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Sport im Norden Emilia Zimermann aus Lübeck rollt an WM-Bronze knapp vorbei
Sportbuzzer Sport im Norden Emilia Zimermann aus Lübeck rollt an WM-Bronze knapp vorbei
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12:36 11.07.2019
Ausdrucksstark: Emilia Zimermann rollt bei den World Roller Games auf Platz vier. Quelle: hfr
Barcelona/Lübeck

Die letzten Takte von Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 waren verklungen. Emilia Zimermann harrte in ihrer Abschlusspose kurz aus, rollte dann unter dem donnernden Applaus der Zuschauer an die Bande. Doch die Lübeckerin wusste nicht so recht, ob sie jubeln oder weinen sollte. Die Deutsche Meisterin im Rollkunstlaufen (Meisterklasse Damen) war bei den World Roller Games in Barcelona, den Olympischen Spielen des Rollsports, die zugleich auch Weltmeisterschaften sind, als Siegerin des Style Dance, der Kurzkür, in die finale Kür gestartet. Schon das war eine kleine Sensation. Nach ihrer Kür wusste sie: Für die Top 5, ihr Ziel, würde das bei ihrer zweiten „Senioren“-WM reichen. Auch für eine Medaille? Denn in den 3:10 Minuten war sie nicht fehlerlos geblieben. Als die Noten der sechs Kampfrichter aufleuchteten, kam die Bestätigung: Platz vier. Das beste Solotanz-Ergebnis in der Geschichte des deutschen Rollkunstlaufens. Aber: Mit 111,35 Punkten fehlten in der Endabrechnung nur winzige 0,06 Punkte zu Bronze.

Wackler beim Travelling und Cluster

„Das ist ein Hauch von Nichts“, haderte die 20-Jährige. Auch ihre Trainerin Micaela Steen (REV Lübeck): „Das ist so gemein, richtig ärgerlich. In der Leichtathletik wäre das eine Tausendstel.“ Beim Cluster, dem Kantenzeigen, hatte Emilia gewackelt, auch beim Travelling, den schnellen Drehungen. „Das ist sonst meine Stärke, schade. Hätte ein Element gepasst, wäre es sogar Silber geworden.“ Den WM-Titel, ihren sechsten in Folge, den fünften bei den „Senior Damen“, holte sich die Italienerin Silvia Stibilj (121,07 Punkte). Die 25-Jährige aus Triest siegte vor der Portugiesin Ana Luisa Monteiro Walgode (113,26) und ihrer Landsfrau Anna Remondini (111,41).

Emilia Zimermann läuft ihre Kür zu Mozarts Klavierkonzert Nr. 23. Quelle: hfr

„Habe gezeigt, dass ich die alten Hasen aufmischen kann“

„Da fehlte Emilia etwas Coolness, auch Erfahrung“, meinte Steen. Die tollen Noten, die Stibilj erhalten hatte, Emilia hatte sie als Rucksack mit in ihre Kür genommen. „Sie ist direkt vor mir gelaufen. Ich habe ihre Noten die ersten 20 Sekunden nicht aus meinem Kopf bekommen, habe auf einmal einen Riesendruck verspürt“, gibt Zimermann zu. „Auch die Psychospielchen der Italienerinnen beim Training haben ihr zugesetzt. Die wissen, dass Emilia italienisch spricht“, bemerkte Steen, die aber „sehr zufrieden war. Platz vier ist ein toller Erfolg, dazu noch der Sieg im Style Dance.“ Beim mitternächtlichen Essen mit Freunden, Familie und Trainerin in einer Tapas-Bar waren die Tränen dann auch schon wieder getrocknet: „Ich hab’ gezeigt, dass ich die alten Hasen auch mit 20 schon aufmischen kann, das macht Lust auf die nächsten Jahre“, sagte Zimermann. Zumal Weltmeisterin Stibilj dann nicht mehr dabei ist. Sie lief in Barcelona ihre letzte Kür.

Vorfreude auf World Roller Games 2021

Für Zimermann geht es von Katalonien aus zurück nach Rom, wo die Studentin (International Business Administration) ihr Praktikum beim Pharmakonzern „Pfizer“ beendet. Im August stehen dann die Deutschen Meisterschaften an, danach die EM in Harsefeld bei Stade. Doch die Lübeckerin schaut weiter voraus – auf die WM 2020 in Paraguay, auch die nächsten Roller Games 2021 in Buenos Aires. „Da kenne ich mich ja dann da aus“, sagt sie und lacht. Die Lübeckerin ist ab September in Argentiniens Hauptstadt im Auslandssemester.

Freuen sich über die Topplatzierung: Trainerin Micaela Steen (REV Lübeck) und Emilia Zimermann. Quelle: hfr

Gala am Sonntag vor 17 000 Zuschauern

Noch ist sie aber in Barcelona. Am Sonntag steht in der Arena Sant Jordi die große Rollkunstlauf-Gala an – vor 17 000 Zuschauern. „Das wird toll, auf den Auftritt freue ich mich schon.“ Zuvor steht aber noch ein Barcelona-Bummel an. Bei anderen Disziplinen will sie auch vorbeischauen. Scooter und Skateboard hat sie schon gesehen. „Das war megacool, vor allem Skateboard in der Halfpipe.“ Alpin und Speedskating steht noch auf ihrer Liste. „Das finde ich spannend, ist voll beeindruckend.“ Wie die Games insgesamt. „Das ist eine coole Erfahrung.“ Daran ändert auch die knapp verpasste Medaille nichts.

World Roller Games

Die World Roller Games sind die Olympischen Spiele der Rollsportarten. In Barcelona sind 4120 Athleten (2217 Männer/1903 Frauen) aus 81 Nationen am Start. Sie messen sich in elf Disziplinen (Alpin, Artistic, Roller Freestyle, Downhill, Inline Freestyle, Inline Hockey, Hockey, Roller Derby, Scooter, Skateboarding und Speed). Der deutsche Rollsport und Inline Verband ist mit rund 150 Personen vertreten. Bisher hat das Team viermal Gold gewonnen (3xAlpin Damen und Rollkunstlaufen Paartanz/Junioren)

Während der World Roller Games finden 128 Wettkämpfe in 13 Sportstätten statt, zum Teil auch außerhalb Barcelonas. Für die katalanische Metropole ist es die größte Sportveranstaltung seit den Olympia 1992.

Jens Kürbis

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