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Sport im Norden Ein Lübecker Jung’ und der Wahnsinnsaufstieg der Hamburg Towers
Sportbuzzer Sport im Norden Ein Lübecker Jung’ und der Wahnsinnsaufstieg der Hamburg Towers
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12:45 05.05.2019
Aufstiegsjubel: Marvin Willoughby (l.), Ex-Nationalspieler und Sportchef der Türme, schreit seine reude heraus. Und das in den Armen von Osaro Jürgen Rich Igbineweka, der in 14 Spielen zum Einsatz kam. Quelle: MSSP
Hamburg/Lübeck

„Good Job!“ Sogar Dirk Nowitzki gratulierte aus dem fernen Dallas. Ein guter Job? Es ist mehr als das. Erst 2013 gegründet, haben die Hamburg Towers, der Basketballklub aus dem Stadtteil Wilhelmsburg, den Sprung in die Bundesliga geschafft. Ein unglaublicher Aufstieg. Mit 3400 Fans in der restlos ausverkauften Inselparkhalle feierten die Türme am Samstag „ein Stück Sportgeschichte, den Anfang von etwas Großem“ (Hamburgs Sportsenator Andy Grote), krönten die Saison auch noch mit dem Titel in der 2. Bundesliga durch ein 99:94 gegen Mitaufsteiger Nürnberg Falcons (Hinspiel 87:90). Mittendrin ein Lübecker Jung’ – Osaro Jürgen Rich Igbineweka.

LT-Coach Tresselt hat Rich Igbineweka entdeckt

14 Einsätze stehen in seiner Saison-Statistik. 70 Minuten stand der 1,85-Meter große Point Guard auf der Platte, erzielte 21 Punkte. Zahlen. Mehr nicht. Der 20-jährige Aufbauspieler mit nigerianischen Wurzeln ist eines der Top-Talente der Türme. Sein Basketball-ABC hat er in Lübeck erlernt. „Ein Kumpel hat mich mal zur Sport-AG in die Marienschule mitgenommen. Ich hab’ mich da wohl ganz gut angestellt.“ Denn Stefan Tresselt, Trainer der Lübecker Turnerschaft, holte ihn danach in sein Team. „Er hat mich entdeckt, ihm habe ich alles zu verdanken“, erzählt Rich Igbineweka. Auch, dass er damals parallel noch Football gespielt hat. „Bei den Cougars. Ich war da echt gut, wirklich“, erzählt er und grinst. Doch nach zwei Jahren war ihm das Doppel zu viel.

Osaro Jürgen Rich Igbineweka kam bei den Towers in dieser Saison in 14 Spielen zum Einsatz. Quelle: imago

Spagat zwischen Lübeck und Hamburg

Das war 2014. „Ich hab’ damals schon in Hamburg bei den Piraten in der Nachwuchs-Bundesliga gespielt.“ Denn das hieß auch: Dauerpendeln zwischen Lübeck und Hamburg, ein Spagat zwischen Elternhaus, Schule und Basketball in zwei Vereinen. Montag und Freitag Training in Lübeck, Dienstag und Donnerstag in Hamburg. Samstag Spiel mit den Piraten, Sonntag in Lübeck, ab 2015 bei den TuS-Herren in der 2. Regionalliga. Seit zwei Jahren ist das Hin und Her vorbei. Rich Ikbineweka ist ans Sport-Internat nach Hamburg gewechselt, hat da im Vorjahr auch sein Abi gemacht und wohnt in einer Basketball-WG. „Das ist cool, wir kommen klar.“

Osaro Jürgen Rich Igbineweka hat seit 2017 einen Profivertrag bei den Hamburg Towers. Quelle: imago

Vater ist Fan von Jürgen Klinsmann

Seine Eltern sind noch in Lübeck. Seinem Vater verdankt er im übrigen seinen zweiten Vornamen Jürgen. „Er ist ein Fan von Klinsmann.“ Und wie findet er das? „Geht so.“ Abgehakt. Zurück nach Hamburg. „Ich habe mich da weiter entwickelt, einen besseren spielerischen IQ. Den Schritt habe ich nie bereut.“ Denn für ihn geht es seitdem bergauf. Seit 2016 spielt er für Rist Wedel, das Farmteam der Towers, in der 2. Bundesliga Pro B. Vor zwei Jahren holten ihn die Towers zudem in ihren Profi-Kader. Heißt oft: Samstag Spiel mit den Türmen, Sonntag für Rist. Er hat den Doppelaufwand bisher gut verkraftet, ist in Wedel mit 281 Punkten in 23 Spielen der Leistungsträger – und für die Türme ein Versprechen in die Zukunft. Denn in den Playoffs hat er nicht gespielt. „Aufgrund mangelnder Erfahrung“, wie er erzählt.

Bundesliga-Traum gegen Bayern und Alba

In Chemnitz, beim historischen Aufstieg, war er dennoch dabei, fieberte am Rande mit. „Das war gigantisch.“ Und ab Sommer spielt der Lübecker Bundesliga („Das war mein Traum“), trifft auf Bayern München („Die Halle ist nice“), Alba Berlin & Co. Seit einem Jahr setzt Rich Igbineweka voll auf die Karte Basketball. Pläne für ein Studium („Ich mag Bio, auch Sport“) sind hinten an gestellt. „Ich will gucken, wo es hingeht, zwei, drei Jahre.“

Aufstiegsjubel: Trainer Mike Taylor wird von Malik Müller und Emil Marshall (links) mit Wasser bespritzt. Quelle: MSSP

Emil Marshall – noch ein Lübecker Talent

Und er freut sich, dass mit Emil Marshall noch ein Lübecker an seine Türme-Seite rückt. Der 19-jährige hat seit dem Vorjahr ebenfalls einen Profi-Vertrag, war aber sehr lange verletzt. Ein Rücken-Ödem mit intensiver Reha hatte ihn fast zwei Jahre pausieren lassen. „Doch Emil ist wieder fit, er wird in der nächsten Saison spielen“, erzählt Rich Igbineweka, der sich jetzt erst einmal auf den Dienstag freut. Der Bürgermeister hat zum Empfang ins Rathaus geladen.

Elbdome mit 9000 Plätzen geplant

Die Hamburg Towers, 2013 gegründet, spielen seit 2014 in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A. Spielstätte ist die ehemalige Blumenhalle der Internationalen Gartenschau, die edel-optics.de-Arena (3400 Plätze). Die letzten 17 Spiele waren alle ausverkauft. Hauptgesellschafter ist Tomislav Karajica. Der Hamburger Unternehmer (Imvest, Edeloptics, Home United) will an den Elbbrücken eine privat finanzierte Halle, den Elbdome, bauen (9000 Plätze, Kosten: 150 Millionen Euro).

Jens Kürbis

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