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Reisereporter Reise ins Ungewisse
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19:12 16.01.2017
Odysseus (Titus Witt) zu Besuch beim Zyklopen Polyphem, den er schließlich überlisten und blenden kann. Quelle: Fotos: Sebastian Bolesch
Lübeck

Die Homer zugeschriebene Odyssee gilt als Beginn der europäischen Kultur- und Literaturgeschichte. Der kunstvoll erzählte Bericht über die Irrfahrten und dann doch noch gelungene Rückkehr des Odysseus ist neben der Ilias der wichtigste Text der frühen Antike. Niemand weiß, ob es tatsächlich einen Dichter namens Homer gegeben hat, niemand weiß, ob die ionische Insel Ithaka tatsächlich von einem König namens Odysseus regiert wurde. Aber das hat nicht verhindert, dass die Odyssee den größtmöglichen Einfluss auf die Künste genommen hat. Es gibt viele Bearbeitungen des Themas, der Roman „Ulysses“ von James Joyce ist die berühmteste. Musikalisch hat Anfang des 17. Jahrhunderts der Italiener Claudio Monteverdi aus dem Stoff eine Oper gemacht. Auf dieser Musik basiert das Musiktheater „Odysseus“ der Taschenoper Lübeck, das am Sonntag Premiere in den Kammerspielen des Theaters Lübeck hatte.

Die Taschenoper Lübeck präsentiert eine beeindruckende „Odysseus“-Inszenierung.

Große kleine Oper

Die Taschenoper Lübeck wurde 2004 von Margrit Dürr und Julian Metzger gegründet. Sie arbeitet seitdem als Tourneetheater in Deutschland. Seit 2006 besteht eine Kooperation mit dem Theater Lübeck. Die Taschenoper bietet große Opern in kindgerechter Bearbeitung sowie Uraufführungen und Workshops.

Die Produktion ist ein Gemeinschaftswerk der Taschenoper mit der „lautten compagney BERLIN“. Alte Musik auf alten Instrumenten in neuen Zusammenhängen ist eine der Spezialitäten dieses renommierten Ensembles, wie gut dieses Konzept funktionieren kann, zeigte dieser Nachmittag in den gut besetzten Kammerspielen. Neben der Musik von Monteverdi erklang eine Komposition von Katia Tchemberdji, die bereits viele Filmmusiken und auch eine Kinderoper geschrieben hat. Das passte erstaunlich gut zusammen, Tchemberdjis Musik ist eingängig und nicht allzu fordernd. Dem Publikum bereiteten diese modernen Klänge ebenso Freude wie Claudio Monteverdis Madrigale.

Das Libretto der Oper hat die Mitbegründerin und Leiterin der Taschenoper, Margrit Dürr, geschrieben. Sie bezieht sich auf ein aktuelles Thema: Odysseus ist heil zurückgekehrt auf seine Insel Ithaka – aber dann kommen immer mehr Flüchtlinge an. Die Insel ist zu klein für sie, es entstehen Konflikte mit den Einheimischen. Und so macht sich Odysseus mit seinen Gefährten wieder auf, um ein Land zu finden, in dem die Flüchtlinge sicher leben können. Von diesem Moment an folgt die Handlung der Odyssee. Odysseus und die Seinen erleben Abenteuer um Abenteuer.

Auf der Insel der Circe, die selber wie Miss Piggy persönlich auftritt (Ausstattung: Katia Diegmann), werden sie alle in Schweine verwandelt, mit Mühe entkommen sie von der Insel der Lotophagen. Der betörende Gesang der Sirenen erklingt – aber Odysseus’ Gattin Penelope schickt heimatliche Klänge über das Meer, die die Gefährten retten. Gesungen wird diese Melodie vom Publikum, das ist einer der vielen guten Einfälle von Regisseur Sascha Mink. Diese Einbeziehung des Publikums macht die Produktion lebendig, zumal immer wieder Kinder auf die Bühne geholt werden, um den Akteuren beizustehen oder um Bewertungen abzugeben. Es folgen noch ein Sturm und die Begegnung mit einem gefährlichen Riesenkraken, der fast die gesamte Mannschaft von Odysseus’ Schiff verschlingt.

Ein auf den ersten Blick für die Flüchtlinge geeignetes Land erweist sich jedoch als brandgefährlich, denn dort hausen die Zyklopen. Mit einem Trick überlistet Odysseus Polyphem und kann entkommen. Irgendwie gelangt er doch nach Hause, und hier geht der Ärger weiter. Aufdringliche Freier belagern Penelope, aber Odysseus kann sie besiegen. Ende gut, alles gut – nur für die Flüchtlinge ist noch immer kein Platz gefunden.

Kindgerecht aufbereitet ist dieser antike und doch zeitlose Stoff, wunderbar in Bilder umgesetzt. Und musikalisch haben die fünf Instrumentalisten und die sieben Sängerinnen und Sänger viel zu bieten. Allen voran Aurélie Franck, die eine hinreißende Penelope gibt. Titus Witt ist ein mächtig dröhnender, aber dennoch gutherziger Odysseus, Julian Metzger überzeugt nicht nur als Sänger, sondern auch als Barockposaunist. Die Figurenspielerin Pauline Drünert setzt mit ihren Puppen immer wieder wichtige Akzente.

Ein sehr vergnüglicher Nachmittag in den Kammerspielen war die Begegnung mit dieser Lesart der Odyssee. Musikalisch beeindruckend, längst nicht nur für Kinder.

Nächste Aufführung: heute um 11 Uhr.

Jürgen Feldhoff

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