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Sport im Norden Ronaldo mit „Juve“ im Lübecker Citti-Park
Sportbuzzer Sport im Norden Ronaldo mit „Juve“ im Lübecker Citti-Park
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23:06 30.03.2019
Schlage den Profi: Vincent Hage (r.) hat es versucht. Doch der 13-Jährige aus Badendorf hatte gegen Konsolen-Profi Niklas Heisen vom eSports-Bundesliga-Team des HSV keine Chance.
Schlage den Profi: Vincent Hage (r.) hat es versucht. Doch der 13-Jährige aus Badendorf hatte gegen Konsolen-Profi Niklas Heisen vom eSports-Bundesliga-Team des HSV keine Chance. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Tooooor, Juventus Turin! Toooor, Cristiano Ronaldo! Breitbeinig jubelnd wird „CR7“ von Costa & Co. fast umgerannt – und das im Citti-Park in Lübeck. Verfrühter April-Scherz? Nein. Willkommen beim ersten „LN-eSoccer-Cup“. 59 Teilnehmer, 12 Gruppen, 6 Gaming-Courts. Und ein echter Konsolen-Profi als Gast: Niklas Heisen, 20, vom eSports-Bundesligisten HSV.

Barça schlägt Juve 3:1

Anstoß auf Fifa-19-Spielfeld 1: Der FC Barcelona und Juventus Turin kicken im Achtelfinale. Die Sitzwürfel reihum sind belegt. Mall-Flanierer stoppen, schauen zu. „Wir spielen 85er Modus, zweimal vier Minuten. Da hat keiner einen Vorteil. Die Torhüter sind auf Weltklasse-Modus eingestellt“, erklärt Projektleiter Bosse Graper. Barça schlägt Juve 3:1. Andreas Gottfried, Nickname „FC Sterni“, ballt die Faust. Er ist unter den Top Acht. Der 28-Jährige aus Lübeck ist im richtigen Leben Industriemechaniker. „Ich spiele seit zwei Jahren, mag Fußball simulierte Spiele“, erzählt er. Profi-Ambitionen? Er winkt ab. „Abends ein, zwei Stündchen zum Runterkommen, das macht Spaß. Es ist auch mein erstes Turnier.“

Freut sich über den Viertelfinaleinzug: Andreas Gottfried (28) aus Lübeck. Quelle: Agentur 54°

Tricks der Profis kann man nicht verteidigen

Flanke zum Center Court.Heisen“, der HSV-Profi, kickt. Sein Gegner: Vincent Hage, 13, aus Badendorf. Er versucht sich im „Beat the Pro“, Schlage den Profi. El-Tornado-Flanke von links, Tor „Heisen“. Vincent kennt den Trick und flucht: „Ich hasse den.“ Er verliert. „Die Tricks der Profis kann man nicht verteidigen“, erzählt er später. Seit zwei Jahren spielt er Fifa, kickt sonst in der C-Jugend des FC Dornbreite im Sturm. „Mir macht beides Spaß.“ Fifa 17 mag er mehr. „Da war der Karriere-Modus das Highlight.“ Aha! Bock auf eSports-Profi hätte er schon. „Klar, kann ich mir vorstellen.“

Profi kontra Amateur: Niklas Heisen (r.) und Vincent Hage spielen gegeneinander. Moderator Phillip Kamke interviewt Heisen zwischendurch. Quelle: Agentur 54°

Heisen: „Video mit Narey wird fett“

Erst recht, als „Heisen“ davon erzählt. Spielerberater, Trainer, Spielpsychologe, Loge im Volksparkstadion, Jahresgehalt – das virtuelle Spiel gleicht sich dem realen Kick immer mehr an. „Im nächsten Jahr müssen alle Erst- und Zweitligisten ein Team für die virtuelle Bundesliga stellen“, erzählt „Heisen“. Mit dem HSV hat er Rang sieben unter 22 Teams belegt. „Das war top!“ Dann verrät er noch, dass er mit Khaled Narey vom HSV ein Video dreht. „Das wird fett.“

Familie Heisen beim LN-eSoccer-Cup. Schwester Johanna, Papa Wolfgang, HSV-Profi Niklas und Oma Marita. Quelle: Agentur 54°

Papa Heisen in Lütjenburg Trainer

Heisen, der gebürtige Eutiner, ist der Exot unter den Konsolen-Profis. Er ist Halbprofi, studiert Psychologie. „Und das hat Prio eins“, erzählt sein Vater Wolfgang. Er ist mit Oma Heisen und Vincents Schwester Johanna aus Lütjenburg gekommen, um Niklas zu sehen. Er erzählt von früher, dem Eltern-Sohn-Kampf, wie lange er spielen darf. „Wir haben schon aufgepasst, dass er drei, vier Stunden täglich draußen war.“ Beim TSV war Papa Heisen auch der Fußball-Trainer von Heisen Junior. Dass man mit eSports Geld verdienen kann, hätte sich Papa Heisen nie vorstellen können. „Ich hatte ihm gesagt, er solle in Hamburg nebenbei jobben, für zehn Euro die Stunde oder so. Niklas meinte nur, dass er lieber virtuell Fußball spiele. Das sei besser. Und er hat recht.“

13 Spieler fehlten beim Start

Kick aufs nächste Spielfeld. Tom Beier, 23, Nickname „N7United“, ist eine Runde weiter. 5 Spiele, 5 Siege. Der Verkäufer aus Lübeck spielt seit elf Jahren Fifa, hat zuletzt beim Turnier in Schackendorf Platz zwei belegt. „Früher hab’ ich acht Stunden am Tag gespielt, jetzt sind es zwei, drei“, verrät er. Nebenan steht Marvin Merten. Der 26-Jährige ist angefressen: „Nicht weil ich raus bin, nur in einigen Gruppen fehlten drei Spieler, der Rest bekam neun Punkte kampflos. Ich hatte nach fünf Spielen elf. Das ist ärgerlich.“ Aber nicht zu ändern. Der Grund: 13 Spieler sind zum Turnierstart am Morgen nicht erschienen.

Tom Beier aus Lübeck ist ungeschlagen ins Achtelfinale eingezogen. Quelle: Agentur 54°

Handball-Zwillinge im Finale

Pass ins Finale: Und das spielten keine Fuß-, sondern zwei Handballer aus Stockelsdorf aus – die Zwillinge Till („twinforthewin“) und Thies Troike („striveforgreatness“). Thies siegte 2:1, sicherte sich die Playstation 4 als ersten Preis. Sein Bruder durfte sich über einen Gamingstuhl freuen. Bronze ging an einen „echten Fußballer“, den Kücknitzer Kreisliga-Torjäger Cihan Kilic.

Handball-Zwillinge im Finale: Thies Troike (r.) bezwingt im Endspiel seinen Bruder Till, gewinnt eine Playstation 4. Quelle: hfr

Heisen bleibt ungeschlagen

Nachspiel: „Bis auf die kurzfristigen Absagen hat es gepasst“, fasst Projektleiter Bosse Graper die Premiere zusammen. Auch Profi Heisen ist zufrieden: 5 Spiele, 5 Siege. „Hat Mega-Spaß gemacht, ich komme wieder.“ Eine Zweitauflage des Cups ist ohnehin geplant, aber nicht vor dem Herbst. Im September kommt Fifa 20 auf den Markt.

Jens Kürbis