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Sport im Norden LN-Sportlerin des Jahres Janina Lange – Mehrkämpferin auf der Bahn und im Leben
Sportbuzzer Sport im Norden LN-Sportlerin des Jahres Janina Lange – Mehrkämpferin auf der Bahn und im Leben
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18:14 09.02.2020
Macht nicht nur im Startblock beim Fotoshooting eine gute Figur: Janina Lange. Quelle: Agentur 54°
Hamburg

Winterhude. Aus der Sporthalle Hamburg hämmern Bässe. Die Dropkick Murphys spielen sich für ihre Irish-Punkrock-Fans warm. Nebenan in der Leichtathletikhalle geht es am frühen Nachmittag eher beschaulich zu. Polizisten drehen ihre Runden. Eine Seniorengruppe trabt Arme kreisend die Bahn auf und ab, unterhält sich über die letzte Bypass-Operation eines Laufveteranen, der sich jetzt „glatt zehn Jahre jünger“ fühlt und „richtig durchstarten“ will. Mittendrin im rundum verglasten Raumgefühl setzt Janina Lange Sprung für Sprung in den Sand. Die 22-Jährige ist direkt aus dem „Signal-Iduna“- Büro in der Innenstadt zum Training geeilt. Seit Januar hat sie ausgelernt, ist angestellte Versicherungskauffrau. Heißt: 8,5 Stunden täglich rund ums Thema Berufsunfähigkeit. Start: 6.30 Uhr. „Wir haben Gleitzeit, so kann ich früher trainieren“, erzählt sie.

Janina Lange (MTV Lübeck) – in der Leichtathletik-Halle in Hamburg, in ihrer Wohnung in Harburg und bei ihren Wettkämpfen

In Europa jetzt die Nummer drei

Wechsel zum Sprint. Starts üben. Trainingsalltag einer Mehrkämpferin. Doch Janina Lange ist nicht irgendeine. U23-Silber bei den Deutschen Meisterschaften im Sommer 2019, der Sprung auf 5586 Punkte, der erste Länderkampf gegen die USA. Die tolle Freiluft-Saison wurde in der Halle jetzt getoppt. DM-Silber bei den „Erwachsenen“, der erste Sprung über die sechs Meter, der sogar Freudentränen kullern ließ. Knapp eine Woche nach ihrer Vizemeisterschaft setzte sie jetzt sogar noch einen drauf: Bei den Landesmeisterschaften steigerte sie ihre Bestleistung um 109 auf nun 4309 Punkte. Mit dem Ergebnis, ist Lange nun die beste deutsche Mehrkämpferin der Hallensaison und in der europäischen Bestenliste auf Rang drei vorgerückt. Keine Frage: Die LN-Sportlerin des Jahres 2019 ist auf dem Weg nach oben.

Janina war schon als Kind am Hüpfen“

Doch es ist ein Weg mit Kurven und Abzweigungen. Ihr Verein ist der MTV Lübeck. Doch warum trainiert sie in Hamburg und dann noch allein? Und hat sie nicht in Lübeck studiert? Fragen über Fragen. Antworten gibt es zwischendurch.

Geboren in Hamburg, ist Janina vor elf Jahren durch die Schul-AG zur Leichtathletik gekommen. „Das war ihr Ding, sie war schon als Kind immer am Hüpfen wie Pippi Langstrumpf“, erzählt ihre Mama, die sie zum Training begleitet. Harburg, Poppenbüttel – das waren Janinas erste Stationen. Ende 2016 ist sie in Lübeck gelandet. „Ich habe da Physiotherapie studiert, hatte auch eine Wohnung.“ In der MTV-Mehrkampfgruppe und Landestrainer Dirk Schulz hatte sie ihre Team gefunden, trainierte nur noch sporadisch in Hamburg.

Ein Schock! Herzbeutelentzündung

Alles passte, alles lief. Bis zu jenem Tag im März 2017. „Da drüben“, zeigt Janina auf die Tartanbahn, „da bin ich mitten im Sprung über der Hürde ohnmächtig geworden.“ Den Aufprall auf dem Gesicht, den Bruch der Knochen – sie hatte es nicht mehr mitbekommen. Ein Schock! Auch die Diagnose: Herzbeutel-Entzündung. „Eine verschleppte Erkältung“, erzählt Janina und das Lachen verschwindet aus ihrem Gesicht. Denn die erste Ärztin erklärte, dass sie ohne Herzschrittmacher nie mehr könne. Und Mehrkampf? Im Leben nicht. „Ein Keulenschlag. Zum Glück ist aber alles wieder gut.“ Ihre Mama war beim Unfall dabei. „Ich habe nicht daran geglaubt, dass sie wiederkommt“, erzählt sie und ihre Stimme stockt, „doch Janina war schon immer eine Kämpferin.“ Nach einem halben Jahr Sportverbot gab es die zaghaften Anfänge. „Das war komisch“, gibt Janina zu. Auch der erste Lauf über die Hürde im März 2018 – nach mehr als einem Jahr. „Doch ich wollte. Und jetzt ist alles raus aus dem Kopf.“ Und da ist es wieder das ansteckende Lächeln.

Schwer erfolgreich. Im Keller des Elternhauses in Hamburg-Eißendorf bewahrt Janina ihre Medaillen auf. Quelle: Agentur 54°

1,80 Meter Frauen-Power

Die Blondine mit der Modelfigur – es sind 1,80 Meter geballte Frauen-Power. Dazu passt auch ihr eigenwilliges Konstrukt aus Job und Training. Lübeck und der Physiotherapie hat sie nach dem Unfall den Rücken gekehrt. Nicht dem MTV. Schulz schreibt ihre Trainingspläne, hat zudem den Mehrkampf-Experten Wolfgang Striezel im niedersächsischen Hanstedt („Nur gut 20 Minuten weg“) an Bord geholt.

Hopping zwischen Hamburg, Hanstedt und Lübeck

Nach dem Job geht es in der Woche so zweimal zu Striezel. Hopping zwischen Hamburg, Hanstedt und Lübeck. Ein Mammutprogramm, ein Mehrkampf der ganz besonderen Art. In Hamburg trainiert sie sogar allein. Selbstkontrolle als achte Disziplin. Optimale Trainingsbedingungen definieren sich anders. „Aber es ist genau das, was ich brauche. Mit den MTV-Mädels macht es unheimlich Spaß, die Trainer passen. Meine Eltern und mein Freund geben mir Kraft. Seit ich in Lübeck bin, läuft es.“ In zwei Jahren hat sie sich um 600 Punkte verbessert. Im Siebenkampf sind das Welten. „Jetzt will ich die 6000 Punkte angreifen.“ Die DM und der Länderkampf in den USA sind ihre 2020-Höhepunkte.

„Ich habe auch mal Geige und Klarinette gespielt“

Wurf in Hamburgs Süden. Eißendorf, ein ruhiger Stadtteil im Bezirk Harburg. Unterm Dach des Elternhauses hat Janina ihr Reich. Bad, Küche, Wohn- und Schlafzimmer. „Nimm dir Zeit, um glücklich zu sein“, ist an der Wand zu lesen. Auf einer Lampe daneben „Think happy, be happy“. Der Satz steht für ihr Leben. Das Keyboard daneben für den Spaß zwischendurch. „Ich hab auch Geige und Klarinette gespielt. Doch das will ich keinem mehr antun“, erzählt sie lachend und öffnet die nächste Tür. „Ruhezone“ steht darüber. Es ist ihr Sportreich. Ergometer, Matte, Pezziball. Sportklamotten. Und erst die Schuhe. Klar: Frauen! Für Janina ein Muss. „Ich habe acht Paar zum Wettkampf mit, brauche für jede Disziplin ein Paar.“

Eltern und „Team Lübeck“ als Förderer

Auch für ihre Hassliebe, die 800 Meter. „Früher habe ich mich verrückt gemacht. Mulmig ist mir davor aber immer noch.“ Ihr Traum? „Klar, Olympia. Aber das ist ganz weit weg.“ Janina greift dafür tief in die Tasche. Schuhe, Klamotten, Trainingslager – alles will bezahlt sein. Sponsoren? Fehlanzeige! „Meine Eltern und das ,Team Lübeck’ sind meine Förderer. Das hilft enorm.“

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Janina Lange – auch im Rudern erfolgreich

Sprung ins Wohnzimmer der Eltern. Eine Überraschung. In der Eckvitrine steht ein Glas der Lübecker Ruderregatta. Verirrt? „Nein, Janina hat mal gerudert“, erzählt ihre Mutter. Nach einem Ergometer-Cup in der Schule holte sie der Ruder-Trainer in den Verein. Das war 2012. Im Einer schaffte sie es sogar zu den Deutschen Meisterschaften. Janina Lange, die geborene Mehrkämpferin. Doch als der Ruder-Trainer die Entweder-Oder-Frage stellte, entschied sie sich für die Leichtathletik. „Die stand immer an erster Stelle.“ Und so wird es auch bleiben.

Janina Lange – Entweder? Oder?

Hamburg oder Lübeck? Hamburg. Das ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin und sie ist total schön. Ich geh’ an der Alster gern spazieren.

Sieben- oder Fünfkampf? Siebenkampf. Sommer finde ich schöner. Der Fünfkampf ist so schnell vorbei.

Physiotherapie oder Versicherung? Das ist fies. Momentan ist es Versicherung. In der Kombi mit Sport läuft es gerade super.

Schokolade oder Gummibären? Eindeutig Schokolade. Ich habe schon einmal probiert, einen Monat darauf zu verzichten. Der Heißhunger war am Ende immer größer. Zum Glück muss ich aus Gewichtsgründen aber nicht darauf achten.

Podcast oder Musik? Ganz klar Musik. Das pusht mich, gerade wenn ich auf dem Ergo sitze. Ich liebe gängige Party-Musik, einfach alles, was laut ist.

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