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Sport im Norden Thole/Wickler: „Wollen ganz nach oben“
Sportbuzzer Sport im Norden Thole/Wickler: „Wollen ganz nach oben“
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20:32 08.07.2019
Julius Thole (l) und Clemens Wickler präsentieren bei der Siegerehrung ihre Silbermedaillen. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

Die letzten verließen um kurz nach Mitternacht die Feier. Fans, Familie, Freunde, das Staff – sie alle hatten Julius Thole (22) und Clemens Wickler (24) beim Hamburger Kiez-Italiener „Giovanni Rocco“ eine Überraschungsparty bereitet, ihnen bei der Ankunft im Schein von Wunderkerzen ein „So seh’n Sieger aus“ entgegen geschmettert. Spätestens da waren auch bei Wickler die „gemischten Gefühle“ verschwunden. Drei Stunden zuvor als das WM-Finale mit einem entsetzten Aufschrei der 12 000 am „Rothenbeach“ geendet hatte, war er kurz den Tränen nahe gewesen. Nach gewonnenem ersten Satz hatten die Hamburger Jungs das Spiel aus der Hand gegeben – 1:2 (21:19, 17:21, 11:15) gegen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski.

Fans helfen über ersten Schmerz hinweg

Auf die Aufschläge der russischen Weltranglistendritten, vor allem die 118-km/h-Raketen des 2,06-m-Riesen Stojanowski hatten sie keine Antwort gefunden. „Beim 8:8 fängt Oleg wie ein Wahnsinniger an. Er serviert uns drei Dinger in die Mitte. Das war die Entscheidung“, fand Thole. Und Wickler gab zu: „Ein Finale und dann noch vor so einer Kulisse zu verlieren – das tut weh.“

Selfie mit den Fans: Julius Thole (r). und Clemens Wickler Quelle: Christian Charisius/dpa

Thole/Wickler: Vorfreude auf Timmendorfer Strand

Über den ersten Schmerz halfen die Fans hinweg: Noch 30 Minuten nach Spielschluss wurden Thole/Wickler mit Sprechchören gefeiert. „Von der unglaublichen Kulisse werde ich noch meinen Kindern erzählen“, sagte Thole, der den Kopf aber schnell oben hatte: „Wir wissen jetzt, wir können jeden schlagen, gehen mit mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen in die weiteren Turniere.“ In Deutschland sind sie live erst wieder Ende August bei der Deutschen Meisterschaft in Timmendorfer Strand zu sehen (29. August bis 1. September).

Turnierabsage für Gstaad und neue Sponsoren

Das nächste Turnier, das in dieser Woche in Gstaad (Schweiz), sagten sie am Montagmorgen ab: „Julius hatte schon im Spiel Kreislaufprobleme, hat Angst, dass er sich einen Virus eingefangen hat. Er muss jetzt erst einmal ein paar Tage ruhig machen“, erklärte Manager Marc Stöckel, der am Montag kaum zur Ruhe kam. Das Handy klingelte ohne Unterlass. „Alle wollten gratulieren, zwei, drei potenzielle Sponsoren waren auch dabei.“ Der Budget-Topf hatte sich schon zuvor gefüllt: Für Platz zwei gab es 45 000 Dollar (40 100 Euro) – die höchste Prämie für Thole/Wickler. Bisher . . .

Julius Thole und Clemens Wickler werden bei der Überraschungsparty gefeiert. Quelle: Hoch Zwei

WM-Silber – für Coach Koreng keine Überraschung

WM-Silber. Für Bundestrainer Eric Koreng, der tagtäglich mit ihnen arbeitet, ist das „keine Überraschung. Wir wissen, was in den Jungs steckt. Die Herausforderung war, dass sie es zeigen und das konstant.“ Für den Ex-Profi ist es auch ein Erfolg des gesamten Teams. „Da steckt viel Kompetenz dahinter.“ Cheftrainer, Fitnesscoach, Mentor, Psychologin, Scouts, Physios – im Staff ist die Beachelite vereint. Koreng: „Davon profitieren die Jungs ungemein.“ Das Ziel: „Wir wollen ganz nach oben, keine kleinen Brötchen mehr backen.“ Maß der Dinge seien die Norweger, die WM-Dritten Mol/Sorum. Die Weltranglistenersten sind mit Thole/Wickler das einzige U25-Duo in den Top 10.. Koreng: „Sie gilt es, in Zukunft zu schlagen.“

Thole: „Ich habe eine neue Freundin“

Dazu passte Tholes Ansage: „Als Team haben wir eine unglaubliche Entwicklung hinter uns. Aber wir haben noch vor, ein paar Turniere zu gewinnen.“ Hamburg eingeschlossen. Und dann platzte es beim Italiener zum Abschluss seiner Rede aus ihm heraus: „Im übrigen: Ich hab’ eine neue Freundin.“

Beste WM aller Zeiten

Gegen halb acht morgens kamen die Ersten, drei Stunden bevor sich die Tore öffneten. Gegen zwölf, zwei Stunden vor dem Finale, warteten mehr als tausend Beachvolleyball-Fans. Vergeblich. Die Zugänge wurden geschlossen. 12 000 Zuschauer im Stadion, weitere 1000 auf dem Gelände – der „Rothenbeach“ war wie die Tage zuvor bis auf den letzten Platz gefüllt.

Mehr als 130 000 Besucher wurden in den zehn WM-Tagen von der elektrischen Einlasskontrolle gezählt. Mehr – und zwar 180 000 Besucher – kamen lediglich vor zwei Jahren bei der WM in Wien. „Da hatten wir aber zwei Drittel mehr Fläche“, erklärte Veranstalter Hannes Jagerhofer. Der Chef der Beach Majors GmbH legte sich fest: „Hamburg war die beste WM aller Zeiten – und das sage ich als Österreicher.“ Die Hansestadt müsse deshalb ein fixer Ort im Veranstaltungskalender bleiben. „Es gibt keinen besseren Platz.“ Der Rothenbaum soll, wie die drei Jahre zuvor, neben Wien und Gstaad in der Schweiz fester Bestandteil seiner Major-Tour bleiben. Prag oder Fort Lauderdale (USA) sind weitere potenzielle Orte. Für Hamburg ist der 23. bis 28. Juni 2020 als Termin reserviert.

Der Haken: Jagerhofer will von der Stadt mehr als eine Million Euro Zuschuss. Hamburg ist das zu viel. Gibt es keine Einigung, will der deutsche Verband einspringen, ein Top-Turnier selbst organisieren.

Jens Kürbis

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