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Sport im Norden Rallye-Legende Dirk von Zitzewitz startet eigenes Dakar-Projekt
Sportbuzzer Sport im Norden Rallye-Legende Dirk von Zitzewitz startet eigenes Dakar-Projekt
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17:54 18.09.2018
Schlammiges Vergnügen: Dirk von Zitzewitz steuert jetzt sein eigenes Side-by-Side-Car. Quelle: HFR
Lübeck

„Lassen? Oder doch machen?“ Die Nächte und Tage des Grübelns, des Abwägens sind vorbei. Die Entscheidung ist gefallen: Rallye-Legende Dirk von Zitzewitz wechselt die Seiten. „Ich tausche das geschützte Auto, den sicheren Platz des Co-Piloten gegen ein offenes Side-by-Side-Buggy und den wilden Fahrersitz“, verrät der Karlshofer den LN exklusiv. Und: Er will im Januar 2019 mit einem eigenen Team die Rallye Dakar fahren. Vom Profi zum Einsteiger – was für eine Rolle rückwärts. Mutig, waghalsig, verrückt.

Im Volkswagen 2009 zum Dakar-Sieg

Sicherlich, aber es ist wohlüberlegt“, erzählt „DvZ“. Der 49-Jährige erfüllt sich damit einen Traum. „Ich wollte schon immer hinterm Lenkrad sitzen, hatte dazu aber keine Gelegenheit.“ Der Grund: In seinem Job als Navigator, als der, der den Weg weist, ist der Ostholsteiner einfach zu gut. Zwölf Jahre hat er sich das Cockpit mit dem Südafrikaner Giniel de Villiers geteilt, ist für Volkswagen und Toyota gefahren. 2009 hat er mit ihm die Rallye Dakar gewonnen. Dafür ist er bei einer Etappe sogar ausgestiegen, hat de Villiers den Weg joggend gezeigt.

Der Höhepunkt: Giniel De Villiers und Dirk von Zitzewitz gewinnen 2009 die Rallye Dakar. Quelle: AP

Ihre Südamerika-Bilanz: Bei zehn Ausgaben jagten sie siebenmal aufs Podest. Erfolgreicher ist keiner. Beide sind seit ihrem Siegeszug auch offizielle „Legends“, Dakar-Legenden. Doch seit März, seit dem Auslaufen des Vertrages für das südafrikanische „Toyota Gazoo Racing“-Team, ist die „Ehe“ geschieden. Ein stiller, ein schmerzhafter Abschied. „Seit dem bin ich quasi arbeitslos“, sagt der gebürtige Eutiner. Quasi deshalb, weil er noch mit Motorrad-Touren, -Reisen und -Lehrgängen seine Brötchen verdient. Angebote anderer Teams und Fahrer gab es, „doch wir haben nicht zueinander gefunden“.

Dakar-Legende Dirk von Zitzewitz will im Januar 2019 mit einem eigenen Team bei der Rallye Dakar starten – und das als Pilot in einem Side-by-Side-Car.

Parallel war er da schon im eigenen Buggy, im Side-by-Side-Yamaha, unterwegs, gewann im Mai in einem Yamaha die Hellas-Rallye in Griechenland, im August – dann schon in einem Can-Am Maverick X3 – die Baja im ungarischen Veszprem. Auch bei der Rallye in Polen lief es jetzt lange gut, „bis wir einen Baum gestreift haben“. Mit wir meint er den Norweger Ola Fløene, 49, ein Profi auf dem Beifahrersitz. „ Er kommt aus der klassischen Rallye-Szene, will in die Wüste, ist früher auch Motorrad gefahren. Die Chemie zwischen uns stimmt.“ Die Erfolge zuletzt ließen den Entschluss reifen: „Wir wollen gemeinsam das Dakar-Projekt angehen.“ Doch warum nicht im Auto? „Das Side by Side hat seit 2018 eine eigene Dakar-Kategorie, ist eine aufstrebende Klasse. Und sie ist vom Preis-Leistungsverhältnis besser“, erklärt „DvZ“. Der Toyota Hilux, in dem er zuletzt saß, kostete gut eine halbe Million Euro. Ein Side by Side sei dakarfein hingegen schon für 75.000 Euro zu haben.

Dakar-Projekt kostet 200.000 Euro

Die Entscheidung für die Dakar ist gefallen, doch die Zeit drängt. Und noch fehlt es an Finanzen. „Ich brauche 200.000 Euro für das Projekt“, sagt von Zitzewitz. Fahrzeug, Serviceteam (zwei Mechaniker), Beifahrer, Ersatzteile, Essen, Unterkunft – alles will bezahlt sein. Allein für das Side by Side, Fløene, die Mechaniker und ihn ist ein Nenngeld von rund 60.000 Euro fällig. „DvZ“, der selbst in das Projekt investiert, hofft auf Partner aus dem Norden. „Ich biete nicht nur Werbung an. Vom Teamnamen über Vorträge in den Firmen, Messebesuchen, Motivationstrainings, Incentives bis zu Mitfahrangeboten ist alles möglich“, erklärt der Karlshofer. Das ehrgeizige Ziel: „Bis Mitte Oktober muss das Projekt stehen, sonst wird es zu knapp.“ Ende November werden die Fahrzeuge vom französischen Le Havre aus nach Südamerika verschifft.

Mit eigenem Team zur Baja-WM

Der Dakar-Start im Januar, er ist ein Puzzle im großen Plan: „Das ist keine launige Idee. Ich will langfristig ein eigenes Rennteam aufbauen, die Baja-WM fahren, Service für andere Rallye-Kunden anbieten, auch Touren und Lehrgänge im Side by Side und Training für Navigatoren anbieten.“ Der Umstieg vom Beifahrer- auf den Fahrersitz, der Start im eigenen Team – alles bleibt dennoch ein Abenteuer, ein Wagnis. Doch von Zitzewitz ist überzeugt: „Ich bin überzeugt, dass wir es packen. Ich will es mir und allen anderen zeigen.“

Hintergrund Side by Side

Das Side by Side ist ein kleiner Allradrennwagen. Entstanden ist es aus einem Quad. Im Side by Side sitzen Pilot und Co-Pilot nebeneinander, Seite an Seite. Das in einem Überrollkäfig, aber offenen Cockpit. In der Standardversion hat das Side by Side kein Dach. Das Fahrzeug wird in der Landwirtschaft genutzt, auch als Golf-Buggy oder in der sportlichen Variante als Rallye-Car. Die Rallye-Modelle sind mit 180 PS unterwegs, wiegen ca. 900 Kilo, haben pro Rad 50 bis 60 Zentimeter Federweg. Zum Vergleich: Bei den Autos (T1) ist bei der Dakar der Federweg auf 28 Zentimeter limitiert. Seit 2018 fahren die Side by Side bei der Rallye Dakar in einer eigenen Kategorie.

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