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Sport im Norden Trittauer Kolleginnen auf dem Court und in der Praxis
Sportbuzzer Sport im Norden Trittauer Kolleginnen auf dem Court und in der Praxis
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23:10 23.03.2018
Priskila Siahaya (links) spielt im zweiten Jahr für BadmintonErstligist TSV Trittau, absolviert zudem eine Lehre in der Zahnarztpraxis von Sabina Persson, in der auch Kilasu Ostermeyer bereits die Patienten mit versorgt. Die Doppelspezialistin spielt und lebt ebenfalls im zweiten Jahr in Trittau. FOTOS (je 2):
Priskila Siahaya (links) spielt im zweiten Jahr für BadmintonErstligist TSV Trittau, absolviert zudem eine Lehre in der Zahnarztpraxis von Sabina Persson, in der auch Kilasu Ostermeyer bereits die Patienten mit versorgt. Die Doppelspezialistin spielt und lebt ebenfalls im zweiten Jahr in Trittau. FOTOS (je 2):  Quelle: 54°/ING / Montage: Haller
Trittau

Es gilt, sich auf dem Weg ins Final Four (4./5. Mai in Saarbrücken) die optimale Ausgangslage für die vorgeschalteten Playoffs zu verschaffen: Als Tabellenfünfte müssen die Trittauer einen Platz gutmachen, um im Viertelfinale vor eigenem Publikum antreten zu können. Wie im Vorjahr, als sie in der Gymnasiumsporthalle Lüdinghausen besiegten und so die Endrunde in Bad Hersfeld erreichten. Dass sie dort mit Platz vier den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten, war nicht zuletzt Kilasu Ostermeyer und Priskila Siahaya zu verdanken. Sie hatten in ihrer ersten Saison jene „Probleme auf der Damenseite“ behoben, die Teammanagerin Sabina Persson in den Jahren zuvor stets beklagte.

Dass für klare Siege heute gegen Neuhausen und morgen Freystadt sowohl Siahaya (12:4-Einzelbilanz) als auch Ostermeyer (im Doppel mit Iris Tabeling und wohl auch im Mixed) punkten müssen, ist beiden klar. „Am besten nicht denken, einfach spielen“, versucht Siahaya die Anspannung mit einem lockeren Spruch zu vertreiben. Sie sitzt mit Ostermeyer in der Zahnarztpraxis von Abteilungsleiterin Sabina Persson und deren Mann Kim. Beide in roséfarbenen Kitteln und weißen Hosen, wie sie alle tragen, die hier arbeiten. Eine kurze Pause für die 21-jährige „Azubine“ Siahaya und ihre gleichaltrige Teamkollegin, die auch ihre Arbeitskollegin ist und im Sommer ihre Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) in der Persson-Praxis beginnt.

Als die Chefin kurz hereinschaut beim Pressetermin der beiden, betont sie: „Wir haben hier ganz viele ausländische Mitarbeiter.“ Nicht alle spielen Badminton. Aber einige. Auch Ary Trisnanto, 27-jähriger Indonesier, seit sieben Jahren in Trittau und inzwischen ausgebildeter Zahntechniker. Ihnen eine berufliche Perspektive zu bieten ist eine Möglichkeit, die Persson nutzt, um mit schmalem Etat eine schlagkräftige Bundesliga-Mannschaft aufbieten zu können.

Helfen muss sie ihren „Mädels“ im Gespräch nicht. Noch keine zwei Jahre in Deutschland, sprechen beide mehr als beachtlich Deutsch. Und wer sie bisher nur vom Badminton kennt, ist überrascht: Auf dem Court stets höchst konzentriert, beinahe ohne emotionale Regung und in den Pausen eher zurückhaltend, ist besonders Siahaya ein Quell der guten Laune. Und beide sind äußerst gesprächig, erzählen von ihrem Glück.

Davon, wie sie vor zwei Jahren die Chance ergriffen haben, aus Asien kommend das Abenteuer Deutschland anzugehen. Priskila Siahaya, deren Bruder seit Jahren in den Niederlanden lebt, hatte „schon immer den Traum, irgendwo in Europa zu leben“. Als sie sich darüber via Facebook mit Trittaus damaligem Indonesier Senatria Putra austauschte, vermittelte der sie an die Perssons. Im Sommer 2016 stieg sie in den Flieger, ließ ihre Mutter zurück („die eigentlich nachkommen möchte, aber auf ihr heimisches Essen nicht verzichten will“) und fand in der „Badminton-Pension“ Persson ein neues Zuhause, in dem sie noch heute lebt. Ein halbes Jahr Sprachkurse in Hamburg, dazu die „vielen Vokabelhilfen vor allem von Sabina und Nikolaj Persson“, und natürlich ihr Lasse, den sie schon im Oktober 2016 kennen- und lieben lernte, sorgten dafür, dass sie schon nach einem Jahr, im Sommer 2017, die nötigen Sprachkenntnisse hatte, um ihre Ausbildung zu beginnen.

Ein wenig anders lief und läuft es bei Kilasu Ostermeyer. Als ihr neuer Nationaltrainer in Thailand keine Rücksicht auf ihre Schulterprobleme nehmen wollte, entschied sie sich für einen neuen Weg, siedelte zur Tante an den Bodensee über und zog schließlich nach Trittau um, weil „unten im Süden“ kein adäquates Badminton-Team zu finden war. Der erste Freund ist schon wieder passé, die Sprachkurse in Hamburg fordern sie zusätzlich zur Arbeit. Sie wohnt zur Untermiete bei einer alleinerziehenden Mutter, und bevor sie im Sommer mit der Ausbildung beginnt, spielt sie ab nächster Woche noch auf internationalen Turnieren in Orleans und dem finnischen Vantaa, sammelt mit Doppelpartnerin Iris Tabeling Matchpraxis vor Playoff-Viertelfinale (und Final Four).

Ihr Blick in die Zukunft geht aber noch weiter. Sie sieht’s wie ihre Team- und Arbeitskollegin Priskila: „Wir wollen dauerhaft hierbleiben“, sagen beide unisono. Und das hört sich auch nach einem Versprechen an, dass die einstigen „Probleme auf der Damenseite“ in Trittau langfristig gelöst sind.

 Christian Schlichting