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Handball WM-Test und -Casting im Norden
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19:09 03.01.2019
Stimmen sich im Norden mit ihrem Team auf die bevorstehende Heim-WM ein: Kapitän Uwe Gensheimer (l.) und Bundestrainer Christian Prokop während der Pressekonferenz in Hamburg. Quelle: Foto: Agentur 54°
Hamburg

Das Bag mit Eisen und Holz geschultert, marschiert ein Pärchen schwatzend zum Golfplatz Treudelberg. Dass ihnen auf dem Hotel-Parkplatz Uwe Gensheimer über den Weg gelaufen ist, sie haben es nicht mitbekommen, ihn auch nicht erkannt. Eine Woche vor dem Start in die Heim-WM sind Deutschlands Handballer im Norden Hamburgs noch weit weg von ekstatischen Fans und ausverkauften Arenen. Allenfalls das Anstehen zum Fließband-Fotoshooting und der Presse-Marathon danach dürfte sie daran erinnert haben, dass da etwas Großes vor der Tür steht. Die beiden Test-Länderspiele am Freitag in Hannover gegen Tschechien (16.15 Uhr/ARD) und am Sonntag in Kiel gegen Argentinien (14.00 Uhr/zdfsport.de) dürfte ihnen in zwei Arenen mit mehr als 10 000 Zuschauern aber einen ersten Vorgeschmack geben, wie es dann in Berlin (Vorrunde), wahrscheinlich Köln (Hauptrunde) und hoffentlich Hamburg (Halbfinale) sein könnte. „Man hat Bilder im Kopf, wie die Zuschauer die schwarz-rot-goldenen Klatschpappen in der Hand haben und gemeinsam die Hymne singen“, sagt Gensheimer.

Öffentliche Trainingseinheit in Berlin

Bundestrainer Christian Prokop ist schon im „WM-Tunnel“. Mit einem „guten Maß aus Fokussierung und Lockerheit“ will er seinem Kader den Feinschliff verpassen. Neben den Testspielen bleiben ihm noch fünf Einheiten, darunter am Dienstag in Berlin erstmals eine öffentliche vor 2000 Unterstützern. Beim WM-Casting steht für den 40-Jährigen dabei noch eine unbequeme Entscheidung an. Er muss seinen Kader von 18 auf 16 Spieler reduzieren. „Ich habe schon verschiedene Gedankengänge durchgespielt, wie der Kader aussehen könnte“, gibt Prokop zu. Zum einen sei es „eine Leistungsentscheidung“, vorrangiges Ziel sei es aber, „als Mannschaft die größte Stärke einzubringen“.

Trifft es Groetzki oder Reichmann?

Da alle 18 Mann fit sind, Prokop auf Linksaußen auch auf den zuletzt angeschlagenen Magdeburger Linksaußen Matthias Musche („Er ist wieder eingestiegen“) setzt, am Kreis sowie im linken und rechten Rückraum ein Trio im Auge hat, kann es gut sein, dass es wohl neben dem Lemgoer Tim Suton einen Rechtsaußen (Patrick Groetzki oder Tobias Reichmann) trifft. Am Sonntag will er den Spielern die Entscheidung mitteilen. Ob vor oder nach dem Testspiel, das ließ er offen.

Heinevetter: „Mannschaft ist wichtiger als das eigene Ego“

Offensichtlich ist aber schon jetzt: Prokop hat auch in punkto Nominierung seine Lehren aus der verkorksten EM vor einem Jahr gezogen. Damals hatte er Bastian Roscheck und Maximilian Janke aus seinem Leipziger Ex-Klub spät ins Team geholt, stattdessen die Europameister Finn Lemke und Fabian Wiede aussortiert. Dann kam die halbe Rolle rückwärts, als er Abwehrchef Lemke doch noch einfliegen ließ. Prokop will diese Art Unruhe diesmal vermeiden, machte so auch im Vorfeld eine weitere mögliche Baustelle zu. Er legte sich so früh wie noch nie ein Bundestrainer zuvor auf den Kieler Andreas Wolff als Nummer eins im Tor fest. Der Berliner Silvio Heinevetter nimmt es mit der Erfahrung von zig Turnieren und gut 180 Länderspielen gelassen: „Früher hätte ich da anders reagiert. Aber man wird auch älter. Und machen wir uns doch nichts vor: Das Turnier ist lang, da kann sich vieles verändern.“ Außerdem: „Die Mannschaft ist wichtiger als das eigene Ego. Punkt.“

Torwart Silvio Heinevetter zeigt LN-Redakteur Jens Kürbis im Interview den neuesten Trainingsstreich des DHB-Teams. Quelle: Agentur 54°

Video-Spaß mit Roggisch und Physio

Sagt es und zeigt ein lustiges Video auf seinem neuen Instagram-Account. Teammanager Oliver „the white Usain“ Roggisch wird da im Sprintduell mit Physiotherapeut Peter „Flash“ Gräschus „schön vorgeführt. Teil zwei folgt in Kürze“, verrät Heinevetter, „ein Riesenspaß.“ Und das mitten im Training. Vor einem Jahr so nicht denkbar. Team und Trainer sind jetzt auf einer Wellenlänge.

Der deutsche Fahrplan bis zum WM-Start

Das DHB-Team ist seit Mittwoch im Trainingslager in Hamburg, übernachtet im noblen Hotel Treudelberg (mit 27-Loch-Golfplatz), wo sich schon die Hockey-Nationalmannschaft auf Olympia 2016 vorbereitet hat.

Am Freitag testen Gensheimer & Co. gegen den EM-Sechsten Tschechien in Hannover (16.15 Uhr), am Sonntag in Kiel gegen Argentinien (14 Uhr). Beide Spiele sind mit mehr als 10 000 Zuschauern nahezu ausverkauft. Danach geht es für den 16er Kader zum Durchatmen nach Hause. Am Dienstagmittag ist Treff in Berlin. Um 17 Uhr gibt es ein öffentliches Training im Sportforum Hohenschönhausen vor 2000 Zuschauern.

Am Mittwoch (9. Januar) stehen noch Training und eine Pressekonferenz am Vormittag an. Am Donnerstag ist WM-Start gegen Korea (18.15 Uhr) in der mit 17 000 Zuschauern ausverkauften Mercedes-Benz-Arena in Berlin.

Jens Kürbis

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