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Sport im Norden Lübeckerin Annemarie Stark kämpft auf ganz großer Bühne
Sportbuzzer Sport im Norden Lübeckerin Annemarie Stark kämpft auf ganz großer Bühne
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19:39 24.09.2019
Annemarie Stark (l.). boxt ab Montag bei ihrer zweiten Weltmeisterschaft – diesmal in Russland. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Kienbaum, 35 Kilometer östlich von Berlin. Die brandenburgische Land-Idylle, das Örtchen mit seinen 297 Einwohnern nebst Dorfkirche, Imkerhof und Schänke, ist seit gut zwei Wochen das Zuhause von Annemarie Stark. Und doch wieder nicht. Denn Kienbaum, das ist auch das abgeschottete Sportzentrum, die 50 Hektar große Medaillenschmiede des deutschen Sports mit mehreren Hallen, Rasenplätzen, Laufbahnen, Ruder- und Kanustrecke, insgesamt 23 Sportanlagen plus Saunen, Whirlpool, Kältekammer, Café, Restaurant und, und, und. „Ich komme gerade vom Wäschewaschen. Wir haben hier alles, was du brauchst“, erzählt die Reinfelderin, die sich im Sportzentrum mit der Nationalmannschaft der Frauen auf die WM im Amateur-Boxen vorbereitet. Die Turner sind auch da, die Leichtathleten gerade weg zur WM nach Doha.

„Ulan Ude? Ich musste auch erst einmal googeln“

Am Freitag ist für Deutschlands Boxerinnen Abflug. BerlinMoskau – Ulan Ude. Ulan was? „Ich musste auch erst einmal googeln, wo das liegt“, erzählt Stark lachend. Ulan Ude, 400 000 Einwohner, Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien, gut 200 Kilometer von der Grenze zur Mongolei weg. Im südöstlichen Sibirien geht es in der kommenden Woche um die Medaillen. 380 Frauen sind gemeldet, 33 in Starks Klasse bis 48 Kilogramm. Dass die mehrfache Deutsche Meisterin vom Boxclub Lübeck ihre zweite WM-Chance nach 2015 in Südkorea erhalten würde, damit hatte sie nicht wirklich gerechnet. Da war ihr Kreuzbandriss im Vorjahr, Platz drei bei den Deutschen Meisterschaften. „Nur Bronze“, auch wenn 51 Kilo nicht ihre Gewichtsklasse sind. Als der Anruf vom Bundestrainer dann doch kam, die Überraschung sich gelegt hatte, kam das große Aber: 3000 Euro sollte sie selbst zuschießen. Ihre Klasse sei ja keine olympische, werde deshalb ja auch nicht gefördert. So lautete die Begründung. Dank der Hilfe der Possehl- und Wintersteller-Sportstiftung sowie einer Privatperson ist Stark jetzt doch am Start. Auch, weil die Johanniter, ihr Arbeitgeber in Bad Oldesloe, wo sie Flüchtlinge psychologisch und sportlich betreut, mitziehen und unentgeltlichen Urlaub gewährten.

Annemarie Stark im WM-Training in Kienbaum mit Lina laquiaou (USA)  und der Australierin Cathy Riley (r.) Quelle: hfr

Vorbereitung mit USA, Irland und Australien

Auch für Kienbaum, das Trainingslager. Und das hat es in sich: Morgens Laufen und Boxen als Freiluftvariante, nach dem Frühstück Schnellkraft und Explosivität und am Abend Einzeltraining mit Bundestrainer Michael Timm oder Sparring. „Und da wird ganz schön zugelangt.“ Denn die deutschen Frauen bereiten sich gemeinsam mit den US-Girls, Irinnen und Australierinnen vor. Und? „Es ist hart, ja, aber ich fühle mich fit.“ Das Knie spielt auch mit. Und was traut sie sich zu? „Ich fahre nicht dahin, um nur dabei zu sein. Der Gedanke an eine Medaille ist schon da.“ Eines will sie aber in jedem Fall: „Spaß haben und genießen. Wer weiß, wie es weitergeht . . .“

Boxverband plant mit Stark in dreifacher Mission

Denn das soll sich erst im Dezember entscheiden. „Da will ich mich hinsetzen, einen Plan machen.“ Denn die Powerfrau, Kapitänleutnant a.D. mit BWL-Abschluss und Bachelor in Psychologie, ist nicht nur beim Boxclub Lübeck als Aktive und Trainerin gefragt. Auch der Deutsche Verband hat Großes vor, plant mit ihr ab 2021 – und das gleich in dreifacher Mission: als Trainerin, Stützpunktleiterin und Funktionärin. Stark ist zudem international aktiv, in der Athletenkommission des Weltverbandes AIBA. „Es ist schön, für die Sportler zu kämpfen.“ Sogar in Kienbaum. Da musste sie Stellungnahmen zu fragwürdigen WM-Urteilen der Männer-WM abgeben. Das wird sie auch nach der Frauen-WM tun. Denn da sind die Kampfrichter erneut unter besonderer Beobachtung. Und das im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees. Das IOC will nach einem Zerwürfnis mit der AIBA 2020 in Tokio die olympischen Boxkämpfe in Eigenregie austragen. Und das unter Mithilfe von zehn Athleten. Stark wurde dafür vorgeschlagen.

Traum von Olympia entscheidet sich im Oktober

„Wir sollen als Bindeglied in der Organisation helfen, auch vor Ort bei den Wettkämpfen.“ Heißt: bei der Europa-Qualifikation in London und den Spielen in Tokio. Das IOC wählt die Athleten dafür im Oktober aus. „Der Traum von Olympia kann sich für mich immer noch erfüllen. Anders als gedacht. Einfach irre“, gibt Stark zu. Doch noch kämpft sie selbst im Ringgeviert – und das auf ganz großer Bühne.

Der Hintergrund

Wie schon bei der Männer-WM, können sich auch die Frauen bei ihren Titelkämpfen nicht für Olympia 2020 in Tokio qualifizieren. Der Amateurboxverband AIBA ist von den Spielen ausgeschlossen. Die Vorwürfe reichten von Missmanagement über ein korruptes Punktrichterwesen bis hin zu Verstrickungen des Box-Präsidenten ins organisierte Verbrechen. Das IOC organisert das Boxturnier inklusive der fünf Qualifikation nun selbst. Für Europäer findet die Qualifikation im März 2020 in London statt.

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