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Sport im Norden Minister setzt Schachsport matt
Sportbuzzer Sport im Norden Minister setzt Schachsport matt
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14:44 21.05.2014
Wohl doch mehr Spiel als Sport. Quelle: DDP
Lübeck

Was da gestern bundesweit bei 143 deutschen Sportredakteuren als Mail einging, las sich wie ein verzweifelter Hilferuf. Hans Joachim Schätz, Präsident des Schachverbandes Sachsen, hatte sich die Mühe gemacht, diesen umfangreichen Presseverteiler zusammenzustellen, um einen Notfall zu melden. Es geht um die Zukunft seines Sports, den er bedroht sieht. Denn das Bundesinnenministerium (BMI) hat dem Deutschen Schachbund jetzt unzweideutig mitgeteilt, dass es das Bewegen der 32 Figuren auf den 64 Feldern nicht für Sport hält. Und hat die Förderung darum sofort und komplett eingestellt.

130 Millionen Euro gibt das BMI jährlich für die Förderung des Leistungssports in Deutschland aus, 0,1 Prozent davon - 130 000 Euro - hatten bisher die Schachspieler bekommen. Jetzt aber wurden die Förderkriterien überarbeitet, der DSB (Deutsche Schachbund), der seit 1976 vom BMI finanziell bedacht wurde, rechnete mit einer Kürzung, hob deswegen bereits die Beiträge an. Vor fünf Monaten noch stellte sich die gesamte Sportfamilie im DOSB hinter die Schachkollegen, votierte einstimmig für einen förderwürdigen Sonderstatus des DSB. Auch das IOC steht hinter den Denksportlern, machte Schach 2000 in Sydney zur Olympischen Demonstrationssportart. Und sogar in § 52 II Ziffer 26 der deutschen Abgabenordnung heißt es klar: „Schach gilt als Sport.“ Der Innenminister sieht das anders. Simple Begründung: Dem Schachsport fehle „die sportspezifische eigenmotorische Aktivität“.

„90 422 organisierte Schachsportler betreiben also nach Ansicht des BMI keinen Sport?“ fragt Schätz empört. Und gibt selbst die Antwort: „Natürlich ist Schach Sport. Die geforderte eigenmotorische Aktivität ist beim Turnierschach gegeben. Der Schachsportler muss seine Körperspannung über viele Stunden kontrollieren, Schockzustände durch unerwartete Züge des Gegners verarbeiten und unter anwachsendem Zeitdruck wohlüberlegte Entscheidungen treffen. Spitzenschachspieler können ihre Höchstleistungen nur erbringen, wenn sie sich körperlich fit halten, weil sie sonst den enormen Anforderungen nicht gewachsen wären“.

Für den 31. Mai hat der DSB jetzt zur Krisensitzung nach Frankfurt geladen. „Auf keinen Fall werden wir diese willkürliche und in der Sache völlig unbegründete Diskriminierung unseres Sports ohne Widerstand hinnehmen“, sagt Verbandsvize Michael Langer. Und kündigt an: „Wir werden ab sofort anwaltlichen Beistand in Anspruch nehmen und lassen die Wirksamkeit des Beschlusses des BMI überprüfen.“

Info: der Schachverband Schleswig-Holstein hat 2841 aktive Mitglieder — Tendenz steigend (um 5,53 % zu 2013).

„Schach fehlt die sportspezifische eigenmotorische Aktivität“
Erklärung des BMI zur
Kündigung der Förderung

jr