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Sehen “Colossal“ und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen “Colossal“ und mehr DVD-Tipps
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19:49 19.01.2018
Quelle: iStockphoto
Hannover


Line of Duty – Die Serie: Alle bisherigen Staffeln auf einmal – für alle die’s noch nicht kennen. “Line of Duty“ ist eine der britischen Qualitätsserien vom Schlage “Luther“, “Spooks, “Happy Valley“, “Orphan Black“ und “Sherlock“. In bislang vier Staffeln wird von der Polizeieinheit AC-12 erzählt, die im Fall von verdächtigen Kollegen tätig wird. Martin Compston ist Detective Sergeant Steve Arnott, den ausgerechnet die Weigerung, einen Vorfall zu vertuschen, in die ungeliebte Antikorruptionseinheit gebracht hat.

Mit der verdeckt arbeitenden Kollegin Kate Fleming (Vickie McClure) ist er in der ersten Staffel dem besten Pferd im Stall auf der Spur, Detective Chief Inspector Tony Gates (Lennie James), der möglicherweise nicht so untadelig ist wie es den Anschein hat. In jedem Fall hat der zweifache Familienvater eine verhängnisvolle Affäre mit einer Frau, die sich die falschen Feinde gemacht hat. Was ihn aber eigentlich auf die Liste der AC-12 gebracht hat, ist ein Gratis-Sandwich in einem Imbiss.

So beginnt Jed Mercurios vielschichtiges Krimidrama, das neben packenden Storys lebensechte Charaktere aufweist und dessen geschilderte Polizeiarbeit überaus realistisch erscheint. Bis zur vierten Saison (über einen Polizisten-und Serienmörder und eine von “Westworld“-Star Thandie Newton gespielte Polizistin) hielt “Line of Duty“ das Versprechen, den Zuschauer zu elektrisieren. Stoff für ein endloses Binge-Watching. Und wer danach traurig ist wie nach den letzten Lichtperlen eines großen Feuerwerks, der sei getröstet: Die Staffeln 5 und 6 sind schon im Anrollen. 2019 sind die Antikorrupten wieder im Einsatz.

Line of Duty – Die Serie Quelle: Just Bridge

Preacher, Staffel 2: Die Drei von “Preacher“, Jesse, Tulip und Cassidy, sind auf der Suche nach Gott, der sich - seines Jobs müde – verzogen hat, um sich in niederen Stripteaseschuppen von Jazzbands Lieblingslieder vorspielen zu lassen. Sie selbst singen im Auto “Come On Eileen“ der Dexy’s Midnight Runners, plaudern über die 70 Millionen Knabenbeschneidungen im Jahr und was wohl mit all den Vorhäuten passiert - Sachen, die den Zuschauer mit dem guten alten Buddymovie-Wohlbefinden versorgen.

Dann geraten sie in eine Polizeikontrolle, bei der Vampir Cassidy fast gegrillt wird, bevor der Saint of Killers auftaucht wie ein alter Italowesternbösewicht und mit seiner Schusswaffe Polizistengulasch anrichtet. Jabbadabbaduh, hier ist sie wieder, die wilde Comicverfilmung, in der drei nicht allzu ehrenwerte (Super-)Helden die Welt vor einer Geheimorganisation retten müssen. Das Kleinstadtpanorama hat sich zu einem Roadmovie geweitet, für manche Human-Schaschlik-Szene braucht es einen starken Humor und einen ebensolchen Magen, für manches Palaver einen starken Geduldsfaden.

Man kann nicht sagen, dass Dominic Cooper in der Titelrolle des Preacher neues Interesse an der Kirche weckt, aber gemeinsam mit Ruth Negga und Joseph Gilgun bewahrt er uns mit der zweiten Staffel seiner abgefahrenen Abenteuer einige Abende lang vor unserer schlimmsten Berohung – der Langeweile. Gottseidank – das ist doch schon mal was Gutes.

Preacher, Staffel 2 Quelle: Sony

The Last Kingdom, Staffel 2: Befrei einen König, begib dich direkt dorthin - so geht diese Geschichte los. In der zweiten Staffel wollte Held Uthred (Alexander Dreymon), ein Mann, zerrissen zwischen seiner dänischen und seiner sächsischen Seite, eigentlich in den Norden ziehen, um seine Ansprüche als Lord von Babbenburg für sich zu reklamieren. Und schon befindet sich der halbe Wikinger auf einer mittelalterlichen “Mission: Impossible“, um einen Gefangenen zu befreien, dem prophezeit wurde, er werde als Herrscher die unvereinbaren Völker auf englischem Boden vereinen.

Diese unverhoffte Aventüre beschert dem wehrhaften Uthred einen Sack voller Probleme, werfen ihn in eine Odyssee, die all seine guten Zukunftspläne begräbt. Zwei Buchvorlagen werden bravourös in acht Episoden bewältigt. Und wenn wir am tragischen Ende dieses zweiten Durchlaufs angelangt sind, dann ist eine sehenswerte Serie zu einer außerordentlichen geworden. Bruder hat gegen Bruder gekämpft, aus Freunden sind Feinde geworden, vier tapfere Männer haben das Zeitliche gesegnet. Und der Held, der eigentlich mit dem Pragmatismus einer Wikingerseele stets das Richtige für sich tun müsste (ohne moralische Vorbehalte) hat sich dabei unzweifelhaft sein edles Heldenherz bewahrt. Man freut sich auf den nächsten Durchgang.

The Last Kingdom, Staffel 2 Quelle: Alive

Dark Matter, Staffel 1: Am Anfang möchte man den Apparat gleich wieder abschalten. Das Raumschiff sieht nicht nach großem Kostenfaktor aus, die Beleuchtung ist das übliche SF-Blau und die Leutchen, die da aus dem Tiefschlaf erwachen, sehen allesamt aus, als hätte man sie bei einer Modeschau direkt vom Laufsteg weg engagiert: Mimisch ausdrucksarme Schönlinge, denen man nicht viel zutraut, naja, vielleicht ein paar choreografierte Kampfszenen. Dass alle sechs erstmal nicht wissen, wer sie sind und warum sie im Weltall unterwegs sind und von einem Androiden begleitet werden, hält den Sci-Fi-Fan bei der Stange. Und als die Ahnungslosen von einem anderen Weltraumgefährt aus beschossen werden, ist man schon in der Umlaufbahn der Weltraumoperette “Dark Matter“.

Und siehe da: Das düstere Schiff mit seinen verschlossenen Kammern und rätselhaften Passagieren, die bald vom Bordcomputer erfahren, dass sie Kriminelle waren und als Auftragskiller losgeschickt wurden, zieht einen am Ende doch in den Bann. Dass niemand niemandem wirklich trauen kann, verstärkt den Thrill – Paranoia ist was Wunderbares. Joseph Mallozzi und Paul Mullie (“Stargate“) haben eine labyrinthische Graphic Novel in eine Serie verwandelt, die eben doch sehenswert ist, auch wenn die im Genre so wichtigen Trickeffekte den Anforderungen von 2017 nicht so ganz genügen.

Dark Matter, Staffel 1 Quelle: Just Bridge

Within: Was passiert, wenn der Wandschrank ohne Zutun aufgeht, steht bei Stephen King zu lesen – am Anfang von “Cujo“, der Geschichte über den treuen Bernhardiner, der tollwütig wurde. Im Wandschrank lebt nie etwas Gutes, es frisst am Ende Leute – so wie der Clown im Gully von “Es“. In Phil Claydons “Within“ beginnt das Grauen für die junge, unglückliche, unter Hausarrest stehende Hannah (Erin Moriarty) mit dem leisen Quietschen, mit dem sich der Schrank in ihrem Zimmer ohne ihr Zutun öffnet.

Der größte Horror ist, so dachte sie (und glaubt es noch eine Weile), dass sie mit Vater (Michael Vartan) und Stiefmutter (Nadine Velazquez) aufs Land ziehen musste – weg vom geliebten Freund, weg von den Freundinnen, weil, so erfahren wir, sie ein schwieriger Teenager war (Alkohol und so). Blöderweise sind die Alexanders nicht nur in eine schräge Nachbarschaft sondern offenbar in ein Geisterhaus gezogen, wo ein paranormaler Rumpelstilz bald die Klassiker des Fürchtenlehrens auffährt: Bettdecke wegziehen, Bild von der Wand werfen, Licht ausmachen, Herumklappern, schattenhaftes Sichtbarwerden und so weiter.

Damit der Zuschauer die ollen Kamellen für bare Münze nimmt, fährt in die geräuschvolle Filmmusik immer mal wieder das seufzende Atmen des Bösen. Das ist alles nicht schlecht anzuschauen, wobei die Auflösung dann zwar überraschend, aber kein bisschen glaubwürdig und in letzter Konsequenz doof ist. Wir bevorzugen (originellere) Geister.

Within Quelle: Warner

Threesome – die Serie: “Hoffentlich bin ich noch schwul“, seufzt Ritchie Valentine (Emun Elliott) nach dem betrunkenen Dreier mit seiner besten Freundin Alice Heston (Amy Huberman), und deren Lebensgefährten Mitch Annis (Stephen Wight). Drei wirklich gute Freunde werden gemeinsam schwanger, der biologische Vater ist Ritchie, der gefühlsmäßige Daddy der naive Mitch,der sich bei der Gelegenheit als unfruchtbar erweist und gleich noch seinen Job als Serienspender bei der Samenbank verliert. Nachdem die dramatische Klippe einer möglichen Abtreibung umschifft ist, beschließt das Trio, das kommende Kleinchen gemeinsam aufzuziehen.

“Die Party kann ja nicht ewig weitergehen, und wer möchten wir sein, wenn die Musik aufhört?“ trösten sie sich, und wie sie Alice‘ Schwangerschaft, Geburt und das sogenannte “Gröbste“ von Baby Lily durchstehen, ist nicht nur sehenswert, weil Wight selbst aussieht wie ein erwachsenes Baby, Elliott wie ein junger Robert Downey Junior und Huberman wie eine Lady Di mit losem Mundwerk wirkt. “Threesome“ ist witzig und hebt – weil britisch – nicht völlig ab vom wirklichen Leben. Wurde beim Comedy Festival in Montreux als beste Sitcom ausgezeichnet.

Threesome – die Serie Quelle: Polyband

Die Schöne und das Biest / Cinderella: Frauenpower im Märchenland. In einem Film befreit sich eine zur Dienstmagd degradierte Bürgerstochter von der Bevormundung einer bösen Stiefmutter (samt Stiefschwestern), im anderen erlöst ein Mädchen mit ihrem Charme und ihrer Gewitztheit einen verwunschenen Prinzen (samt seines verwunschenen Hofstaats).

Zwei Realfilm-Umsetzungen ihrer Zeichentrickklassiker haben die Disneys hier zusammen gepackt. Emma Watson ist der Star von Bill Condons melancholischer Verfilmung von “Die Schöne und das Biest“ und beweist hier, dass sie nicht nur schauspielern sondern auch singen kann. Lily James ist in Kenneth Branaghs wagnerianischem “Cinderella“-Prachtstück eine zarte, gutherzige Blondine, die ihre Chance nutzt, obwohl sie es mit Cate Blanchett als Gegenspielerin zu tun bekommt. Beide Filme machen den Trickfilm-Originalen alle Ehre.

Die Schöne und das Biest / Cinderella Quelle: Disney

Colossal: Anne Hathaway spielt die Hauptrolle in einer Science-Fiction-Komödie, die den Zuschauer über ihren Ausgang lange im Unklaren lässt, die überhaupt voller überraschender Wendungen ist, und deren Pointen auch nicht schon weidlich von Kinogehern gespoilert wurden. So dass wir einen angenehmen Videoabend (man sagt immer noch nicht DVD- oder BluRay-Abend) haben werden mit der Geschichte einer mit Vorliebe volltrunkenen, jungen Frau, die ihr Leben gegen die Wand gefahren hat, weshalb sie die Schmachtour fahren muss. Zurück in ihrer Heimatstadt trinkt sie freilich weiter, denn hier sind einige alte, alkfeste Freunde unterwegs.

Parallel zu diesem betrüblichen Privatleben legt auf der anderen Seite der Welt ein godzillagroßes Monstrum Südkorea in Trümmer. Nein, keine ferngelenkte Superwaffe von Kim Jong-Un, es ist Anne Hathaways Trinkerin, die das Biest in ihren Blackouts manifestieren lässt. Kratzt sie sich am Kopf – sie siehts in einer Fernsehübertragung – tut es das Monster auch.

Der spanische Filmemacher Naccho Vigalondo hat jetzt zwei Dinge zu erzählen: Wie Gloria wieder auf die Beine und wie das Monster aus der Welt kommt (bevor der dicke Kim sich Südkorea ohne Einsatz auch nur eines Feuerwerkskörpers einverleiben kann). Dazu führt er uns in eins dieser ruinierten US-Städtchen, in denen die Trumpwähler sitzen und zeigt uns, wie ein origineller Film gemacht wird. Warum ihm der Start in deutschen Multiplexen verwehrt blieb, bei all dem Quatsch, der 2017 dort zu sehen war, bleibt ein Rätsel wie die Herkunft des Monsters.

Colossal Quelle: Universum

Casino Undercover: Warum sieht man Filme mit schlechten anzüglichen Witzen derzeit besonders ungern an? Zunächst, weil man für Schlechtes nie gern Geld ausgibt. Vor allem aber weil man in den Tagen von Hollywoods großer Bezichtigungs-&-Bekenntnis-Zeit, in der man hinter jeder sexuellen Anspielung in einem Film, bei der Frauen auch nur entfernt als “Beute“ erscheinen, Filmemacher vermutet, die im Privatleben gern “Beute“ machen und aus ihren Erfahrungen Gags destillieren. Noch vieles altes Gelächter bleibt einem da nachträglich im Halse stecken, Besetzungscouchs tauchen im Hinterstübchen auf: Zieh dich aus oder spiel in einem anderen Film mit. Es steht eine Zeit der (bigotten) Prüderie zu befürchten, die niemand wollen kann.

“Casino Undercover“ jedenfalls ist eine Komödie voller unglaublich misslungener anzüglicher Witze. Und die wenigen nicht anzüglichen sind leider auch nicht besonders geglückt. Will Ferrell und Amy Poehler spielen ein Paar, das im Haus ihres Nachbarn (Jason Mantzoukas) ein Casino eröffnet, weil das städtische Stipendium gestrichen wurde und die regulären Einkommen der beiden nicht ausreichen, ihre Tochter auf die Bucknell University zu schicken. Was eine smarte Komödie über begrenzte Bildungschancen im “land of the free“ hätte werden können, ist nur eine weitere der zahllosen, grauenvollen, völlig verkrampften Lach-oder-stirb-Streifen über Menschen, die in jeder Minute mindestens sieben Mal an Sex denken.

Casino Undercover Quelle: Warner

U.S.S. Indianapolis: Ein tragisches Schiff war sie auf der Hin-und Rückfahrt. Die Indianapolis transportierte Teile der Atombombe für Hiroshima nach Tinian Island, wo die Waffe zusammengebaut wurde, um an Bord der B-29 Enola Gay Tod und Trauer nach Japan zu tragen. Ein Geheimauftrag, entsprechend gab es keine Eskorte. Auf dem Weg zum nächsten Auftrag wurde das Schiff von den Japanern versenkt, 880 Mann blieben im Wasser, warteten vier Tage auf Rettung – in haiverseuchten Gewässern.

Mario van Peebles hat die Tragödie verfilmt und Nicolas Cage spielt die Hauptrolle des Captain Charles McVay, der Kommandos auswirft und eine ernste Miene aufsetzt, was auf Dauer lächerlich wenig ist für einen Oscar-Preisträger - auch wenn Cage schon lange jeden schauspielerischen Ehrgeiz verloren zu haben scheint. Kaum eine der Figuren hier erlaubt es dem Zuschauer, sich in ihre schreckliche Situation einzufinden, die Drehbuchautoren Richard Ruonda Del Castro und Cam Cannon haben eine blutleere Gemeinschaft geschaffen, die jeden Hai von Ehre kalt lassen müsste.

Dramaturgisch gelingt hier wenig, zu viel versucht Van Peebles bis hin zum Prozess gegen McVay in seinen Film zu pressen, und historisch korrekt ist auch längst nicht alles. Nur die Trickeffekte japanischer Kamikazeflugzeuge und angreifender Raubfische sind halbwegs überzeugend. Solange ein Nicolas Cage mitspielt, ist zumindest ein DVD-Release garantiert.

U.S.S. Indianapolis Quelle: NEW KSM

Das Pubertier: Jan Weiler geht Kino oder so. Und nein, nicht Regisseur Leander Haußmann ist das titelgebende Tier. Sondern Carla, die Tochter von Hannes (Jan Josef Liefers) und Sara (Heike Makatsch) Soeben noch ein niedliches kleines Mädchen in der “Ja,-Papa“-Phase des Lebens, ist sie jetzt in der “Aber“- und “Fuck off“-Zeit angelangt, hin- und hergerissen zwischen Trotz und Eskapade und Unsicherheiten samt Rücksturz ins Elternbett.

Vor allem der Vater leidet unter dem Verlust des berechenbaren kleinen Mädchens und dem Auftauchen der renitenten jungen Frau in seiner Familie, während die Mutter mit dem unverkrampften Dauerlächeln der Wissenden nahezu unbenutzt in der Szene steht. Dazu kommen Detlev Buck mit Jeff-Bridges-Samuraifrisur und eine gallige Monika Gruber als befreundetes Ehepaar mit einem ebenfalls pubertär verschränkten Sohn. “Zum Verzweifeln komisch – zum Verzweifeln realistisch“ lautet der Werbespruch auf der Rückseite der BluRay. “Leidlich komisch – voll überzogen“ würde nicht so viele Exemplare verkaufen, wäre aber angemessener.

Haußmann krampft in der Komik, Harriet Herbig-Matten spielt in der Titelrolle so, als läse sie jeden einzelnen Satz vom Blatt ab. Der Haußmann des Bochumer Theaters, der Haußmann, der “Peter Pan“ zur Expo nach Hannover brachte, er ist offenbar unwiederbringlich verloren. Zu allem Überfluss ist ihm jetzt zu schlechter Letzt auch noch sein Klamauk eingeschlafen.

Das Pubertier Quelle: Constantin

Wolves at the Door: Die Ermordung von Sharon Tate und ihren Freunden in den Hollywood Hills durch die durchgeknallte Charles-Manson-Family gehört zu den Wendemarken der “Sommer der Liebe“ genannten Hippieära zwischen 1967 und 1969. Der Film “Wolves at the Door“ behauptet eingangs nun, er basiere auf diesen Begebenheiten und endet mit den Fakten zum Fall und was danach geschah (der Tod des Sektenführers vor ein paar Wochen fehlt naturgemäß). Dazwischen packt “Annabelle“-Regisseur John R.Leonetti einen durchschnittlichen Heiminvasionsthriller.

Zwei Männer und zwei Frauen werden überfallen, gejagt, verletzt, umgebracht. Die ganze Palette klassischer Schockmomente wird aufgebraucht, mit dem Fall Tate hat das Ganze nichts zu tun, außer dass die Mörder mit Blut “Schweine“ an die Türen schmieren und eine der beiden Protagonistinnen schwanger ist wie es die Schauspielerin aus “Tanz der Vampire“ damals war.

Die Filmemacher machen einen billigen, kleinen Killerhorror, wo man sich dem heiklen Thema eigentlich nur noch mit journalistischer Rekonstruktion nähern dürfte (wie es Kathryn Bigelow jüngst in “Detroit“ mit den Rassenunruhen des Sommers 1967 getan hat). Dieser Film ist eine billige Geldmache, ein authentizitätsfreies Hauen und Stechen, eine postume Ohrfeige für die damaligen Opfer und ihre Angehörigen.

Wolves at the Door Quelle: Warner

The Night of the Living Deb: Man kriegt einen Statisten auch für zwei Dollar als Zombie geschminkt, dann sieht er allerdings nicht aus wie in “The Walking Dead“ sondern wie in “The Night of the Living Deb“, wie gepuderte Schauspieler mit ein wenig Kunstblut um den Mund, bei denen man als Zuschauer einfach nicht in den “Fürchte dich!“-Modus kommt.

Muss man auch nicht, denn Regisseur Kyle Rankin macht in Komödie, zieht die allgemeine Zombievernarrtheit bis hin zum Glauben an eine mögliche Zombieapokalypse durch den Kakao. Er füttert seinen Film mit ein wenig satirischem Zeigefinger in Richtung Medien und Medienkonsum, amerikanische Waffennarretei, amerikanischen Patriotismus und wurschtigen Umgang mit der Umwelt. Hauptsächlich aber wird in der Klamotte gealbert, dass es einen in den besten Momenten entfernt an den Klaumauk von “Die nackte Kanone“ erinnert.

Die Zombies bleiben dann aber leider auf halbem Weg im Kakao kleben, was an den Darstellern der Lebenden wirkt, vor allem an Hauptdarstellerin Maria Thayer, bei der man sich die ganze Zeit über wünscht, sie würde sich endlich in einen Beißer verwandeln, damit man ihr Blabla samt ihren extrem dürftigen Darstellungskünsten nicht mehr ertragen muss. Die werbenden Jubelarien auf dem Cover, die von “Riesenspass“ und “Kultpotenzial“ reden, wurden vielleicht von “Shaun of the Dead“ abgekauft.

The Night of the Living Deb Quelle: Tiberius

Von Matthias Halbig

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