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Sport im Norden Die Coastal-Welle erreicht Lübeck – Station in Travemünde geplant
Sportbuzzer Sport im Norden Die Coastal-Welle erreicht Lübeck – Station in Travemünde geplant
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21:07 06.02.2020
Ein Zweier des französischen Bootsherstellers Euro Diffusion’s reitet die Welle ab. Quelle: Fast-Sports
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Lübeck

Travemünde, Mövenstein. Auf dem Grün der ehemaligen Badeanstalt riggen Segler in einem Dickicht von Masten ihre Katamarane auf. Mittendrin: „Fremdlinge“. Ruderer aus Hamburg, Lübeck und Ratzeburg. Sie lassen ihre Boote auf der neuen, umgebauten Betonrampe von Trolleys ins Wasser gleiten. Rein ins Boot und abgelegt. Seelenruhig schieben sich die ersten Boote auf die anrollende Welle zu, schießen nach oben in die Gischt und reiten die Welle im nächsten Moment ab. Spektakulär. Faszinierend. Coastal Rowing, Küstenrudern, nennt sich der Spaß. Und der ist auf dem Weg zu olympischen Weihen.

Der Lübeck-Plan: Coastal-Station am Mövenstein

Noch ist das Mövenstein-Bild eine Vision. „Aber eine, für die mein Herz schlägt“, sagt Peter Heiden, Vorsitzender der Lübecker Ruder-Gesellschaft (LRG). Am Freitag (7. Februar) steht das Thema „Zukunft des Coastal Rowing“ auf der Agenda der LRG-Vorstandssitzung. Ausgang offen. Denn nicht alle Traditionalisten können sich mit dem Küstenrudern anfreunden. Seit 2018 hat „Coastal“ bei der LRG eine Mini-Heimat, mit Wibke Göring auch eine WM-Starterin und Verfechterin sowie in Niendorf eine Station. „Doch mehr auch nicht. Niendorf ist außer Kurs. Wir müssen das jetzt richtig anpacken. Und wenn, dann müssen wir Lübecker nach Travemünde“, fordert Heiden. Sein Plan: Den Lübecker Yacht-Club ins Boot holen und mit allen Lübecker Rudervereinen eine Station am Mövenstein eröffnen. Landestrainer Björn Lötsch ist Feuer und Flamme. „Wenn es an die Küste geht, dann doch bei uns im Norden.“ Mit einigen Hamburger Vereinen steht er bereits in Kontakt: „Da ist großes Interesse da!“

Coastal Rowing – Beachsprint und Langstrecke

Im Coastal Rowing (Küsten-, Brandungs-, Rauwasserrudern) gibt es seit 2006 jährlich Weltmeisterschaften im Einer, Zweier und Vierer.

Die Boote liegen äußerst stabil im Wasser, erreichen durch ihr Surfverhalten hohe Geschwindigkeiten und sind durch ihre Bauweise weitgehend unsinkbar. Durch das offene Heck läuft eingedrungenes Wasser sofort wieder ab. Ihr Einsatzgebiet sind auch unruhige oder mit Schifffahrt frequentierte Flüsse und Seen.

Es gibt zwei Formate – den Beach-Sprint mit Start am Strand und im Duell Boot gegen Boot. Königsdisziplin ist die Langstrecke über 6 km mit Massenstart auf dem Wasser. In Deutschland ist Coastal-Rowing derzeit eher Event- als Top-Sport. Die größte Regatta gibt es seit 2018 an der Nordsee, die Amrum-Challenge (21. bis 24. Mai 2020).

Premiere bei Olympischen Jugendspielen 2022

Aus gutem Grund. Die Coastal-Welle rollt mit Macht auf Olympia zu. Jean Christophe Rolland, Präsident des Ruderweltverbandes FISA, hat die Premiere bereits für die Paris-Spiele 2024 angekündigt. Dafür sollen Leichtgewichtsruderer weichen. Beschlossen werden soll es Ende des Jahres. Es wäre eine Revolution. Denn olympisch wird seit 1936 auf 2000 Metern auf sechs Bahnen gerudert. Ein wichtiger Fingerzeig: „Coastal“ feiert 2022 bei den Olympischen Jugendspielen im Senegal seine Feuertaufe – mit dem tollen Format Beachsprint.

Lübecker Duo bei der WM 2019 in Hongkong (Platz elf): Dorothea Hory und Wibke Göring (r.). Quelle: #2019WRCC

IOC setzt auf Nachhaltigkeit und Kostenreduzierung

Silke Harms ist eine Coastal-Pionierin. Seit drei Jahren vertreibt sie mit ihrer deutsch-norwegischen Firma „Fast-Sports“ die Boote, hat am Ostseestrand von Heidkate, 20 Kilometer von Kiel weg, auch deutschlandweit die einzige Ausleihstation. Die olympische Welle überrascht sie nicht: „Da gibt es mehrere gute Gründe.“ Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzt mehr denn je auf Nachhaltigkeit und Kostenreduzierung. „Eine 2000-Meter-Strecke ist das nicht unbedingt. Beim Coastal-Rowing brauchst du beim Format Beach-Sprint nur die Boote, den Strand und Bojen, vielleicht noch eine temporäre Arena für Zuschauer. Und die Bilder sind in jedem Fall spektakulär.“ Denn auch das IOC surft auf der Trendwelle, hat Sportarten wie Wellenreiten und Skateboard ins Programm geholt. Ein weiterer Aspekt ist die Verbreitung. „Coastal kann an deutlich mehr Orten, in viel mehr Ländern praktiziert werden“, sagt Harms, „das bietet auch dem internationalen Rudersport die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschließen.“

Bei der WM 2019 in Hongkong hielten Dorothea Hory und Wibke Göring die LRG-Fahne hoch. Das einzige deutsche Frauen-Boot landete im A-Finale auf Platz elf. Quelle: World Rowing

LRG-Chef Heiden: „Wären dann gut aufgestellt vor dem Olympia-Hype“

LRG-Chef Peter Heiden ist vom Coastal-Fieber bereits infiziert, weiß aber, dass in Boote und Trainer investiert werden muss. „Aber wir wären so für die Zukunft gut aufgestellt. Und das, bevor der Olympia-Hype losgeht.“ Denn er ist sich sicher: „Die Coastal-Welle kommt, egal ob uns Traditionalisten, die die 2000 Meter gerne schnurgerade abfahren, das nun passt oder nicht.“

Von Jens Kürbis

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