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Sport im Norden Im Spagat auf Kurs Tokio 2020
Sportbuzzer Sport im Norden Im Spagat auf Kurs Tokio 2020
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06:00 21.07.2019
„Road to Tokio“ führt über Travemünde: Phillip Kasüske führt das olympische Finn-Dinghy-Feld an. Quelle: segel-bilder.de
Lübeck

Travemünde, Mövenstein. Vögel zwitschern. Der Wind schiebt sich leise über im Grün liegende Boote. Eine Oase der Ruhe. Mittendrin im Grün: Phillip Kasüske. Der Berliner riggt seinen Finn auf. Bereit zum Start in die Travemünder Woche, seine fünfte. 38 Boote haben für die olympische Klasse gemeldet. Für Kasüske ist es „nur so zum Spaß, ein Regatta-Training, um Wasserstunden zu sammeln“. Ihm fehlt die Konkurrenz, vor allem die internationale. Denn der 24-Jährige hat Großes im Blick: Olympia 2020, die Spiele in Tokio. Parallel ist der Sportsoldat Teil des Offshore Team Germany, der Hochseesegel-Kampagne, die 2021 nach knapp 20 Jahren und dem umjubelten Sieg der „Illbruck“ in Kiel wieder ein deutsches Boot zum legendären Ocean Race an den Start bringen will. In neun Monaten geht es dabei über vier Ozeane, mit Stopps in zehn Ländern und auf sechs Kontinenten.

Hopping zwischen Kiel und Portsmouth

Mal Finn, mal „Einstein“. Es ist auch ein Hopping zwischen Kiel und Portsmouth in England, wo die „Einstein“, eine 60 Fuß lange Imoca, derzeit liegt. Ein Spagat, der ihn fordert. „Es ist unheimlich zeitintensiv, gerade durch das Reisen.“ Sein Studium (Logistik-Management) kommt deshalb etwas zu kurz. Doch missen will er das Hin und Her nicht. „Beides ergänzt sich unheimlich gut. Ich kann viel lernen.“ Dazu gehört auch, dass auf der „Einstein“, einem der schnellsten und modernsten Einrumpfboote der Welt, im Schichtsystem gesegelt wird. „In der Nacht ist man drei Stunden wach, muss allein das Boot segeln. Das ist eine andere Hausnummer.“

Mit Konkurrent Kohlhoff ein Team

In Travemünde zählt der Finn. Der Start – wie erwartet. Zwei Wettfahrten, zwei Siege, jeweils vor dem Hamburger Nicolaus Schmidt. Die Regatta ist ein Baustein auf der „Road to Tokyo“. „Darauf habe ich die letzten Jahre hingearbeitet.“ Dazu gehört auch, dass er nach dem Abitur im Sommer 2013 und dem Umstieg vom Laser in den Finn von Berlin nach Kiel gezogen ist. In Schilksee trainiert er mit Max Kohlhoff (26). Ihr Ziel: Nach 16 Jahren Flaute soll wieder ein deutscher Finn an der olympischen Startlinie stehen. „Dafür arbeiten wir zusammen, pushen uns gegenseitig, ob im Kraftraum, auf dem Rad oder auf dem Wasser.“ Wohlwissend, dass es am Ende nur einen geben kann.

Parallel zum olympischen Finn segelt Phillip Kasüske (am Grinder) in der deutschen Ocean-Race-Kampagne mit.  Quelle: Ocean Race

Letzte Chance im April 2020

Nur: Noch haben sie nicht mal ein Nationen-Ticket. Die letzte Chance gibt es dafür im April 2020. „Beim Weltcup in Genua wird der letzte freie Platz für Europa ausgesegelt. Das wird knallhart, da sind noch sechs, sieben weitere Top-Nationen mit uns im Wettstreit.“

Kein Verständnis für Frauen-Quote

Es wird auch die letzte Olympia-Mission der „Finnen“ sein. Die Klasse fliegt nach Tokio aus dem Programm. So hat es der Weltseglerverband beschlossen. „Verstehen kann ich das nicht“, sagt Kasüske, „es gibt auch keinen Grund dafür, gerade vor dem Hintergrund der Frauen-Quote.“ 50 Prozent Männer, 50 Prozent Frauen – das hat der Weltseglerverband beschlossen. Aber die Realität sehe nun mal anders aus. „Da ist die Verteilung auch 70 zu 30 – für die Männer. Im Laser Radial suchen Nationen händeringend nach Sportlerinnen. Im Finn drängen viele Nationen auf wenige Olympia-Plätze. Das kann es doch nicht sein.“

Perspektive Offshore Double Handed

Mal Finn, mal „Einstein“. Nach der Travemünder Woche düst Kasüske wieder nach England. Vorbereitung auf das berühmte Fastnet-Race, das er mit der Crew ab dem 3. August segelt. „Ich profitiere davon ungemein. In der Zusammenarbeit mit Profi-Teams passiert in Deutschland viel zu wenig.“ Sie gibt ihm nach 2020 sogar eine neue olympische Perspektive. Denn Offshore-Double-Handed ist die neue Disziplin, die 2024 im Zeichen der fünf Ringe segelt, als Mixed-Crew. „Besser geht es ja nicht für mich, ich verbinde beides, Offshore- und Shorthanded-Segeln.“ Dass er dafür eine Frau an Bord nehmen muss, damit könnte er sicher gut leben . . .

Olympia-Qualifikation

Vor dem nationalen Ausscheid, wer 2020 in Tokio segelt, steht die Nationenqualifikation, die der Segelnationalmannschaft den Startplatz bei Olympia überhaupt erst beschert. Die Hürde haben in Deutschland bisher nur drei Klassen genommen: Laser Radial (Frauen), 49er und Laser Standard (beide Männer). Für den Finn steht im April 2020 die dritte und letzte Chance an. In diesem Jahr hoffen noch die 470er (Männer/Frauen), 49er FX (Frauen) und Nacra 17 (Mixed). RSX-Surfen (Männer/Frauen) hat der Verband nicht besetzt.

Jens Kürbis

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