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Sport im Norden Weihnachten in der Heimat: Juri Knorrs kleine Barça-Auszeit
Sportbuzzer Sport im Norden Weihnachten in der Heimat: Juri Knorrs kleine Barça-Auszeit
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12:26 24.12.2018
Erstliga-Debüt in Spanien: Ausnahme-Talent Juri Knorr spielte Anfang Dezember für die erste Mannschaft des FC Barcelona. . Quelle: FC Barcelona
Bad Schwartau

Es nieselt, dazu nasskalte sieben Grad. „Driving home for christmas“, dudelt es aus einer Ecke. Es gibt schönere Tage, um über den Schwartauer Weihnachtsmarkt zu bummeln. Erst recht, wenn man gerade Sonne und wohlig-warme 17 Grad zurückgelassen hat. „Das Wetter habe ich nun wirklich nicht vermisst“, erzählt Juri Knorr lachend. Doch als er herzhaft in die Muzen beißt, vom Zwergenwald erzählt, dass sein Großvater mit seiner Anwaltskanzlei ein Häuschen gestiftet hat, weiß man, was er vermisst hat: die Heimat, das Gefühl zu Hause zu sein. „In Schwartau ist alles eher familiär. Ich mag das, bin eh nicht so der Großstadttyp.“

Juri Knorr (l.) beim Bummel über den Schwartauer Weihnachtsmarkt mit LN-Redakteur Jens Kürbis. Quelle: Agentur 54°

Incredibile – unglaubliche Premiere in der Ersten

Seit dreieinhalb Monaten lebt er in einer, sogar in einer Weltstadt. Und er spielt für einen Weltverein, den FC Barcelona – mit Vertrag bis Sommer 2020. Ende August ist der 18-Jährige vom Drittligisten HSG Ostsee zu Barça gewechselt, spielt mit dem B-Team in der Division de Honor Plata, der zweiten Liga. Das überwiegend mit Talenten besetzte Nachwuchsteam ist Spitzenreiter. Und Knorr, der Spielmacher, der Denker und Lenker, der Sohn des Ex-Nationalspielers Thomas Knorr, ist mit 69 Treffern sogar sechstbester Torjäger der Liga. Mehr noch: Vor gut zwei Wochen hat „El Aleman“, der Deutsche, sogar sein Debüt in der Ersten, im Profiteam gegeben – und das im berühmten Handball-Tempel Palau Blaugrana. Knorr Junior ist damit auf den Spuren eines Erhard Wunderlich und Christian Schwarzer unterwegs. Im Interview mit Barca-TV, dem Vereinssender, erzählte er nach dem 41:26 über Teucro in fast fließendem Spanisch, dass alles incredibile, unglaublich sei, er es nur schwer beschreiben könne. Der Presse berichtete er davon, dass ein Traum wahr geworden sei. Auch, dass Aron Palmarsson, der Isländer, sein Idol sei, er von ihm Tipps erhalten, sich im Training auch viel von Raul Entrerrios abgeschaut habe.

Keine Fragen zu Barça!

Nur jetzt, beim Bummel über den Schwartauer Weihnachtsmarkt, blockt er beim Thema Barça ab. „Ich darf nicht.“ Nachfrage in Barcelona. Medien-Koordinator Gustau Galvache klärt auf: „Spieler der zweiten Mannschaft dürfen nur in der Mixed-Zone Interviews geben. Das ist auch im Fußball so, wir wollen unsere Talente schützen.“ Dass er in einer Handball-WG mit einem Rumänen und Spanier wohnt, in der Nähe des Trainingsgeländes La Masia, der berühmten Jugendakademie, zu Hause ist, dass er bis zu acht Mal Training hat, ist so nur über Umwege zu erfahren.

Ein Trio aus Barcelonas B-Team (2. Liga) feierte Anfang Dezember beim 41:26 über Teucro Erstliga-Premiere: Mamadou Diocou (v.l.), Juri Knorr und Alex Pascual Quelle: FC Barcelona/Twitter

Bundestrainer Beppler begeistert

Unter anderem über Jugend-Bundestrainer Jochen Beppler, der ihn und den Flensburger Jannek Klein, den zweiten Barça-Deutschen, besucht hat. Beppler sieht es auch als „Wertschätzung gegenüber unseren Jungs, die zum Elitekader gehören“. Nach den Gesprächen mit den Trainern und der Vor-Ort-Visite war Beppler begeistert: „Die Jungs sind da sehr gut aufgehoben.“ Und was sagt er zu Juri? „Der Einsatz in der Ersten spricht für sich.“ Auch der Umstand, dass Juri nach nur dreieinhalb Monaten sprachlich bestens zurechtkommt, sich nun mit dem Thema duale Entwicklung, einem Fernstudium, beschäftigt. Beppler: „Das braucht er als Ausgleich.“

Knorr: „Handball ist jetzt der prägende Teil meines Lebens“

Juri gibt zu: „Dass Handball jetzt der prägende Teil meines Lebens ist, daran musste ich mich erst gewöhnen. Ich habe anfangs sogar die Schule vermisst.“ Doch den Schritt hat er nicht bereut. „Es macht Spaß, ist interessant, faszinierend.“ Damit meint er auch das Erkunden der Stadt, den Luxus, das Meer vor der Haustür zu haben, auch den Fußball-Tempel Camp Nou. Messi & Co. hat er da bereits erlebt. Die Fans, einfach alles drumherum, fand er krass.

Juri Knorr ist ab dem 27. Dezember mit dem U19-Nationalteam beim Merzig-Cup (live auf sportdeutschland.tv). Quelle: Agentur 54°°

Eine andere Welt. Auf die Tage zu Hause, das Kontrastprogramm ohne Sport hat er sich gefreut. Auch wenn das nur kurz ist. Kaum zurück, musste er nach Berlin zu einem Leistungstest, ist ab dem 27. Dezember auch schon wieder mit dem U19-Nationalteam unterwegs, für drei Tage beim Merzig-Cup als Vorbereitung auf die WM im Sommer.

Juri genießt weihnachtliche Rituale

Doch die ist derzeit weit weg. Juri genießt die Auszeit mit der Familie, auch die kleinen Rituale – das weihnachtliche Shopping mit Schwester Vibe, das Raclette-Essen an Heiligabend mit den Großeltern, den lustigen Julklapp in der Familie, auch den Bummel mit Hund „Lila“ durch den Wald. Am 6. Januar ist die Auszeit vorbei. Dann geht der Flieger zurück nach Barcelona, zurück in sein neues Leben.

Jens Kürbis

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