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Sportmix Handball, Basketball, Tischtennis: Nachwuchs-Topsport als Zuschuss-Geschäft
Sportbuzzer Sportmix Handball, Basketball, Tischtennis: Nachwuchs-Topsport als Zuschuss-Geschäft
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17:41 18.12.2019
Erstklassiger Handball-Nachwuchs in der Hansehalle: Melf Hagen und seine Schwartauer VfL-Jungs erhalten keine Zuschüsse „von oben“. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Die Fußballvereine mit Jugendmannschaften in den Regionalligen beklagen, dass der Deutsche Fußball-Bund seine bisher ausgeschütteten Zuschüsse von insgesamt 400  000 Euro ab der kommenden Saison ersatzlos streicht. Der größte nationale Sportfachverband der Welt finanziert aber weiterhin die Jugend-Bundesliga-Teams mit, während der Norddeutsche Fußballverband seine Regionalligen mit jeweils 15 000 Euro pro Saison unterstützt. Dagegen erfahren in anderen Sportarten selbst die höchsten Nachwuchsspielklassen meist keinerlei finanzielle Unterstützung von den Profi-Ligen oder dem Dachverband. Drei Beispiele aus der LN-Region:

Handball: Der Spielbetrieb in der männlichen A-Jugend-Bundesliga ist zwar in vier nach regionalen Gesichtspunkten sortierten Ligen aufgeteilt, dennoch fallen beispielsweise für die Nachwuchs-Handballer des VfL Bad Schwartau weite Fahrten bis nach Nordrhein-Westfalen (Minden, Lemgo, Krefeld) an. Eine finanzielle Unterstützung der Vereine mit den größten Talenten gibt es dennoch nicht. Vom DHB gibt’s immerhin Zahlungen für Jugendnationalspieler – allerdings an die jeweiligen Landesverbände. Die HBL (Vereinigung der Profiklubs aus 1. und 2. Liga) zahlt ebenfalls nicht. Im Gegenteil, wie Gerrit Claasen als Jugendkoordinator des VfL betont: „Profivereine, die nicht die Rahmenbedingungen für das geforderte Jugend-Zertifikat erfüllen, werden mit einer Strafzahlung bedacht. Es gibt also keinen Bonus für jene, die Jugendförderung wie gefordert erbringen, sondern einen Malus für jene, die es nicht tun.“ Die Bundesliga-Saison der A-Jugendlichen beim VfL sei „zu 100 Prozent eigenfinanziert“. Was auch bedeutet, dass die Eltern der Handball-Talente zur Kasse gebeten werden. Sie zahlen über den Vereinsbeitrag hinaus nicht nur einen abteilungsspezifischen Zusatzbeitrag, sondern auch noch einen „Bundesliga-Zuschlag“.

Schwarzenbeker Talente-Nest: Chiara Steenbuck (17) gehört zu den „Eigengewächsen“, die beim TSV als junge Dame bereits den Sprung in den Drittliga-Stammkader geschafft haben. Quelle: Florian Leibold/hfr

Tischtennis: Die Sportart versteht sich bei der Nachwuchsförderung als Individualsportart. Jugendspielklassen oberhalb der Landesebene gibt es nicht, nur Mannschaftsmeisterschaften in Turnierform auf Regional- und Bundesebene.Die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) als Vereinigung der Erstligisten hat sich über den Grundlagenvertrag mit dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) zu Maßnahmen verpflichtet, durch die die Bundesligisten Nachwuchsarbeit leisten. Dabei geht es um Kooperationen mit Schulen, die Ausrichtung von Mini-Meisterschaften (gilt als eine der größten Nachwuchsfördermaßnahmen im Sport) und Trainingslehrgängen, aber auch um die Integration von U23-Spielern in den Spielbetrieb oder zumindest eine Trainingsgruppe. „Wer diese Bausteine nicht erfüllt, zahlt in einen Topf ein, den der DTTB zur Nachwuchsförderung einsetzt, etwa um Turniere zu subventionieren oder zusätzliche Trainingsmaßnahmen für Talente auf Nationalkader-Ebene zu fördern“, erläutert Nico Stehle als Geschäftsführer der TTBL. „Selbst bei den Bundesligisten gibt es oft nur einen Geldgeber, der den Spielbetrieb sicherstellt. Geld für die Nachwuchsarbeit bleibt da selten übrig“, weiß auch Oliver Zummach, Vizepräsident beim Tischtennis-Landesverband und zugleich über Jahrzehnte bei Drittligist TSV Schwarzenbek in verantwortlicher Position. „Dort könnten wir mit dem zur Verfügung stehenden Geld auch höher als 3. Liga spielen. Aber wir haben uns entschieden, lieber in die Jugend zu investieren.“

Hohe Ziele im Visier: Justus Waller (14) sammelte bei den Lübeck Lynx in der Saison 2018/19 erste Erfahrungen in der Jugend-Bundesliga und geht mittlerweile für das JBBL-Team der Hamburg Towers auf Korbjagd. Quelle: 54°/Christian Schaffrath

Basketball: Die Basketball-Bundesliga (BBL) hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Jugendförderung auf den Weg gebracht. Dazu zählt, ähnlich wie im Handball, eine Zertifizierung der Nachwuchsleistungsstandorte. In der „kinder+ Sport Basketball Academy“ bieten Profivereine darüber hinaus die Möglichkeit, ein Trainingsprogramm zu absolvieren und verschiedene Leistungsstufen zu erreichen. Seit 2008 gibt es zudem finanzielle Unterstützung durch einen sogenannten Ausbildungsfonds mit dem Ziel, „Anreize für (kleinere) Vereine zu schaffen, sich ggf. auf die Entdeckung und Heranführung von Talenten zu konzentrieren oder aber Kooperationen einzugehen“, heißt es dazu bei der BBL. 2011 traten auch die Vereine der ProA und der ProB dem Fonds bei. Wenn Nachwuchsspieler bestimmte Einsatzzeiten in einer der Ligen erreichen, können bis zu 10  000 Euro fällig werden, die zeitanteilig an alle ihre vorherigen (Ausbildungs-)Vereine ausgeschüttet werden. Die Vereine in der Nachwuchs- (NBBL) und Jugend-Bundesliga (JBBL) erhalten ansonsten keine Zuschüsse aus dem Profibereich. 1000 Euro Meldegebühr, Trainergehalt, Fahrtkosten – alles wird aus eigener Tasche bezahlt. Immerhin: Über eine Schiedsrichterumlage werden Belastungsspitzen ausgeglichen bei Klubs, die aufgrund ihrer Randlage höhere Fahrtkosten bei den Referees verursachen. Dass sich die U15-Korbjäger der Lübeck Lynx 2019 nicht für ihre vierte JBBL-Spielzeit qualifizieren konnten, war für Coach Stefan Tresselt aus sportlicher Sicht sehr bedauerlich. Aber der 55-Jährige sagt auch: „Dadurch konnten wir uns die Mühen ersparen, über Sponsoren und unseren Förderverein die 5000 Euro einzuwerben, die für eine Bundesliga-Saison benötigt werden.“

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