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Sport im Norden Souveräner Wahlsieger in Meisterlaune
Sportbuzzer Sport im Norden Souveräner Wahlsieger in Meisterlaune
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00:52 21.01.2014
Lübeck

Knapp 16 Jahre, 50 Kilogramm und gut 700 Kilometer liegen zwischen seiner allerersten und der (vorerst) letzten Judo-Goldmedaille: Im Februar 1998 erkämpfte sich Igor Wandtke als siebenjähriger Mattenfloh und Debütant bei den U11-Bezirksmeisterschaften in Lübeck den Titel in der Gewichtsklasse bis 23 kg, jetzt untermauerte er in Ettlingen als Top-Favorit seine Ausnahmestellung auch bei den Deutschen Einzelmeisterschaften und feierte in der nationalen Männer-Konkurrenz bis 73 kg als mittlerweile 23-Jähriger nach 2012 seinen zweiten DM-Triumph.

Perfekter konnte das Timing wohl kaum sein: Denn bei seinem Titel-Coup in Baden-Württemberg war Wandtke dank des klaren Votums der LN-Leserschaft am Sonntag als frischgekürter Sportler des Jahres 2013 angetreten und meinte gestern nach seiner Rückkehr: „Das tolle Wahlergebnis war natürlich gut und wichtig auch für mein Selbstvertrauen. Denn nach den internationalen Erfolgen im Vorjahr musste ich in Ettlingen ja mit viel größerem Druck antreten — das kannte ich so nur von Landesmeisterschaften bei der Jugend. Und dass ich damit klar gekommen bin, ist eine schöne Erfahrung.“

Und wie der lübsche Wahl-Hannoveraner damit klar kam: Unter den Augen seiner Eltern und seines zehnjährigen Bruders Viktor fegte „Iggi“ nach einem Erstrunden-Freilos sowohl Tim Lauenroth (Niendorfer TSV) als auch seinen künftigen Bundesliga-Mitstreiter Julian Kolein (TSV Großhadern) vorzeitig per Ippon von der Matte. Und danach wurde sein ärgster DJB-Rivale Christopher Völk (TSV Abensberg) im spannenden Finale nach regulären fünf Minuten durch Yuko (mittlere Wertung für gelungenen Hüftwurf) bezwungen.

„Eigentlich hatte ich keine Zweifel an Igors Sieg. Es sah immer so aus, als hätte er alles im Griff“, lobte Mutter Susanne (46) die Nervenstärke ihres Meister-Sohnes, bevor es wieder nordwärts ging.

Denn gestern „durfte“ sich der DM-Champion als Lehramts-Student tagsüber schließlich wieder dem stressigen Uni-Alltag in Hannover widmen, ehe es zur abendlichen Sportlerehrung für die erfolgreichsten Sportler 2013 in der niedersächsischen Metropole neben leckeren Häppchen zum zweiten Mal auch die obligatorische Glasplakette gab. „Ansonsten genießt der Judosport in Hannover wegen der übermächtigen Fuß- und Handball-Konkurrenz mit starken Bundesliga-Teams aber keinen großen Stellenwert“, erzählt Wandtke und merkt dazu an: „Das ist in Lübeck zum Glück doch noch etwas anders, wo man uns nicht so in die Randsport-Ecke drängt . . .“

Damit das so bleibt, will der 23-Jährige die Kontakte nach Hause, ins heimische Budokan-Zentrum am Herrendamm, trotz proppevollen Terminkalenders nicht abreißen lassen. „Wenn‘s irgendwie geht, will ich auch weiterhin bei den Jüngsten die Gürtelprüfung abnehmen oder für unsere Regionalliga-Männer per Zweitstartrecht auf die Matte gehen“, sagt das LN-Talent der Jahre 2006 bis 2008 und schränkt allerdings ein: „Die Lübeck-Besuche werden 2014 noch knapper ausfallen, da neben den diversen Trainingslagern mit der Nationalmannschaft und der gezielten Vorbereitung auf die Europa- und Weltmeisterschaften ja auch noch die Bundesliga-Kampftage anstehen. Und da muss ich in der Süd-Staffel für Großhadern in München antreten, was mit Abstechern in die Heimat nicht so leicht zu vereinbaren ist wie bisher mit meinen Potsdamer Einsätzen.“

Absolute Priorität besitzt für Wandtkes Jahresplanung — auch mit Blick auf Olympia 2016 — jedoch das internationale Judo-Geschäft: Als mittlerweile festes Mitglied des Top-Nationalkaders will er Ende April für Deutschland bei der EM in Montpellier möglichst zwei Medaillen (solo und im Team) erstreiten und Ende August bei der WM im russischen Tscheljabinsk den letztjährigen Coup von Rio wiederholen, wo die DJB-Recken unerwartet den Bronzerang eroberten.

Andreas Oelker