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Sportmix Achter, Angelboote, Anekdoten
Sportbuzzer Sportmix Achter, Angelboote, Anekdoten
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06:00 20.05.2019
Für Deutschlands U23-Nationalmannschaft ist die Ratzeburger Regatta mittlerweile traditionell die Qualifikationsregatta für die WM Quelle: Felix König
Ratzeburg

Beim Blick aus dem Clubhaus auf den Küchensee hat Lingolf von Lingelsheim die kompletten 60 Jahre Rudergeschichte im Blick: Von den Anfängen, als die Bahnen bei der ersten Internationalen Ratzeburger Ruderregatta noch durch Wasserbälle markiert wurden, über Neuerungen an der Strecke, große Duelle, einen „abgesoffenen“ Achter bis zu weiteren Anekdoten. Der heute 70-Jährige war seit dem Anfang 1959 hautnah dabei und hat auch im „Unruhestand“ noch drei Tage die Woche mit dem Rudersport zu tun. Als gelernter Boots- und Schiffbaumeister nahm von Lingesheim von 1972 an an insgesamt neun Olympischen Spielen teil und schätzt die Zahl seiner WM-Begleitungen nur noch und zählt sie nicht mehr: „Es waren über 30“.

Aller Anfnag ist schwer

An die Anfänge erinnert er sich noch genau: „Wir sind damals mit den Anglerbooten unserer Lehrer auf den Küchensee, haben mit in Netzte gepackte Niveabälle an einem Seil und einem Stein befestigt und als Bojen im See ausgesetzt.“ Beschwerlich war es auch, die Besucher angenehmen unterzubringen: „Die Stühle für die Tribüne haben wir per Menschenkette durch die Damentoilette ans Ufer geschafft.“

Verglichen mit späteren Aufgaben war das allerdings eine leichte Übung: „Als wir beispielsweise einen Achter für ein Rennen in Toronto ins Flugzeug verladen wollen, mussten wir das 18 Meter lange Boot durch die Seitentür einer DC8 bugsieren. Damit es passte, musste ich die Flosse abmontieren.“ Heutzutage sind die Boote teilbar, damit sie per Container verschifft werden können.

Erst Starthelfer, dann selbst Ruderer

Die alten Anglerboote kamen anfangs auch bei den Regattastarts im Einsatz: „Wie viele Generationen von Schülern der Lauenburgischen Gelehrtenschule war auch ich Starthelfer. Wir hatten damals noch keinen Steg, sondern wir lehnten uns übers Heck des Bootes, das mit Ankern befestigt war, und hielten die Rennboote bis zum Start fest.“ 1959 begann von Lingelsheim selbst mit dem Rudern: Moritz von Groddeck schulte ihn in „Mohamed“, dem ersten Skiff des RRC.

Lingolf von Lingelsheim (70) vor einem historischen Regattabild im Clubhaus des Ratzeburger Ruderclubs. Quelle: Christoph Staffen

Auf der Regattastrecke folgten neue Ballons, Bojen, Start- und Zielpontons. Der damalige Vorsitzende des Ratzeburger Ruderclubs, Dr. Alfred Block, hatte die Vision, „Ratzeburg als Luzern des Nordens“ zu entwickeln. 1965 verfolgten 30 000 Zuschauer die geglückte Revanche der „Bullen vom Küchensee“ gegen das US-Boot, das ein Jahr zuvor bei Olympia in Tokio den Achter von Karl Adam geschlagen hatte. 1966 wurde das „Albanosystem“ mit sechs abgetrennten Bahnen eingeführt, 1972 wurde die Strecke als erste (und heute einzige) in Deutschland auf acht Bahnen erweitert. 1966 wurde von Lingelsheim auf „seinem“ Küchensee Deutscher Meister im Zweier mit Klaus Koop, mit dem er heute noch gern Doppelzweier fährt, ein Jahr später gewann der dort die Internationale im Zweier.

Einer machen Furore in Ratzeburg

Nach den Achtern machten die Einer in Ratzeburg Furore: Ab 1983 lieferten sich der von von Lingelsheim trainierte Hamburger Peter-Michael Kolbe und der Finne Pertti Karpinen spektakuläre Duelle. 1992 sollte dann wieder ein Achter für Schlagzeilen sorgen: „Bei 1000 Metern lief ein russisches Boot voll Wasser. Die Männer sind trotzdem weitergerudert“, berichtet von Lingelsheim. Erst als das Wasser bis Unterkante Oberlippe stand, gaben die Russen ihr Boot auf. Das Bild vom „abgesoffenen“ Achter ging um die Welt. „Ich war direkt an der 1500-m-Marke dabei, an der es passierte. Der Achter war meines Erachtens für diese Mannschaft zu leicht, lag zu tief im Wasser und lief bei den hohen Wellen voll. Gekentert ist der aber nicht.“

Deutsch-Deutsche-Hürden

Mit den Russen war dem Umgang übrigens unkomplizierter als mit den Sportfreunden aus der damaligen DDR, der außerhalb von Ratzeburg in Salem untergebracht waren und keine Kontakte knüpfen sollten. Als die Olympiasieger Bernd und Jörg Landvoigt ihren Zweier bei einer Kollision auf dem Küchensee beschädigten, bot von Lingelsheim ihnen an, das Boot in der Ruderakademie zu reparieren. Doch das wurde von höherer Stelle strikt abgelehnt – schließlich war der damalige Akademie-Leiter Richard Wecke zuvor erfolgreicher Staatstrainer der DDR-Ruderinnen... „Ich habe sie dennoch überzeugen können, ihr Boot zu reparieren“, blickt von Lingelsheim zurück.

Regatta kompakt

Rund 350 Starter werden am 8./9. Juni zur Internationalen 60. Ratzeburger Ruderregatta auf dem Küchensee erwartet. Sie kommen unter anderem aus Dänemark, Norwegen, Polen, England und Frankreich sowie aus Australien und Japan. Die Gewinnerin und der Gewinner der U23-Einer-Rennen über 2000 m erhalten wie in den Vorjahren in Ratzeburg ein Ruderstipendium im Wert von je 1200 Euro. Ratzeburg ist fast schon traditionell die Qualifikationsregatta für Deutschlands U23-Nationalteam. Neben dem 11. Firmen-Sprint gibt es auch einen Sprint der Achter über die Distanz von 500 m.

Christoph Staffen

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