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Sport im Norden Ruderer Max Appel: Nach Herz-OP im Doppelvierer
Sportbuzzer Sport im Norden Ruderer Max Appel: Nach Herz-OP im Doppelvierer
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20:32 23.05.2019
Das Skull-Nationalteam stellt sich vor: Hans Gruhne (v.l.), Max Appel, Stefan Riemekasten, Lars Hartig, Tim Ole Naske, Timo Piontek, Stephan Krüger und Karl Schulze posieren vor dem Ratzeburger See. Oliver Zeidler fehlt. Quelle: WITTERS
Ratzeburg

Der Wind pfeift kalt über den Ratzeburger See. Welle um Welle schiebt er mit Schaumkronen ans Ufer, auch über den Bootssteg vor der Ruder-Akademie. Auf dem Steg wird gerade der neue Doppelvierer abgelichtet. Kurzärmlig, besockt in kurzen Shorts. Ruderer sind harte Kerle. Eine Woche vor der EM in Luzern stellt sich das neu ins Leben gerufene Team „Deutschland Skuller“ vor.

Trainer Marcus Schwarzrock im Interview. Im Hintergrund werden die Doppelvierer-Jungs abgelichtet. Quelle: WITTERS

EM ist erste Standortbestimmung

Neun Recken, drei Boote, zwei Trainer. Ihre Heimat: der Bundesstützpunkt Hamburg/Ratzeburg. Deutschlands beste Skuller ziehen hier seit November 2018, seit der Strukturreform im deutschen Rudern ihre Bahn. Es waren mal 15. Jetzt sind es nur noch sieben plus zwei Ersatzleute, aufgeteilt in den Einer, Doppelzweier und -vierer. Und das nach einer knallharten Selektion, einem langen Konkurrenzkampf. „Die EM ist die erste Standortbestimmung“, erklärt Cheftrainer Marcus Schwarzrock mit Blick auf den Höhepunkt, die WM Ende August in Linz.

Max Appel – Heimspiel mit Happy End

In Ratzeburg geboren, in Mölln hat er das Ruder-ABC erlern: Max Appel hat jetzt einen Rollsitz im Doppelvierer. Quelle: WITTERS

Die Konzentration der Top-Skuller im Norden – für Max Appel ist es ein Heimspiel mit Happy End. In Ratzeburg ist er geboren, Mölln ist seine Heimat. Da ist das Elternhaus, der Ruder-Club. Vor sechs Jahren ist er ausgezogen, um in Magdeburg sein Ruderglück zu finden. Jetzt ist er zurück, hat einen Rollsitz im Doppelvierer. Sein neues Glück darüber kann der 23-Jährige kaum in Worte fassen. Im Vorjahr nur Ersatzmann, „wollte ich rein ins Team, egal in welches Boot. Dabei war ich vor drei Monaten eigentlich schon raus“, ergänzt er leise. Er meint seine Operation am Herzen, das außer Rhythmus war, immer wieder mit Extraschlägen pochte. „Das war echt nervig, musste gemacht werden“, erzählt er. Der Muskel, er wurde mit einem Stromschlag verödet.

Nach Herz-OP zur Kleinboot-DM

Die Krux: Appel hatte danach nur zwei Wochen Vorbereitung für die Kleinboot-Meisterschaft, den wichtigen Test. Er wusste: „Ohne Training, im Rudern ist das nahezu unmöglich.“ Doch er hat es möglich gemacht. Er landete unter den Top acht. „Das war meine Eintrittskarte ins Team. Jetzt, wo wieder alles in Ordnung ist, bin ich wie beflügelt.“ Dazu gehört auch, dass der Sportsoldat seit dem 1. Mai in Hamburg eine Wohnung gefunden hat, nicht mehr aus Mölln pendeln muss. Appel ist auf Kurs Tokio 2020. „Klar, das ist mein ganz großer Traum. Doch jetzt will ich erst einmal mit den Jungs etwas reißen.“

Erfolgreicher Hartig-Umstieg

Zu den Jungs zählt Lars Hartig, der zweite Schleswig-Holsteiner im Skull-Team. Der 28-Jährige von der Friedrichstädter RG, ist nach Olympia-Platz sechs 2012 von den leichten zu den „schweren Jungs“ umgestiegen. „Ich war zu groß, zu schwer, musste nur Diät machen“, erzählt der Husumer, „es gab nur eins: Entweder schaffe ich es, oder höre auf.“ Er hat es geschafft, durfte sich mit Timo Piontek sogar Hoffnungen auf den Zweier machen. Doch die Trainer setzten das Duo in den Vierer. „Wir waren nicht so viel schlechter. Doch der Vierer ist eine schöne Herausforderung.“

Saison-Aus für Lübecker von Warburg

Zum Skull-Nationalteam zählt auch der Lübecker Christian von Warburg. Doch der 23-Jährige hat es in keines der Boote geschafft. „Christian hat sich weiterentwickelt. Doch er braucht den nächsten Leistungsschritt. Er ist im Findungsprozess“, erklärt Schwarzrock. Denn die Saison, sie ist für ihn gelaufen.

Timo Piontek vor dem neuen Logo der Skuller. Quelle: WITTERS

Sxulls – Einblicke in das Innenleben

Für den Rest geht sie erst los. Es ist auch die erste Saison als „Deutschland Skuller“. Ein Logo, zwei Sponsoren (Ausrüster New Wave und Kino Saki, ein japanischer Reiseveranstalter) sorgen für den besonderen Stellenwert. Auch das Filmprojekt „Sxulls“, das mit Episoden tiefe Einblicke in das Innenleben gibt. „Das ist unheimlich wertvoll für uns“, sagt Hartig, „die Leute können sich endlich vorstellen, was wir machen. Dass wir einen Vollzeit-Job haben plus das Studium, zwei Dinge, die zusammen eigentlich gar nicht gehen.“ „Sxulls.de“ zeigt auch den Druck, die Freude, das Leid. Dass einer wie Olympiasieger Hans Gruhne seine Frau und das neugeborene Töchterchen in Potsdam nur selten sieht. Dass Stephan Riemekasten, Yale-Absolvent und Klavierspieler, alles auf die Karte Rudern setzt. Beide sind derzeit nur Ersatz. Doch ihr Traum von Olympia lebt weiter. Denn der beginnt nicht erst, wenn die Welt 2020 in Tokio zuschaut . . .

Das ist das Skull-Nationalteam 2019

Einer: Oliver Zeidler (Da- chau, 22, 203 cm, 90 kg) Donau-RC Ingolstadt.

Doppelzweier: Stephan Krüger (30, 188 cm, 85 kg) Frankfurter RG ‚Germania’; Tim Ole Naske (Hamburg, 23, 183 cm, 84 kg) RG Hansa

Doppelvierer: Lars Hartig (Husum, 28, 190 cm, 83 kg) Friedrichstädter RG; Timo Piontek (Koblenz, 27, 190 cm, 87 kg) Koblenzer RC; Max Appel (Hamburg, 23, 195 cm, 85 kg) SC Magdeburg; Karl Schulze (Berlin, 31, 190 cm, 98 kg) Berliner RC.

Ersatz: Stephan Riemekasten (Berlin, 25, 192 cm, 81 kg) RG Rotation Berlin, Hans Gruhne (Potsdam, 30, 193 cm, 92 kg) RC Potsdam

Jens Kürbis

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