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Sport im Norden Ahmet Arslan – So tickt der LN-Sportler des Jahres
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10:00 16.02.2020
Ahmet Arslan präsentiert sein Trikot, das er im Bundesligaspiel für den HSV gegen Werder Bremen getragen hat. Quelle: 54°/John Garve
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Lübeck

Wer Ahmet Arslan besuchen will, der braucht gute Nerven und einen langen Atem. Der Goalgetter und Spielmacher des VfB Lübeck lebt im Herzen von St. Lorenz Süd im eng bebauten Dreieck Hansestraße – Moislinger Allee – Töpferweg. Einen Parkplatz im Labyrinth der Einbahnstraßen zu finden, ist Glückssache. Der Hausbesuch beim LN-Sportler des Jahres 2019 beginnt mit ein wenig Verspätung, nachdem auch noch 75 Stufen erklommen werden mussten, um im fünften Stock des schmuck- und fahrstuhllosen Mietshauses anzukommen. Dort teilen sich Arslan und Kumpel und VfB-Kollege Marvin Thiel eine Wohnung.

Wer sind die LN-Sportler des Jahres? Das sind Top-Männer

Vor der offenen Haustür lehnen zwei Gehhilfen. Arslan musste die nie benutzen, denn seit der 25-Jährige vor sieben Jahren sein Debüt im Herrenfußball geben durfte, hat er noch kein Spiel wegen einer Verletzung verpasst. Hineinspaziert also in die Männer-WG. Hell und freundlich ist es, tipptopp sauber, kein Schnickschnack oder Nippes. „Was willst du trinken“, fragt Arslan. „Wasser, Tee . . .?“ Alkohol hat er als gläubiger Moslem, für den es keinen Freitag ohne Gebet in der Moschee um die Ecke gibt, natürlich nicht im Haus. Wir gehen ins Wohnzimmer. Fantastischer Blick über das ganze Viertel, rüber zu den Türmen von Marien- und Petrikirche, „wir hatten Glück mit der Wohnung. Nur ein Balkon fehlt. Naja – und ein Fahrstuhl . . .“

Flatscreen und Playstation, Arslan ist ein Fifa-18-Star

Eine graue Sofalandschaft prägt den Raum – Liegewiese vor dem Flatscreen. Daneben ein Extraplatz: Sessel, kleiner Schirm – Playstation. „Der Eindruck täuscht“, winkt Arslan ab. „Ich bin kein Intensivspieler, manchmal spiele ich wochenlang gar nicht. Und spätestens um 23 Uhr ist sowie Schluss. Das ist meine Schlafenszeit.“ Was zockt man als Fußballer, sicherlich Fifa20. „Nein“, sagt Arslan. „Das finde ich nicht spannend. Ich hab’s nur vor Jahren mal probiert, weil ich sehen wollte, wie ich selbst darin aussehe.“ Tatsächlich war er eine virtuelle Figur in dem Konsolenspiel – wie alle Bundesligaspieler. Wer ihn jetzt aber bei Fifa 2018 aufruft erfährt: No history available.

Abitur in der Tasche, aber das Studium kann warten

Diese „History“ ist in den vier Wänden Arslans aber durchaus greifbar – gerahmte Erinnerungen an den Beginn seiner Laufbahn, die ihn weg von der Lohmühle und dem VfB, hin zum HSV führte – dann zum VfL Osnabrück. Und schließlich zurück nach Lübeck, zu den Grün-Weißen, mit denen er jetzt in die 3. Liga aufsteigen will. Es ist sein nächster Anlauf, die große Fußballbühne zu entern.

2014 Vertrag beim HSV

Seit der Offensivspieler 2014 einen Vertrag beim HSV unterschrieben hatte, ist klar, dass er nur eines will: Fußball spielen. „Ich habe zwar Abitur gemacht, könnte nebenbei studieren, ein zweites Standbein schaffen“, sagt er. „Aber das kann ich auch noch später machen. Ich denke und lebe Fußball, 24 Stunden am Tag – für anderes ist kein Platz.“ Und er erwähnt, dass die „neuen Strukturen“ beim VfB Lübeck ihm dieses Leben ermöglichen.

Von Bayern nach Lübeck

Davon hatte er nicht geträumt, als seine Familie damals vor 19 Jahren aus dem bayerischen Ottobeuren, wo er geboren wurde, nach Lübeck zog. „Ich sprach bayerisch und wurde deswegen gehänselt“, erinnert er sich. Seine Familie zog nach Karlshof, er ging in Kücknitz zur Schule, aus Bayerisch wurde lübsches Holsteinisch. Er begann zu kicken. Bei Phönix, Lübeck 76 und TSV Siems – dann der VfB. Und die große Fußballwelt.

Kun Agüero hängt im Schlafzimmer

Im Schlafzimmer prägen gerahmte Fußballtrikots den Raum – zwei haben ganz besondere Bedeutungen. Das eine trägt den Namen „Kun Agüero“, das der Manchester-City-Superstar dem stolzen Jungen aus Lübeck schenkte, als er mit dem HSV im Trainingslager in Dubai auf ManCity traf. Auf dem anderen prangt der Name Arslan und die Nummer 12. Es ist „matchworn“, also ungewaschen – Ahmet Arslan trug es am 28. 11. 2015 bei seinem ersten und einzigen Bundesligaspiel für den HSV. Beim 3:1 gegen Werder spielte er zwar offiziell nur eine Minute, „aber es war viel länger. Nordderby, Nachspielzeit“, rechnet er vor. „Statistiker haben hochgerechnet, ich hätte prozentual mehr Ballkontakte gehabt und sei mehr Kilometer gelaufen in dem Spiel als Pierre-Michel Lasogga.“

Özil, Klopp, Trophäen – und ein Lied von Oasis

Auf der Fensterbank zwei Bücher, eins von Mesut Özil, das andere von Jürgen Klopp, dazu Trophäen. Die für den „LN-Sportler des Jahres 2019“ ist eingerahmt von den Auszeichnungen für den treffsichersten türkischen Torjäger im Ausland – also außerhalb der Türkei – der er 2013/14 und 14/15 war. Und dann fällt der Blick auf eine Gitarre. Ahmo, wie ihn seine Freunde nennen, seit HSV-Trainer Joe Zinnbauer ihm den Spitznamen mal verpasst hat, grinst. „Das hab ich tatsächlich mal versucht. Und ein einziges Lied kann ich sogar – ’Wonderwall’ von Oasis. Damit kann man die Mädels beeindrucken.“

Arslan wie Tim Mälzer – Kochen kann er auch

Die Zeit wird knapp, die beiden WG-Partner müssen zum Training. Arslan „schnitzt“ in der Küche rasch noch etwas rohes Gemüse. Er sei ein guter Koch, sagt er – das habe er von der Mama gelernt, „die wie alle türkischen Mütter die besten Köchinnen der Welt sind“. Familie ist ihm wichtig, Bruder Tolga, der beim VfB in der „Tritten“ kickt, Schwester Burcu, gerade 18 geworden, die Mama und der Papa, der seinen Sohn überall hin begleitet, „nicht mal Hoffenheim oder Darmstadt waren ihm zu weit“. Und er bedauert, dass er seine Großeltern nicht häufiger besucht hat, die 700 Kilometer entfernt von Istanbul in der türkischen Provinz gelebt haben und beide verstorben sind. „Ich war so oft im Urlaub in der Türkei, ich hätte mir mehr Zeit nehmen müssen“, bedauert er heute. Mit seiner Freundin hat er im letzten Jahr das Grab von Oma und Opa besucht. „Das war schmerzhaft.“

Jubel mit Ronny Marcos und Jonathan Tah

Abmarsch zum Training. Thiel schnappt sich ein Cappy, Arslan ein rosafarbenen Hoodie. Bevor es ins Treppenhaus geht fällt der Blick wieder auf eine gerahmte Erinnerung: eine Szene aus Arslans erstem HSV-Spiel mit der „Zweiten“ in der Regionalliga gegen Goslar am 26. Juli 2014. Man bejubelt „Ahmos“ erstes Tor. Zentral kommt ihm sein bester Kumpel Ronny Marcos strahlend entgegen, von links stürmt Jonathan Tah herbei. Der ist inzwischen Bundesligastar und Nationalspieler. Eine Karriere, von der auch Arslan noch träumt und an der er arbeitet.

Von Jürgen Rönnau

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