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Sport im Norden Der Beachvolleyball-Wahnsinn: Thole/Wickler spielen um Gold
Sportbuzzer Sport im Norden Der Beachvolleyball-Wahnsinn: Thole/Wickler spielen um Gold
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22:21 06.07.2019
Zehn Jahre nach Gold von Brink/Reckermann steht mit Clemens Wickler (l.) und Julius Thole wieder ein deutsches Männer-Team im WM-Finale. Quelle: imago
Hamburg

Julius Thole begrub Clemens Wickler im Sand. Wieder auf den Beinen, schüttelte er ungläubig den Kopf, ballte die Faust, stapfte im Sand hin und her. Der 2,06-m-Riese wusste nicht so recht hin mit seinen Gefühlen. Und ringsum tobten die 12 000 Fans. Der Hamburger „Rothenbeach“ außer Rand und Band. Die deutsche Heldensaga geht weiter. Die Beach-Rookies stehen in ihrem Wohnzimmer im Finale der Heim-WM.

Thole/Wickler – die Olympiasieger-Besieger

Und das nach einem 2:1 (17:21, 21:17, 15:12) gegen Anders Mol und Christian Sorum. Die Norweger aus dem kleinen Fjord-Örtchen Sand sind im Beachvolleyball als Weltranglistenerste derzeit das Maß der Dinge, haben zuletzt drei der vier Weltturniere gewonnen. Doch sie scheiterten an den abgezockten Deutschen, die zuvor auch US-Legende Phil Dalhausser und Nick Lucena verzweifeln ließen. Thole/Wickler, die Olympiasieger-Besieger, treffen im Endspiel am Sonntag auf die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow/Oleg Stojanowsk (14 Uhr). „Da geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, es ist Wahnsinn“, konnte Wickler sein Glück kaum fassen. Thole fand es „unbeschreiblich“.

Akrobatische Flugeinlage: Clemens Wickler. Quelle: Christian Charisius/dpa

Seit Herbst 2017 ein Duo

Thole/Wickler – es ist die Geschichte eines geplanten Erfolges. Im Herbst 2017 – Wickler hatte mit Tim Holler Meisterschaftsgold gewonnen – wurden beide von ihren Partnern zwangsgetrennt. Der Verband hatte sich eine neue Struktur verpasst. Weg von der selbstorganisierten Masse der Teams. Stattdessen: ein zentraler Stützpunkt in Hamburg – mit Trainern, Rundum-Betreuung und Uni-Anschluss. Und das für ausgewählte Teams. Bei der Zusammenstellung hatte der Verband die Hand drauf.

Auf einer Wellenlänge

Ein Ergebnis der Castingshow: 2,06-m-Schlaks Thole wurde dem Sandwühler Wickler zugeteilt. Der U19-Welt- und U20-Europameister galt schon da als das „Talent mit Mega-Potenzial. In Julius hat er jetzt den idealen Partner gefunden“, sagt Manager Marc Stöckel. Thole, 22, Jurastudent, Schlager-Liebhaber. und Wickler, 24, BWL-Student, der auf Gangsta-Rap steht. Das Duo fliegt seitdem von Turnier zu Turnier, sitzt im Flieger nebeneinander, teilt sich das Hotelzimmer. „Es funktioniert, wir sind auf einer Wellenlänge“, erklären beide. Es passt auch im Sandkasten. Seit dem Vorjahr, Platz vier beim Welttour-Finale, spielen sie konstant in der Weltspitze mit.

12 000 Zuschauer bringen den „Rothenbeach“ in Hamburg zum beben. Quelle: Christian Charisius/dpa

Hilfe aus dem Laura-Ludwig-Team

Das Sandmärchen ist auch ein Erfolg des Systems. Denn das Umfeld ist professionell durchgestylt. Da ist Chefbundestrainer Martin Olejnak, sein Co. Eric Koreng, bis 2014 selbst Weltklasse-Beacher, und Ex-Profi Markus Dieckmann als Mentor. Aus dem Laura-Ludwig-Lager kommen noch Sportpsychologin Anett Szigeti und Trainer Jürgen Wagner hinzu. Der Erfolgscoach ist mit den „Laufprofis“ für die Athletik zuständig. „Das ist ganz entscheidend, Jürgen hat da ganz eigene Ansätze“, sagt Stöckel. Auf Reisen werden die „Heilsbringer“ von Physios begleitet. Und von einem 12-Kammer-Kompressions-Anzug. „Der hilft beim schnelleren Regenerieren“, erklärt Stöckel.

Der Team-Etat ist sechsstellig

Trainer, Mentor, Manager – alles will neben Reisen und dem eigenen Auskommen bezahlt sein. Neben Preisgeld – 142 000 US-Dollar bisher – helfen Bundeszuschüsse und Sponsoren. „Der Etat des Teams ist sechsstellig. Mittlerweile können die Jungs davon auch leben. Aber eine Eigentumswohnung wie bei Laura Ludwig – so weit sind sie noch nicht“, sagt Stöckel. Der schnelle Erfolg hat auch ihn überrascht. Stöckel: „Die Jungs sind eigentlich das Perspektivteam für Olympia 2024.“

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