Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Sport im Norden Anna-Lena Stolze will in Wolfsburg angreifen
Sportbuzzer Sport im Norden Anna-Lena Stolze will in Wolfsburg angreifen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:39 26.06.2019
Anna-Lena Stolze (r.) bei ihrer Bundesliga-Premiere Ende Mai 2018 gegen Verena Faißt vom FC Bayern München. Quelle: imago/Lackovic
Stockelsdorf

Es war ein zufälliger Moment und doch eine Szene, die ein abgerundetes Bild ergab: Anna-Lena Stolze war nach einer kräftezehrenden Fußball-Saison und inmitten ihrer Vorbereitungen auf die Abi-Prüfungen wieder einmal zu Besuch bei den Eltern und absolvierte ihre tägliche Laufeinheit mit dem vier Jahre älteren Bruder Jan-Eric auf der Tartanbahn des Stockelsdorfer Sportzentrums, als direkt neben ihr die ganz jungen Fußballer des ATSV auf dem Rasenplatz die erste Einheit ihres alljährlichen Trainingscamps mit einem Abschlussspiel beendeten.

Heimatbesuch mit Blick in die eigene Vergangenheit

Zurück an alter Wirkungsstätte: Anna-Lena Stolze beim Lauftraining auf der Sportanlage in Stockelsdorf Quelle: E-Mail-LN-Redaktion

So umkreiste Stolze gewissermaßen ihre eigene Vergangenheit: Mehr als 13 Jahre ist es her, dass der damals fünfjährige Knirps erstmals bei einem dieser Trainingscamps ihres Stammvereins am Ball war. „Ich war von da an jedes Jahr dabei“, erinnert sich Stolze. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten Jugend-Nationalspielerinnen der DFB-Geschichte (35 Tore in 36 Spielen, zweimal U17-Europameisterin), gehört seit einem Jahr zum Kader des zweifachen Champions-League-Siegers und Bundesliga-Primus VfL Wolfsburg und will nun in der kommenden Saison beim „FC Bayern des Frauen-Fußballs“ den Durchbruch schaffen.

„Der letzte Schritt zur vollständigen Selbstständigkeit“

Früh entdeckt: Anna-Lena Stolze wurde 2006 als Fünfjährige beim Fußball-Camp in Stockelsdorf von den LN zur Männer-WM befragt.  Quelle: E-Mail-LN-Redaktion

Vier Wochen liegt der Rundlauf um die eigene Vergangenheit jetzt zurück. Seither ist einiges passiert. Stolze, die vor vier Jahren in Wolfsburg zunächst ein Zimmer in einer betreuten Spielerinnen-WG bezog und vor einem Jahr, kaum dass sie volljährig war, mit zwei Mitspielerinnen ihre erste eigene WG gründete, ist erneut umgezogen, wohnt seit Pfingsten allein, auf gut 60 Quadratmetern Wohnfläche, mit Dachschrägen, zentrumnah. „Das ist jetzt der letzte Schritt zur vollständigen Selbstständigkeit“, sagt sie und wünscht sich zu ihrem nahen 19. Geburtstag (am 8. Juli) nun „vor allem Elektrogeräte“. Ihre Abiturprüfungen (Leistungskurse Sport, Bio, Erdkunde) hat sie erfolgreich absolviert, am Mittwoch nahm sie nach einem erneuten Besuch in der Heimat ihre Mutter Birgit mit nach Wolfsburg („zum Wohnung-Einrichten“), am Freitag kommen Vater Frank und Bruder Jan-Eric mit den Großeltern nach, um dabei zu sein, wenn sie an der Eichendorffschule ihr Abi-Zeugnis (2,7er Schnitt) bekommt.

Durchstarten im Profi-Kader

In einer Woche folgt der Abi-Ball, „und dann beginnt auch schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison“, blickt Stolze voraus – und freut sich drauf. In ihrem zweiten Jahr im Wolfsburger Profi-Kader will sie durchstarten, sich „vorerst komplett auf Fußball konzentrieren“ – und hat ein Fernstudium doch bereits im Blick.

Anna-Lena Stolze

geb. 8. Juli 2000, ledig, Vater: Frank, Mutter: Birgit, Bruder: Jan-Eric (2016)

23.10.2004: 1. Spiel beim ATSV Stockelsdorf,

ab 2006: Stadtauswahl Lübeck (bis 2010)

ab 2010: SHFV-Landesauswahl – Norddeutscher Meister 2012 (U13), 2013 (U13 + U15), Deutscher Meister 2015

23. April 2014: 1. Länderspiel der DFB-U15 (1 Tor, 2 Vorlagen beim 6:1 gegen die Niederlande).

26. Juli 2015: 1. Spiel VfL Wolfsburg B-Juniorinnen Bundesliga (5:1 gegen TSG Ahlen)

16. Oktober 2016: 1. Tor für VfL Wolfsburg U23 in der 2. Bundesliga Nord (5:0 gegern Herford)

28. März 2018: 1. Champions-League-Einsatz (ab 76.) beim 1:1 bei Slavia Prag (Viertelfinale)

28. Mai 2018: 1. Bundesligaspiel gegen Bayern München (1:2)

18. November 2018: 1. Pflichtspieltor fürs Bundesliga-Team im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen FC Forsten (9:0).

DFB-Karriere: 36 Spiele (U15 bis U19), 35 Tore, 2x U17-Europameister (2016, 2017)

Auszeichnungen: LN-Talent des Jahres 2015, Torschützenkönigin B-Jugend-Bundesliga 2015/16 (24 Treffer), Deutscher Meister und Pokalsieger mit dem VfL Wolfsburg 2019.

Bundesliga-Premiere gegen die Bayern

Nach einem „Schnupperspiel“ am Ende der Saison 2017/18 gegen den FC Bayern, als der VfL schon Meister war (und das 1:2 nicht mehr ins Gewicht fiel), kam Stolze in der zurückliegenden Saison auf weitere Einsatzminuten, kann sich dank zweier Liga-Einsätze jetzt Deutsche Meisterin 2019 nennen, steuerte im DFB-Pokal beim 9:0 gegen FC Forsten ihr erstes Pflichtspieltor für Wolfsburgs Frauen auf dem Weg zum fünften Cup-Erfolg in Serie bei und kam gegen Israels Meister Thor/KA bereits zu ihrem zweiten Champions-League-Kurzeinsatz (nach der Premiere im März 2018 beim 1:1 in Prag) . Meist aber spielte sie in der 2. Mannschaft, steuerte in 15 Spielen als beste Torschützin des Teams sieben Treffer zur Vizemeisterschaft bei.

Im Pokal-Achtelfinale gegen den FC Forstern (r. Martina Mittermaier) gelang Anna-Lena Stolze beim 9:0 das Tor zum Endergebnis. Ihr erster Pflichtspieltreffer für das Erstliga-Team des VfL Wolfsburg. Quelle: imago sportfotodienst

Positives Feedback von Cheftrainer Lerch

„Von Stephan Lerch habe ich das Feedback bekommen, dass er sehr zufrieden ist mit meiner Entwicklung, ich mich gut entwickelt habe“, sagt Stolze und ist dankbar dafür, dass Wolfsburgs Cheftrainer „mir auch schon mal eine Trainingseinheit freigegeben hat, wenn die Belastung aus Schule und Fußball sehr hoch war“. Denn die Absprache mit der Eichendorffschule als Kooperationspartner des VfL ist auf Spielerinnen der Nachwuchsteams ausgerichtet. Stolze ist die Erste, die noch als Schülerin täglich vormittags im Profiteam trainieren sollte. „Ich habe da schon sehr regelmäßig Unterricht verpasst und es war nicht einfach, den Stoff dann immer nachzuholen.“

Wolfsburgs Cheftrainer Stephan Lerch (hier mit Alexandra Popp) Quelle: imago/Hübner

Nun aber ist der „Welpenschutz“ vorbei. Stolze weiß, dass nicht nur sie selbst, sondern auch Lerch „höhere Erwartungen an mich“ haben wird. Und sie hat sich vorgenommen ihn nicht zu enttäuschen, will schon in der Vorbereitung „zeigen, dass ich mehr kann“.

Vorher aber freut sie sich auf das nächste Spiel der deutschen Frauen am Samstag bei der WM in Frankreich. Deren bisherige Spiele seien „sehr solide“ gewesen, sagt Stolze, jetzt müsse nur noch „offensiv mehr passieren“. Man dürfe dabei nicht unterschätzen, dass die Spielerinnen „natürlich unter einem gewissen Erwartungsdruck“ stünden, nicht zuletzt, weil „sie wissen, wie wichtig es ist, den Frauen-Fußball in Deutschland möglichst gut und erfolgreich zu präsentieren“. Insgesamt sei das Niveau der WM nach den Gruppenspielen deutlich gestiegen.

Damendrücken für Wolfsburgs WM-Spielerinnen

Jubelnde VfL-Kolleginnen bei der Frauen-WM: Alexandra Popp (r.) und Lena Goeßling beim Vorrundensieg über Spanien. Quelle: dpa

Für das Viertelfinale gegen die Schwedinnen – bei denen mit Nilla Fischer eine bisherige VfL-Kollegin (zurück zu ihrem Stammklub Linköping) ebenso zum Stamm gehört wie die künftige Wolfsburgerin Fridolina Rolfö (kommt vom FC Bayern) – drückt Stolze vor allem ihren Wolfsburger Teamkolleginnen im DFB-Dress die Daumen. Neben Torfrau Almuth Schult, Sara Doorsoun und Lena Goeßling gilt das besonders für Alexandra Popp. Und das nicht etwa, weil beide ihre Rolle als Offensivkraft verbindet. „Poppi passt immer auf mich auf“, sagt Stolze und fügt erklärend hinzu, dass sie sich auf den Schutz der 28-jährigen, inzwischen 100-fachen Nationalspielerin verlassen kann, wenn der Flachs in der VfL-Kabine mal zu sehr auf ihre Kosten geht. Aber das kennt sie ja. Beim ATSV-Fußballcamp war sie anfangs schließlich auch immer die Jüngste.

Christian Schlichting

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

5500 Handball-Talente und 170 Schiedsrichter aus 20 Nationen in Lübeck dabei – Am Donnerstag erfolgt der Anwurf zum Nationen-Turnier – Ministerpräsident Daniel Günther ist auch am Ball.

26.06.2019

Dennis Maschke löst Jocki Dittrich beim Eishockey-Verbandsligisten von der Ostsee ab, rückt vom Co-Trainer zum Chef an der Bande auf – Sarah Spiess kehrt zurück und verstärkt das Trainer-Team für den Nachwuchs.

25.06.2019

Schwarzenbeks „goldene Generation“ um Karina Pankunin verabschiedet sich mit dem Gewinn der Deutschen Tischtennis-Jugendmeisterschaft aus dem Nachwuchsbereich.

25.06.2019