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Mats aus Lübeck hat Leukämie : Familie Wriedt sucht Stammzellenspender

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20:00 09.05.2021
Der kleine Mats hat Blutkrebs – und ist dringend auf einen Spender angewiesen.
Der kleine Mats hat Blutkrebs – und ist dringend auf einen Spender angewiesen. Quelle: DKMS (hfr)
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Lübeck

Die schönste Nachricht des Tages kommt von Julia Wriedt: „Mats geht’s gut.“ Mats, der am 16. Mai acht Monate alt wird, ist das jüngste Mitglied der Lübecker Familie Wriedt. Doch Mutter Julia (35), Vater Thorben (34) und Bruder Johke (9) bangen um das Leben von Mats, seit bei ihm Leukämie festgestellt wurde. Für die junge Familie ist mit der Diagnose eine Welt zusammengebrochen, aber ganz schnell stand fest: „Wir werden kämpfen!“

Mutter Julia Wriedt: „Wie in einem Horror-Film“

Julia Wriedt hatte eine Beule hinter dem Ohr von Mats entdeckt, zunächst wurde eine Zyste vermutet. Doch bei einer weiteren Untersuchung werden ungewöhnlich schlechte Blutwerte entdeckt. Der Verdacht bestätigt sich – Mats hat Leukämie. Und eine weitere Hiobsbotschaft: Mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit kann nur ein passender Spender sein kleines Leben retten. „Im ersten Moment haben wir das zwar realisiert, aber nicht wirklich verstanden. Es ist ein Gefühl, als sei man versehentlich falsch abgebogen und auf einer Straße gelandet, die in eine gänzlich falsche Richtung führt. Als sei man in einem Horror-Film, bei dem es keinen Aus-Knopf gibt. Nach dem ersten Schock haben wir uns aber sofort zusammengerissen und in einen anderen Modus geschaltet. Denn Mats hilft es nicht, wenn wir uns als Eltern einer Ohnmacht hingeben“, sagt Julia Wriedt.

Mats und seine Familie: Bruder Johke, Mutter Julia und Vater Thorben Wriedt. Quelle: DKMS

Angst als ständiger Begleiter der Familie aus Lübeck

Vor einem Monat hat Mats mit einem Chemoblock begonnen, diese Behandlung dauert noch so lange, bis im besten Fall ein Spender gefunden wird. In dieser Zeit muss die Familie immer wieder stationär ins Krankenhaus zur Chemotherapie. „Der Spender ist möglicherweise schon ermittelt“, sagt Julia Wriedt zuversichtlich – auch wenn die Angst um den Sohn ständiger Begleiter ist. Ihr Appell: „Es gibt 40 Millionen potenzielle Spender in Deutschland. Jeder sollte sich registrieren lassen, um Stammzellenspender zu werden, denn die Krankheit kann jeden treffen.“ Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto größer sind die Überlebenschancen für Mats und viele andere Patienten. Nur wer registriert ist, kann auch als Lebensretter gefunden werden.

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Irgendwo ist ein Spender: Fußballer des 1. FC Phönix helfen

„Wir hoffen und gehen davon aus, dass irgendwo ein passender Spender ist“, sagt Thorben Wriedt, der zusammen mit seiner Frau, der Familie und guten Freunden an die Öffentlichkeit ging: Die Familie postete ihre Geschichte in den sozialen Medien, nutzte auch die Fußball-Familie: Über Julia Wriedts Freundin Chiara Rossi, Frau von Fußballtrainer Dennis Jaacks, gelangte das Schicksal von Mats zu Eutin 08. Über den Ex-Verein von Thorben Wriedt kam es zum 1. FC Phönix Lübeck, wo Johke kickt. Mats bekam im Krankenhaus einen der Stoffteddys, die die Phönixer aus dem Erlös ihrer verkauften Kalender dem UKSH und der Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder gespendet hatten.

Werde Superheld:in für Mats!

In den sozialen Medien geht die Geschichte viral: Mehr als 100 000 Menschen wurden über die Phönixer Facebook-Seite erreicht, 1350 teilten sie. Beim Radiosender RSH sind es mittlerweile noch 1000 mehr. Der Aufruf „Werde SuperheldIn für Mats!“ führte bei der DKMS, ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei, schon zu 3773 Registrierungen.

„Superheld“ für Mats gesucht

Alle zwölf Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs, weltweit alle 27 Sekunden. Leukämie ist nach wie vor die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Kindern. Viele Patienten können ohne eine lebensrettende Stammzellenspende nicht überleben.

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de/mats die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden.

Auch Geldspenden helfen. Der DKMS entstehen für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro.

Viele Prominente unterstützen Mats

„Wir wussten, dass wir gute Kontakte haben. Aber es hat uns fast umgehauen, wie oft der Aufruf geteilt wurde und welche Resonanz er hat“, sagt Julia Wriedt, die mit ihren Freundinnen immer wieder Anfragen von Medien beantwortet und weiter um Stammzellenspender wirbt. Und das mittlerweile weit über Lübeck-Karlshof hinaus: Fußballer Pierre Michell Lasogga, Comedian Carolin Kebekus, die Moderatoren Michaela Schaffrath, Jörg Pilawa und Tommi Schmidt, Sänger Oli P. sowie die Rapper Kay One und Eko Fresh – sie engagieren sich für Mats.

Appell der Familie: „Lasst euch registrieren“

Dem kleinen Patienten sieht man seine Krankheit nicht an. Aktuell geht es ihm gut. „Aber ein optisch gesundes und fröhliches Kind zu haben und gleichzeitig zu wissen, wie schwer es eigentlich erkrankt ist – das ist nicht leicht zu ertragen und manchmal geradezu surreal“, sagt Thorben Wriedt und bittet um Unterstützung: „Wir wollen unseren Sohn nicht verlieren. Auch Mats großer Bruder Johke hat Angst um ihn. Mats kämpft um sein Leben. Aber alleine kann er es nicht schaffen. Deshalb bitten wir alle: Zögert nicht, sondern lasst euch registrieren. Das geht schnell und unkompliziert. Und ihr schenkt damit unserem Kind und vielen anderen die Chance auf ein zweites Leben.“

Von Christoph Staffen