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Beachvolleyball „Deutscher Meister ist Poniewaz-Quadrat!“
Sportbuzzer Sportmix Beachvolleyball „Deutscher Meister ist Poniewaz-Quadrat!“
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20:15 01.09.2019
David (l.) und Bennet Poniewaz feiern den Sieg mit ihren Eltern Bert und Karin. Quelle: Agentur 54°
Timmendorfer Strand

„Deutscher Meister ist Poniewaz-Quadrat, Poniewaz-Quadrat“, hallte es durch die Ahmann-Hager-Arena von Timmendorfer Strand. Das „Quadrat“, die Zwillinge Bennet und David Poniewaz, hatten für die Überraschung bei den 27. Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften in Timmendorfer Strand gesorgt. Mit 2:1 (21:14, 19:21, 15:9) hatten die Brüder im Finale Jonathan Erdmann und Sven Winter entzaubert. Als es vollbracht war, fielen sich die Zwillinge um den Hals, wälzten sich minutenlang im Sand und sprinteten dann quer über den Court zu ihren Fans mit ihren Eltern Bert und Karin. „Ich kann es nicht glauben. Das hat so viel Spaß gemacht, ihr seid.“ Weiter kam David Poniewaz nicht, brach seine Dankesrede unter Tränen ab. Als die Football-Fans vom Beachvolleyball-Sender ran.de dann noch zwei Tickets für ein NFL-Spiel in London erhielten, waren sie gänzlich aus dem Häuschen..

„Vaddern, gibts du mir frei?“

Zur Pressekonferenz im VIP-Bereich waren die Publikumslieblinge dann völlig außer Rand und Band. „“Ich hab’ schon einen im Tee, das ist hier total anstrengend“, erzählte David kichernd und nippte fröhlich am Bier. Auf die Frage, ob beide denn am Montag Urlaub hätten, fragte David quer durch den Park: „Vaddern, gibts du mir frei?“. Im Büro des Vaters lässt er sich zum Steuerfachwirt weiterbilden. Und „Vaddern“ ließ sich erweichen: „Komm, wann du willst.“ Doch so richtig fassen konnten sie ihren Coup nicht. „Es ist noch völlig unreal. Jetzt hängen wir im nächsten Jahr im VIP-Zelt in der Ahnengalerie, neben all den Helden. Das ist ein megageiles Gefühl.“

David Poniewaz (l.), Bennet Poniewaz, Julia Sude und Karla Borger (r.) feiern ihren Sieg bei den Deutschen Meisterschaften. Quelle: Agentur 54°

Beachvolleyball-Meister im Nebenjob

Doch wer sind die „Poniewaze“, die sämtliche vom Deutschen Volleyball-Verband geförderten Nationalteams hinter sich ließen? David und Bennet, 26 Jahre alt, geboren im 10 000-Einwohner-Örtchen Ostercappeln bei Bramsche. „Ich war eine Minute früher, das ist wichtig. Der Jüngere muss alles machen“, erklärte David grinsend. Beide wohnen in Osnabrück, „im selben Haus, der selben Etage, aber nicht in einer Wohnung“. Sie spielen für den FC Schüttorf 05, „der liegt 35 Minuten von der holländischen Grenze weg“. Der FC hat auch eine Volleyballabteilung, die Männer spielen 2. Liga (Halle) – mit den Poniewaz-Twins. Im Sommer teilen die Brüder ihre Leidenschaft für den Beach. Sie sind allerdings Freizeit-Spieler, „aber ambitioniert. Wir trainieren jeden Tag zwei Stunden. Das ist schon anstrengend“. Denn beide haben einen Fulltime-Job. Bennet arbeitet in einem IT-Systemhaus als Trainee, musste für die Timmendorfer Tage Urlaub nehmen. Und David bekanntlich bei „Vaddern“.

Poniewaz-Zwillinge sorgen für Rekord

Seit 2011, seit ihrem Wechsel an den Olympiastützpunkt in Kiel, sind sie im Beachzirkus unterwegs. Die großen Ambitionen haben sie aber ad acta gelegt, wieder zurück in der Heimat. Reizen nicht die internationalen Turniere? „Rom, Wien oder Rio ist nicht unser Ding. Wir machen so weiter wie bisher. Sommer Beach, Winter Halle.“ Nur: Sie hätten das Zeug für mehr. Schon auf der nationalen Tour sorgten sie für einen Rekord, gewannen fünf der acht Turniere, davon vier in Folge. Und jetzt Timmendorf, die Meisterschaft. Dafür brauchte es im Finale nach verlorenem zweiten Satz allerdings eine klare Ansage: „Nicht so viel labern, das geht mir auf den Sack“, brabbelte Bennet seinen Bruder an. Es war der Wegweiser zu Gold und 10 000 Euro Prämie.

Geschafft: David (l.) und Bennet Poniewaz liegen sich in den Armen. Quelle: Agentur 54°

Saison-Nachspiel: „Poniewaze“ zur Militär-WM

Die Saison ist für beide noch nicht zu Ende, geht nach Bennets Urlaub („Ich flieg in einer Woche nach Miami zum Football“) im Oktober in die Verlängerung. Erst heiratet David am 18. Oktober. In die Flitterwochen fliegt er dann allerdings mit dem Bruder – zur Militär-WM nach China. „Deutscher Meister ist Poniewaz-Quadrat“, hallte es noch am Abend durch den VIP-Bereich. Die Twins und ihre mehr als 30 Fans, sie hatten noch lange nicht genug . . .

Doppel-Verletzung aus dem Nichts – Bronze-Spiel abgesagt

Der Kontrast zu den Poniewaz-Twins: das Quartett für Spiel um Platz drei. Philipp Arne Bergmann/Yannick Harms und Paul Becker/Schröder sagten aus Verletzungsgründen die Partie zeitgleich ab. Der Hintergrund: Da der Zeitplan aufgrund packender Halbfinals aus dem Takt geraten, eine pünktliche TV-Übertragung der Finals auf ProSieben MAXX in Gefahr war, sollte das Bronze-Spiel auf Court 2 gespielt werden. Dafür erhielten die Funktionäre ein Pfeifkonzert der Fans und anschließend die Rote Karte der Teams. Harms und Becker meldeten zeitgleich eine Verletzung an. Fragwürdig, aber regelkonform. Beide Teams erhielten Bronze.. Das sorgte neben dem Abbruch des Viertelfinals von Thole/Wickler wegen Dunkelheit am Vorabend für ein erneutes DM-Novum.

DM 2020 vom 4. bis 6. September

Die doppelte Absage ist ein Wermutstropfen auf überragende Titelkämpfe, die mit 72 000 Zuschauern in drei Tagen einen neuen Besucherrekord verzeichneten. „Timmendorf ist unser Wimbledon und bleibt es auch“, sagte Tour-Organisator Frank Mackerodt. Vom 4. bis 6. September 2020 gehen die Meisterschaften in die 28. Timmendorf-Runde.

Von Jens Kürbis

Karla Borger und Julia Sude sind die neuen Beachvolleyball-Meisterinnen. In einem hochklassigen und spannenden Finale bezwangen sie Olympiasiegerin Laura Ludwig und Margareta Kozuch in drei Sätzen. Ludwig war nicht unzufrieden: „Wir haben uns nach dem Fehlstart bei den Eiern gepackt und Punkt für Punkt ins Turnier gekämpft.“

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