VfL Lübeck-Schwartau siegt in Fürstenfeldbruck: Geschlafen, geglänzt, gezittert
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Sport im Norden VfL Lübeck-Schwartau siegt in Fürstenfeldbruck: Geschlafen, geglänzt, gezittert
Sportbuzzer Sport im Norden

VfL Lübeck-Schwartau siegt in Fürstenfeldbruck: Geschlafen, geglänzt, gezittert

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:14 06.02.2021
Neun Würfe, neun Treffer: Carl Löfström zeigte eine starke Partie am Kreis.
Neun Würfe, neun Treffer: Carl Löfström zeigte eine starke Partie am Kreis. Quelle: Wolfgang Fehrmann
Anzeige
Fürstenfeldbruck/Lübeck

In der Wittelsbacher Halle sind nur noch fünf Sekunden zu spielen, als Fürstenfeldbrucks Polizist, Max Horner, zur letzten Patrone, dem letzten Wurf, greift. Doch der landet in den Armen von Markus Hansen. Die VfL-Spieler rennen aufs Spielfeld, tanzen, hüpfen im Jubelkreis. Der Re-Start in die 2. Handball-Bundesliga, der VfL Lübeck-Schwartau hat ihn gemeistert, beim TuS Fürstenfeldbruck mit 35:34 (20:22) gewonnen. Doch was war das für eine Achterbahnfahrt. Nach schwacher erster Halbzeit, grandioser Aufholjagd begann nach einem Sechs-Tore-Plus nach 53 Minuten noch das große Zittern.

Spiele, Tore, Zuschauer, beste Werfer – der Saison-Rückblick der Schwartauer Handballer

VfL-Angriff findet Lösungen

„Puh, ich bin froh, dass wir gewonnen haben“, atmete Trainer Piotr Przybecki auf. 23 Spiele sind es noch bis Ende Juni. Der VfL will Platz fünf verteidigen, weiterhin oben mitspielen. So hatte es Przybecki vor der Reise nach Oberbayern formuliert. Doch, was er in den ersten 30 Minuten gegen das einzige Amateurteam der Liga zu sehen bekam, ließ ihn daran zweifeln. Es war nicht die unangenehme, offensive Abwehr der Brucker, die den VfL in Verlegenheit brachte. Es war das eigentliche Plus, die Defensive, die nicht funktionierte. Die Oberbayern marschierten hindurch wie ein heißes Messer durch die Butter. Dafür fand die VfL-Offensive Lösungen. Das probate Mittel: Sperre absetzen mit Kreisläufer Carl Löfström. Mal über Markus Hansen, mal über Julius Lindskog Andersson. Oder Durchbrüche an den Kreis. Einen nutze der wendige Janik Schrader zur Führung (8:7/11. Minute).

Lesen Sie auch: Alles zum VfL Lübeck-Schwartau

Przybecki zur Pause: „Abwehr hat nicht stattgefunden“

Der Aufsteiger zeigte sich davon aber unbeeindruckt, setzte weiter auf Tempo. Nur: Es brauchte selbst im Positionsangriff nicht viel - ein, zwei Pässe und die VfL-Deckung war ausgehebelt (11:13/15.). Torhüter Dennis Klockmann hatte da schon längst seinen Platz zwischen den Pfosten entnervt geräumt. Er hatte hinter einer Abwehr, die ihren Namen nicht verdiente, keinen Ball an die Hand bekommen. Doch es wurde nicht besser (13:17/20.). 22 Gegentore zur Pause, mehr als 70 Prozent der Würfe, die im VfL-Tor landeten – ernüchternd. Dass es nur zwei Tore Minus waren, war der Offensive zu verdanken. „Die Abwehr hat nicht stattgefunden, geschlafen, die Torhüter waren nicht anwesend“, monierte Przybecki zur Pause und verriet: „Ich musste in der Kabine lauter werden, dass die Jungs aufwachen.“

Statistik zum Spiel

TuS Fürstenfeldbruck:Luderschmid (1. – 36./8 Paraden), Hanemann (36. – 60/3) – Huber, Kaulitz 5, Kolodziej 6/1, Borschel, Lex 3, Seitz 5, Riesner, Meinzer, Engelmann 2, Stumpf 2, Prause 2, Horner 4, Hagitte 1, Prestele 4.

VfL Lübeck-Schwartau: Klockmann (1. – 12., ab 30./ 7 Paraden, 1 Siebenmeter), Conrad (12. – 30./3 Paraden) – Glabisch 3, Potratz 3, Raguse, Lindskog Andersson 6/2, Hansen 2, Löfström 9, Waschul 1, Schult, Versteijnen 4/1, Schrader 1, Kretschmer 5, Hagen, Bruhn 1.

Siebenmeter: 1/3 (Klockmann pariert 2x gegen Kolodziej) – 3/4 (Lindskog Andersson scheitert an Hanemann)

Zeitstrafen: 1 / 4

Spielfilm: 3:1 (4.), 5:5 (8.), 10:11 (14.), 13:11 (15.), 17:13 (20.), 21:18 (28.), 22:20 (HZ) – 23:23 (34.), 26:23 (39.), 26:28 (45.), 27:32 (50.), 28:34 (53.), 32:34 (57.), 34:35 (59.) Ende.

Sechs-Tore-Plus nach 53 Minuten

Und es half. Lindskog Andersson, agil, mit guter Übersicht, gab vorn weiter die entscheidenden Impulse. Als dann noch die ersten Paraden des ins Tor zurückgekehrten Klockmann hinzu kamen, wendete sich das Blatt. „Deckung, Torhüter waren endlich da. Und vorn haben wir gegen die Drei-gegen-Drei-Deckung Lösungen gefunden“, freute sich Przybecki. Martin Waschul sorgte für das erste klare Plus (28:26/45.). Den Panthern, wie sich die Brucker selbst nennen, wurde der Zahn gezogen (nur sechs Treffer in 22 Minuten). Und vorn war es immer wieder die Achse Lindskog/Löfström, die funktionierte. Doch es wurde noch einmal eng, unnötig eng. Zu viele Fehler ließen das Sechs-Tore-Plus (34:28/53.) schmelzen. Nach Löfströms neunten Treffer zum 35:32 (57.) setzte gar das Zittern ein. Ein strittiges Raguse-Stürmerfoul, ein Verstejnen-Wurf 24 Sekunden vor Schluss an die Latte – die Brucker hatten die Chance zum Punkt.

„Das müssen wir cleverer lösen, darf nicht passieren, dass sie sogar noch einmal die Chance zum Punktgewinn haben“, befand Przybecki und hatte es dann ganz eilig. Angesichts des erwarteten Schneechaos auf der Rückreise wollte er schnell in den Bus. Przybecki: „Wir werden über den Osten zurückfahren. Wenn es ganz schlimm wird, übernachten wir unterwegs.“

Von Jens Kürbis

06.02.2021
Erste Handball-WM: Schwartauer zieht Bilanz - Juri Knorr: WM-Debütant ist wieder Bundesliga-Dirigent
06.02.2021