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Sehen "Manchester by the Sea" und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen "Manchester by the Sea" und mehr DVD-Tipps
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20:10 09.06.2017
Quelle: Fotolia
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Hannover,

Manchester by the Sea Quelle: RND

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Manchester by the Sea: Die Leute beschweren sich über Lee Chandler. Er ist mürrisch und abweisend, nicht der gefällige, dienstbare Hausmeister, den die Leute im Block gerne hätten. Geht er einen trinken in Boston, nimmt das oft kein gutes Ende. So sind Menschen, wenn eine schwere Schuld in ihren gärt und immer wieder ans Licht drängt, wenn sie am liebsten nicht mehr da wären, aber nicht aus ihrer Haut können und ihre Wut irgendwie austragen müssen. In Rückblenden erfährt man das schlimme, unüberwindbare Unglück des Protagonisten: Dass er einst glücklich war, bis er durch eine Nachlässigkeit seine drei kleinen Kinder verlor. Jetzt hat ihn sein plötzlich verstorbener Bruder Joe zum Vormund seines nicht allzu pflegeleichten Sohnes Patrick bestimmt. Lee aber fühlt sich unfähig zu einer Fürsorge, die ihn immer an das Schicksal seiner Kinder erinnern würde. Jeder Aufenthalt in Manchester, jeder Gedanke an die Stadt wühlt die Vergangenheit neu auf. Und doch ist da der Auftrag seines Bruders, den er nicht ignorieren kann. Es ist Casey Afflecks sensationelles, mit dem Oscar gekröntes Spiel, das diesen Film zum überwältigenden Ereignis macht. Affleck zeigt in seiner bislang stärksten Rolle eine versteinerte Seele, einen von Verlust und Trauer erschütterten Mann, der auf dem beschwerlichen Weg zur Erlösung nicht vorankommt, weil die Welt ihm zuliebe eben nicht innehält für eine Zeit des Heilens sondern unerbittlich voranschreitet. Die wunderbar nuancierte Zeichnung aller Charaktere, die durchweg eindrucksvollen Darstellerleistungen und die einfühlsame Inszenierung von Autor/Regisseur Kenneth Lonergan aus „Manchester“ einen Film, den man nicht mehr vergisst. – Universal

Orange is he Nw Black Quelle: StudioCanal

Orange is The New Black – Staffel 4: Es ist wieder alles gut respektive spannend im Frauengefängnis Litchfield, hinter dessen Pforten wir 2013 dem eigentlich untadeligen Neuzugang Piper (Taylor Schilling) folgten. Die erste Staffel war bester Stoff zum Bingewatchen, ein Mix aus klaustrophobischer Knast-Härte und Comedy, bei dem man vorm Bildschirm quasi zum freiwilligen Mitinsassen avancierte. Der Fesselzauber währte bis zum Ende von Staffel 2, bei der dritten Saison war man nicht mehr so konzentriert dabei, man fand, dass „orange“ eher das neue „rosarot“ würde und wechselte zur (älteren) australischen Frauengefängnisserie „Wentworth“. Die vierte Staffel holt nun wieder auf, wächst von Folge zu Folge, bis die Ereignisse in den letzten vier Episoden das Niveau der Anfänge erreichen. Während Heldin Piper zunehmend mit charakterlichen Defiziten ausgestattet wird, entwickelt sich die Figur Poussey (Jenji Cohan) zur Sympathieträgerin der Serie und bislang unterentwickelte Rollen wie Maritza (Dianne Guerrero) oder Flores (Laura Goez) liefern beeindruckende Auftritte. Alle tragenden Charaktere tragen wieder interessante Geschichten, die geschickt miteinander verwoben werden, bis das White Power Movement in Litchfield seinen Aufstieg erlebt und die Rassengräben breiter werden. Der Cliffhanger am Ende, dieser wirklich böse Paukenschlag, der die Brücke zur fünften Staffel bildet, lässt den Zuschauer dann mit einer Hand an den Gitterstäben rütteln (bis er merkt, dass gar keine da sind) während er mit der anderen Hand Papiertaschentücher entfaltet. - Studiocanal

Sherlock Quelle: RND

Sherlock, Staffel 4: Sherlock heute, ein Detektiv und Deduktionsgenie im digitalen Zeitalter. Eine der faszinierendsten Serien überhaupt, beliebt bis China, auch wegen des Hauptdarstellers Benedict Cumberbatch, der mit seinen hohen Wangenknochen und den schmalen Augen andersweltig attraktiv ist. Das Warten auf immer nur drei neue Abenteuer wurde indes zur Qual für die Fans. Inhaltlich war alles perfekt, bis in Staffel drei die Serienmacher Doktor Watsons (kongenial: Martin Freeman) Braut Mary (Amanda Abbington) mit einer abenteuerlichen Vergangenheit ausstatteten. Plötzlich war das Duo zu dritt und irgendwie aus der Balance, Sherlock gezwungen, Unfassliches zu tun, die Auftragskillerin Mary zu schützen. Die aus Sir Arthur Conan Doyles viktorianischem England so liebevoll ins Heute übertragenen Storys, büssten entsprechend Beliebtheit ein. In der vierten Staffel (Wartezeit: drei Jahre) sind Mark Gatiss und Stephen Moffat damit beschäftigt, Terrain zurückzuerobern, die Zweiermagie wieder herzustellen, ohne Mary zum Heimchen am Herd zu degradieren. Moriarty (Andrew Scott) ist wieder am Werk, die ersten beiden Fälle gehören trotz des schwächeren Zuschauerzuspruchs zu den besten, reichhaltigsten der Serie, der dritte kommt mit einer Überraschung im Serienpersonal daher, ist aber in seinem erzählerischen Kniff, seiner Verwandtschaft zu „Die Braut des Grauens“, leider ein déjà vu. Wir sind trotzdem erpicht auf Staffel 5. Ob und wann die kommt, steht in den Sternen. Wir warten. - Polyband

Daredevil, Staffel 2: „Daredevil“ ist – nach „Jessica Jones“ – Marvels beste Superheldenserie. Das galt zumindest für die erste Staffel, in der der blinde Anwalt Matt Murdock zum geschwinden Helden mit Supersinn wurde, anfangs noch mit einem improvisierten Behelfsmummenschanz auf nächtliche Verbrecherjagd ging, bis er am Ende in sein schnittiges, ochsenblutrotes Teufelskostüm schlüpfte. Was „Daredevil“ so unvergleichlich machte, war die Bodenhaftung. Bei allem Actiongewese schienen die Abenteuer des Anwalts Murdock und seiner Freunde und Feinde in einer der unseren vergleichbaren Wirklichkeit angesiedelt. Gute Charaktere, gute Dialoge, gute Story(s), langsames Erzählen. So beginnt auch die zweite Staffel, in der ein Marvelscher Antiheld, der ultrabrutale Ex-Marine Frank Castle alias Punisher (Jon Bernthal, bekannt aus „The Walking Dead“) in Hell’s Kitchen unter einer Organisation mafiöser Iren für tödliche Gerechtigkeit sorgt. Mit seinem Massaker ruft er Daredevil auf den Plan, der auch übelste Kriminelle stets lebendig zu überstellen pflegt. Irgendwie scheint den bislang liebevollen Machern dann allerdings mit dem Auftauchen von Elektra (Elodie Young) und der schattenhaften Organisation „The Hand“ in Episode 5 ad hoc die Zuneigung zum Stoff zu schwinden. Plötzlich werden die meisten der Figuren blasser, Neuzugänge bleiben unter ihren Möglichkeiten, es wird klischeehafter erzählt, „Daredevil“ steuert darauf zu, nur eine weitere, einigermaßen unterhaltsame Serie in der Legion von Comicverfilmungen zu werden. Elektra elektrisiert nicht halb so viel wie der Punisher, Trauer muss Matt Murdock tragen. - Marvel/Disney

Baron Noir Quelle: Verleih

Baron Noir, Staffel 1: Geld fehlt in der Kasse, ein behördliches Rollkommando ist schon so gut wie unterwegs. Der Bürgermeister von Dünkirchen, Philippe Rickwaert (Kad Merad), kann das Defizit nicht binnen drei Stunden ausgleichen, ein Sündenbock wird in Joel gefunden, dem jungen Kassenwart der Gewerkschaft. Der springt in seiner Verzweiflung von einem Silo und befreit Rickwaert damit von jedem Verdacht und möglicher Bestrafung. Von dem fehlenden Geld wurden zwar Stimmen für seine Wahl gekauft, aber der Kandidat der Sozialisten für den Elyséepalast, Francis Laugier (Niels Arestrup), der Rickwaert bereits einen Ministerposten versprochen hatte, lässt seinen Freund aus Angst vor einem Skandal nach der gewonnenen Wahl fallen. Und das mit allen Wassern gewaschene Stadtoberhaupt kennt fortan nur die eine Sehnsucht: „Laugier in die Pfanne zu hauen.“ Seine Rache ist denn auch überaus sehenswert, Merad, auch in Deutschland ein Star seit der hinreißenden Komödie „Willkommen beiden Scht’is“, zieht als durchtriebener schwarzer Baron Rickwaert alle Strippen, macht die französische Politthriller-Serie zu seinen Festspielen. Der doppelmoralische und intrigante Politbetrieb wird hier beinahe so brillant böse bloßgestellt wie in der US-Variante von „House of Cards“. Präsident Hollande gab der Serie den Ritterschlag, indem er sie im Vorjahr beschuldigte, Politik der Lächerlichkeit preiszugeben. In Frankreich ist die zweite Staffel am Werden. Wir könnens kaum erwarten. - Studiocanal

Assassin’s Creed: Ein Videospiel als Actionfest für Kinoleinwände und Großbildschirme. Die erzählte Geschichte ist dabei sehr geheim und überaus abstrus: Tempelritter und Assassinen führten einen jahrhundertelangen Ordenskrieg um den Apfel von Eden, die biblische Adam-und-Eva-Frucht, deren Kern das Geheimnis um den menschlichen Willen und seine Beherrschbarkeit enthält. In der Gegenwart instrumentalisieren die Templer die Nachfahren der Assassinen, mittels eines hanebüchenen genetischen Erinnerungssimsalabims und einer ominösen Technik namens Animus, in Zeit und Körper ihrer Vorfahren zu schlüpfen, um für sie den Aufenthalt des Obstes zu eruieren. Ausnahmeschauspieler Michael Fassbender spielt den Helden in dieser etwas anderen Zeitreisegeschichte, wobei diesmal weniger seine außerordentlichen Verkörperungskünste gefragt sind als vielmehr die Muskeln seines durchtrainierten Körpers. „Assassin’s Creed“ gipfelt im Aufstand der gefangenen und missbrauchten Assassinen und ist auch für großmütige Tiefgangsverzichter Quatsch mit Soundtracksoße, dem selbst Marion Cotillard und Jeremy Irons keine höheren Weihen verleihen. Gut anzuschauen ist das große Kampfsport-Bohei auch nur dann, wenn nicht gerade im Nebeldunst angegriffen und zurückgeschlagen wird.- 20th Century Fox

Störche – Abenteuer im Anflug: Die Störche waren mal die wichtigsten Vögel von allen. Brachten den Menschen die Babys, ohne sie wäre Homo Sapiens längst ausgestorben. Heute geht das mit dem Nachwuchs irgendwie anders, die Störche liefern stattdessen seit 18 Jahren Pakete für Conerstone.com, bringen der Menschheit als Lebenddrohnen die neuen Smartphones und ähnliches Unverzicht- und Tragbares. Ursache des Angebotswechsels war ein durchgeknallter Storch, der vor 18 Jahren das Baby Tulip für sich behalten wollte. Bei der Rangelei ging der Peilsender kaputt, die Auslieferung des Mädchens war unmöglich, die Storchenheit in Unehre gefallen. So beginnt „Störche“, ein Trickstück aus Warners Animationsfilmschmiede. Storch Junior muss darin, um Boss von Cornerstone zu werden, das tollpatschige (und unter all den Vögeln recht einsame) Waisenmädchen, feuern. Was er nicht übers Herz bringt. Als der kleine, noch viel einsamere Junge Nate, der auf dem Speicher einen alten Storchenflyer entdeckt hat, einen Brief mit der Bitte um einen Bruder nach Wolkenkuckucksheim schickt, startet Tulip die stillgelegte Babyfabrik neu und ein kleines Mädchen erblickt das Licht der Welt. Katastrophe - Juniors Karriere hängt nun am seidenen Faden, los geht die Aktion heimliche Kindsauslieferung in Tulips gelbem Fliewatüüt und damit beginnt zugleich eine wilde Abfolge haarsträubender Abenteuer. Die dezent kapitalismuskritische Story ist reichlich an den Federn beigezogen, beileibe nicht jeder Gag hier zündet, das Spektrum reicht von superlustig bis fremdschämblöd, aber die Sequenz mit den babyvernarrten Wölfen und ihren außerordentlichen Verfolgungskünsten muss man gesehen haben. Nach der für einen Film mit FSK 0 reichlich wild geschnittenen ersten halben Stunde, ist der Schnitt auch nur noch halb so halsbrecherisch. Bis beim Happy End Meister Adebar und seine Spießgesellen die Familienplanung wieder in Storchenhand bekommen haben, haben trotzdem alle kleinen Zuschauer ADHS vom Zuschauen. - Warner

Kidnap Quelle: Verleih

Kidnap: Halle Berry hat einen jener unterirdischen Tage als Bedienung im Diner. Wieder mal nur Restauranttyrannen, Neurotiker und Depris an den Tischen. Endlich kommt die Ablösung, und die Gestresste kann mit ihrem Söhnchen Franky in den Vergnügungspark. Das Glück währt kurz, während ihr Anwalt ihr per Anruf mitteilt, der Vater des Jungen strebe nach dem alleinigen Sorgerecht,wird Franky in dem hässlichsten Psychopathenauto von dem hässlichsten durchgeknallten Prekariatspsychopathenpaar der letzten Jahre entführt. Und was folgt? Eine Verfolgungsjagd, auf die Catwoman stolz wäre, eine die sich von mittleren Blechschäden zu Autos steigen, die den achtfachen Salto Mortale hinlegen, eine, die man der duldsamen Schönheit mit der Schürze nicht zugetraut hätte und an deren Ende sie aussieht wie Carrie, des Satans jüngste Tochter. „Kidnap“ will nicht Drama sondern Action- und Horrorfilm sein, schrammt mit seinem völlig unglaubwürdigen Handlungsverlauf immer wieder volle Lotte über die Leitplanke zur Lächerlichkeit hinweg, was nicht nur mit dem fehlenden Talent von Regisseur Luis Prieto zusammenhängt, eine schlüssige Inszenierung hinzubekommen. Sondern auch mit dem völlig überzogenen Spiel der Hauptdarstellerin, der vom Drehbuchautor in einem Paralleluniversum fast ohne Polizei völlig unsägliche Dia- und Monologe und völlig unlogische Verhaltensweisen untergeschoben werden. So oft bringt diese Löwenmutter ihren eigenen Jungen während ihrer halsbrecherischen Hatz in Lebensgefahr, dass man sie künftig von jeglicher Aufsicht über Franky entbunden wissen möchte. Wir vom Publikum hatten jedenfalls einen jener ungeliebten, unterirdischen Abende im Fernsehsessel. Was für ein schlechter Film, jemand sollte ihn kidnappen. - EuroVideo

Von Matthias Halbig/RND

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