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Sportmix "Handball ist im TV-Rechtestreit der Kollateralschaden"
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15:24 09.01.2017
DHB-Präsident Andreas Michelmann mit Fanschal beim Halbfinale der Handball-EM 2016. Quelle: Felix König
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Lübeck

Handball.dkb.de. Noch tut sich auf der Internetseite bis auf ein Bild und einen Satz nicht viel. Noch ist offen, wer die Partien im Livestream kommentiert, analysiert. Doch das Aufatmen beim Deutschen Handballbund (DHB) ist groß. Auch wenn es eine Notlösung ist: Es gibt TV-Bilder von der WM in Frankreich. Sponsor Deutsche Kreditbank macht es möglich, hat nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Rechte-Inhaber beINSports, einem Ableger des Senders Al Jazeera mit Sitz in Doha, und ARD/ZDF die Rechte für Deutschland erworben. Der DHB selbst hat für einen kleineren fünfstelligen Betrag die Public-Viewing-Rechte für die deutschen Spiele geordert, gibt sie mit dem Aufruf zum „Rudelgucken“ kostenlos an seine 4400 Vereine weiter. Die LN fragten bei DHB-Präsident Andreas Michelmann (57) nach.

Herr Michelmann, die WM wird in Deutschland doch zu sehen sein. Ende gut alles gut?
Andreas Michelmann: Erst einmal sind wir der DKB sehr dankbar. Und wir hoffen jetzt in puncto Public Viewing auf die Kraft der Vereine. Aber gut ist damit längst nicht alles, gerade wenn ich nach vorn schaue, in Richtung Dezember auf die Frauen-WM in unserem Land.

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LN: Droht da ein ähnliches TV-Szenario?
Michelmann: Stand jetzt ja, auch wenn ich mir das nicht vorstellen will. BeINSports hat bis Ende 2017 die TV-Rechte. Der Handball in Deutschland ist in dem Rechtestreit der Kollateralschaden. Die Situation war lange vor der WM 2015 in Katar bekannt. Darauf haben wir immer wieder hingewiesen, haben sportlich als Europameister und Olympiadritter geliefert, viel vermittelt. Leider lange Zeit vergeblich. Man muss dabei auch das ernste Interesse von ARD und ZDF hinterfragen.

LN: Inwiefern?
Michelmann: Sicher ist die Situation bei den Verhandlungen mit beINSports rechtlich und technisch schwierig. Aber insbesondere beim Frauen-Handball habe ich mit Blick auf die Heim-WM den Eindruck, dass wir hier auch gemeinsam an der Einstellung arbeiten müssen. ARD und ZDF haben im vergangenen Jahr nicht ein Frauen-Länderspiel gezeigt, auch nicht von der EM. Und da gab es diese Rechte-Problematik nicht.

LN: Die jetzige Lösung über Sponsoren-TV sorgt auch für viel Kritik. Viele sehen darin eine Bedrohung der freien Berichterstattung...
Michelmann: Das ist für mich typisch deutsch. Anstatt sich zu freuen, dass es überhaupt Bilder gibt, wird das wieder in Frage gestellt. Wir sind der DKB sehr dankbar.

Sollten Handball-WM und -EM auf die viel diskutierte TV-Schutzliste?
Michelmann: Ja. Man stelle sich vor, es hätte keine Bilder von der Fußball-EM im vergangenen Sommer gegeben. Undenkbar. Sportpolitisch sind wir leider im Land der Monokultur angekommen. Doch 19 Millionen TV-Zuschauer in der Spitze, die beim EM-Finale mitgefiebert haben, zeigen, dass auch der Handball Reichweite bekommt. Aus dem Grund wünsche ich mir, dass wir jetzt Weltmeister werden, damit die Diskussion richtig in Fahrt kommt.

Gibt es eine WM-Zielstellung für Gensheimer & Co.?
Michelmann: Nein, keine konkrete. Das Team ist so professionell, so heiß. Sie brauchen das nicht.

LN: Und wurden diesmal vorab Prämien verhandelt?
Michelmann: Im Gegensatz zur EM diesmal ja. Wir haben schon vor den Olympischen Spielen in Rio mit Uwe Gensheimer und Steffen Weinhold darüber gesprochen. Die Mannschaft hat maßgeblich dazu beigetragen, dass unsere Sponsorenerträge im Vorjahr von zwei auf drei Millionen Euro gestiegen sind, davon geben wir einen Teil als Prämie an die Mannschaft weiter.

LN: Also gibt es nach den 111 000 Euro für den EM-Titel diesmal bei Gold eine Million Euro fürs Team?
Michelmann: Nein. Siebenstellig ist es bei Weitem nicht. Die Regelung gilt im übrigen für Team und Staff. Der Trainer hat eine Extra-Regelung im Vertrag.

Interview: Jens Kürbis