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Fußball im Norden Türkischer Salut-Jubel in Schleswig-Holstein: Schiris verunsichert, Aktive schweigen
Sportbuzzer Fußball Fußball im Norden Türkischer Salut-Jubel in Schleswig-Holstein: Schiris verunsichert, Aktive schweigen
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12:56 18.10.2019
Am 11. Oktober beim 1:0-Sieg gegen Albanien zeigten die türkischen Nationalspieler erstmals den Salut-Jubel. Quelle: dpa
Lübeck

Der wiederholte Salut-Jubel der türkischen Nationalspieler bei Toren gegen Albanien und Frankreich hat eine heftige internationale Diskussion ausgelöst – und als Nachahmer im Amateurbereich in Bayern und Nordrhein-Westfalen die Pose kopierten, hatte sie auch die deutsche Provinz erreicht.

Karsten Tolle, Pressesprecher des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), war nach eigenen Angaben „sehr beschäftigt“ am Donnerstag, weil zahlreiche Medien nachfragten, wie denn die Situation im nördlichesten Bundesland sei, wie man mit dem Thema umzugehen gedenke. Es werde keine offizielle Presseerklärung geben, sagt er: „Dazu sehen wir keine Notwendigkeit, denn für uns ist das kein Thema, bei uns ist nichts vorgefallen.“

SH-Verband: „Drohen nicht mit Sanktionen“

Tolle sieht den Verband im Falle eines Falles aber gut vorbereitet. „Wir drohen nicht mit Sanktionen“, sagt er, das Thema beruhigend, „wir haben Instrumente zu reagieren. Und die hatten wir auch schon, bevor es die jetzt aktuellen Vorgänge gab.“ Und er verweist auf den Paragrafen 2 der Verbandssatzung, die politische und religiöse Neutralität garantiert, sich von Menschenverachtung, Diskriminierung und Gewalt distanziert. Er sagt auch: „Politische Botschaften sind kein Verwarnungsgrund.“

Der Schiedsrichter könne – sollte es zum Beispiel einen Salut-Jubel geben – die Sache im Spielbericht unter „besondere Vorkommnisse“ vermerken. Danach läge es im Ermessen des Sportgerichts, sich mit dem Fall zu befassen. „Und dann geht das seinen Gang.“

Satzung des Schleswig-Holsteinischen Fußball-verbandes

§2 (allgemeine Grundsätze)

1. Der Verband ist parteipolitisch und religiös neutral.

2. Er tritt verfassungsfeindlichen Bestrebungen sowie jeder Form von diskriminierenden oder menschenverachtenden Einstellungen und Verhaltensweisen entschieden entgegen. Dies gilt ebenso für jede Form von Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher oder seelischer Art ist. Der Verband verpflichtet sich im besonderen Maße dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt.

Referee-Basis bittet um Hilfe

Die Schiedsrichter selbst sind allerdings etwas unsicher in der Frage, wie sie mit einem Salut-Jubel umgehen sollen. Dies belegen interne Mails, die den LN vorliegen. So bittet die Referee-Basis um Hilfestellung, „ob und wie der ’militärische Gruß’ an die türkische Armee zu ahnden“ sei. Man sucht Rat im Regelbuch, stößt auf Regel 4, nach der allerdings nur politische Botschaften auf Ausrüstungsgegenständen zu sanktionieren sind. Es sei denn, der Jubel werde „aufhetzend, höhnisch oder provozierend“ vorgetragen. Man ist sich einig, dass am Ende – wie von Tolle erklärt – die Sportgerichte gefragt sind. Und man findet auch, das Ganze sei ein „schwieriges, gefährliches und unnötiges Thema“. Norbert Richter, Vorsitzender des SHFV-Schiedsrichterausschusses, wird sich heute mit Kollegen der anderen Landesverbände zum Meinungsaustausch treffen.

Türkischstämmige Amateurfußballer schweigen

Fakt ist: Niemand möchte sich in der heiklen Angelegenheit aufs Glatteis bewegen. Und so blieb eine LN-Umfrage unter türkischstämmigen Amateurfußballern in der Region erfolglos. Ausnahmslos kein Spieler wollte Stellung nehmen – mit der herzlichen Bitte um Verständnis. Eine öffentliche Aussage gibt es immerhin von Berkant Özel, dem Ligamanager des Oberligisten Inter Türkspor Kiel. „Bei uns steht der Sport im Vordergrund. Politische Themen spielen bei uns keine große Rolle“, sagte er den KN. Und er sagte aber auch: „Wir mischen uns nicht in die Meinungsfreiheit unserer Spieler ein. Ohnehin sei das Thema „aufgebauscht“. „Als Samuel Eto’o oder Antoine Griezmann den Salut-Gruß gezeigt haben, hat auch niemand eine politische Debatte losgetreten.“

VfB Lübeck will aktiv Einfluss nehmen

Eine etwas andere Position vertritt Regionalligist VfB Lübeck – und die geht über die aktuelle Salut-Jubel-Diskussion hinaus. Vorstandssprecher Thomas Schikorra sagte den LN: „Ich glaube, dass das Ganze nur ein weiterer Beleg dafür ist, dass Sportverbände und Vereine noch deutlicher machen müssen, für welche Werte sie stehen und welches Verhalten von Aktiven und Zuschauern toleriert wird und welches nicht.“

Den Mitgliedern will er das am 28. Oktober in der Jahreshauptversammlung erklären. Schikorra: „Wir hatten ohnehin vor, uns im Zusammenhang mit unserer anstehenden Versammlung zu den besorgniserregenden gesellschaftlichen Entwicklungen, mit denen wir wie alle Vereine konfrontiert werden, entsprechend zu positionieren. Auch dieses Thema gehört nun dazu.“ Und er schließt mit dem klaren Statement: „Die Zeiten, in denen es sich Vereine leisten konnten, allein auf politische Neutralität zu verweisen, sind vorbei. Wir müssen gestalten und aktiv Einfluss nehmen und das werden wir tun.“

 

Von Jürgen Rönnau

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