morgen soll der Großsegler für die Restaurierung vom Dockschiff geholt werden.

Unter anderem müssen die unteren dreieinhalb Meter des Rumpfes abgetrennt und ein neuer Doppelboden eingebaut werden, erklärte der Geschäftsführer der Wewelsflether Peters Werft, Peter Sierk. Dafür komme der alte Frachtsegler rund eineinhalb Jahre ins Trockendock. Laut Stiftung Hamburg Maritim wird die „Peking“ aber auch danach nie mehr auf eigenem Kiel segeln können.

Ob sämtliche Arbeiten wie geplant 2020 abgeschlossen sein werden, sei ungewiss, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Morgen soll die „Peking“ nach Wewelsfleth geschleppt werden. Sie gehört zu den letzten großen Frachtseglern, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen ihrer Geschwindigkeit und Sicherheit mit Dampf- und Motorschiffen aufnehmen konnten. Bei ihrem Stapellauf 1911 galt sie mit 115 Metern Länge als größtes Segelschiff der Welt. „De Hamborger Veermaster“ besaß einen aus Stahlplatten genieteten Rumpf mit Masten, die sich bis zu 51 Meter über das Deck erhoben. 34 Segel mit einer Gesamtfläche von 4100 Quadratmetern pressten die Bark mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 17 Knoten (rund 31 km/h) über den Atlantik.

Mit einer Besatzung von rund 30 Seeleuten wurde der Großsegler zunächst als Frachtschiff für den Salpeterhandel mit Chile eingesetzt. Rund 4700 Tonnen konnten in den Laderäumen unter Deck verstaut werden. Die letzte Reise des Viermasters unter der Flagge der Traditionsreederei F. Laeisz nach Chile war 1931/1932. Danach wurde die „Peking“ unter anderem als stationäres Ausbildungsschiff genutzt, bevor sie mehr als 40 Jahre an Pier 16 am South Street Seaport Museum in Manhattan lag. Am 19. Juli verließ sie im Bauch eines Dockschiffs die New Yorker Bucht. Wegen des schlechten Wetters auf dem Atlantik fuhr „Combi Dock“ nur langsam. Damit sollten die Schiffsbewegungen minimiert und die Belastungen für den historischen „Flying-P-Liner“ gering gehalten werden. Nach 85

Jahren in der Fremde war die „Peking“ dann am Sonntag in ihrer alten Heimat zurück – sie erreichte die Elbmündung. „Ich bin irgendwie glücklich“, sagte Alexandre Poirier von der Stiftung Hamburg Maritim beim Eintreffen der „Peking“. „Es trennen sie nur noch zwei, drei Zentimeter Stahlblech von der Elbe, dann hat sie endlich wieder Elbwasser unter dem Kiel.“

Nur noch vier P-Liner erhalten

„Flying P-Liner“ heißt die Familie der Großsegler, die für die Reederei F. Laeisz im 19. und 20. Jahrhundert Salpeter und Getreide über die Weltmeere transportierten. Von den einst 68

Schiffen sind noch vier erhalten: Die „Pommern“ liegt im finnischen Mariehamn, die „Passat“ in Travemünde und die „Peking“ nach ihrer Restaurierung in Hamburg. Nur die „Padua“ fährt noch. Sie dient Russland unter dem neuen Namen „Kruzenshtern“ als Segelschulschiff.

LN