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Sportmix „Man muss sich auch mal ankacken“
Sportbuzzer Sportmix „Man muss sich auch mal ankacken“
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15:17 06.09.2019
Julius Thole und Clemens Wickler freuen sich bei den Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften in Timmendorfer Strand. Quelle: Agentur 54°
Timmendorfer Strand/Rom

„Inzwischen“, sagen sie, „kennen uns alle Teams. Da fehlt der Überraschungsmoment“. Vor zwei Monaten sah das noch anders aus. Da kannten den 2.06-Meter-Blocker Thole und seinen Abwehrmann Wickler nur Experten – bis zu jener Beachvolleyball-WM in Hamburg, in der sie die Weltelite schlugen und Vizeweltmeister wurden.

Am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand waren sie die umjubelten neuen deutschen Stars. Auch durch die Ahmann-Hager-Arena schallten bei ihren Spielen die „Thole-Wickler“-Rufe – auch wenn sie nach einem kräftezehrenden Viertelfinale erschöpft als Fünfter aus dem Turnier ausschieden.

Rückzug in Timmendorfer Strand: „Unsere Gesundheit geht vor“

Nach dem finalen Match gegen Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms, das nach dramatischen drei Sätzen vor Tausenden Zuschauern beim Stand von 13:14 im Tiebreak wegen Dunkelheit abgebrochen worden war und auf 7 Uhr morgens am Sonntag verlegt worden war. Ein Novum in Timmendorfer Strand.

Und zu viel für Thole/Wickler nach einer strapaziösen Saison und mit dem Wissen, dass es in Rom auch wieder anstrengend werden würde. „Unsere Gesundheit geht vor“, teilten sie angeschlagen mit. So schrieben sie am Sonntag in Timmendorfer Strand Autogramme – statt Geschichte.

Der Aufbau der Ahmann-Hager-Arena direkt an der Wasserkante ist zwar Routine, aber dennoch eine logistische Herausforderung. Auf den Feldern neben der Seebrücke machen sich die Spieler warm.

Start nach Maß mit zwei Siegen in Rom

In Rom wollten sie noch ein letztes Mal „voll angreifen“. Und das taten sie auch. Nach einem Auftaktsieg gegen die Belgier Dries Koekelkoren/Tom van Walle (21:14, 21:15) schlugen sie nach einem packenden Spiel am Donnerstag die starken Letten Aleksandrs Samoilovs/Samoilovs Smedins mit 2:1 (23:25, 21:15, 15:8) und stehen am Freitagabend im Achtelfinale des letzten großen Turniers auf der Welttour.

Ein Gespräch über das Leben zwischen Turnieren, Training und Reisen um die Welt.

Muss man da eigentlich befreundet sein, wenn man so viel Zeit zusammen verbringt?

Thole: Wir sind mehr als 300 Tage zusammen unterwegs. Wir fliegen zusammen um die Welt, trainieren mindestens einmal am Tag. Wir teilen uns auch alle Hotelzimmer zusammen. Das machen andere Teams auch anders. Aber wir fliegen zusammen, pennen auf einem Zimmer.

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Weil es günstiger ist?

Thole: Auch aus Kostengründen, aber es ist auch angenehm. Wir gucken abends mal Serien zusammen. Der Vorteil bei uns ist: Es dauert sehr lange, bis wir uns auf die Nerven gehen. Das ist schon ein großes Privileg. Aber Clemens ist auch ein ausgeglichener Typ. Da braucht man lange, bis man den aus der Ruhe bekommt.

Und wie ist das auf dem Feld?

Thole: Klar, irgendwann kommt auch der Punkt da ist das Spiel, da ist jetzt ernst. Und da ist man dann auch kein Kumpel mehr. Da muss man sich dann auch Sachen sagen können. Sonst kommst du nicht weiter. Aber ich würde schon sagen, dass Clemens ein Kumpel ist.

Wickler: Wenn man sich außerhalb des Feldes nicht verstehen würde, würde ich das auch mit ins Spiel nehmen. Ich bin da eher harmoniebedürftig. Und das klappt mit Julius echt gut. Wir haben auch außerhalb des Sandes Spaß.

Wie lernt man auf dem Platz, wie der andere tickt?

Wickler: Das geht nur zusammen. Da lernt man auch zusammen mit einer Psychologin, was darf ich dem anderen wie sagen.

Thole: Es gibt keine andere Sportart, in der man zu zweit auf dem Platz steht und die Psychologie so wichtig ist. In anderen Doppeln hat man nicht die Möglichkeit, immer nur den einen anzuspielen, den, bei dem es nicht läuft. Wenn du zum Beispiel das Gefühl hast, du kommst am gegnerischen Block gerade einfach nicht vorbei, da ist eine schwarze Wand vor dir. Dann hilft Clemens mir wieder das Feld zu öffnen, indem er mir spielerische Optionen zeigt. Wie: „Julius, du hast jetzt dreimal diagonal geschlagen, spiele doch mal den Ball an die Linie.“

Wickler: Wenn ich unter Stress gerate verfalle ich in ein Muster, das ich beim Angriff sehr schnell anlaufe und dadurch dann die Übersicht verliere. Da hilft mir Julius mit einem „Lauf langsamer an“. Und schon sehe ich wieder mehr, nehme wieder mehr wahr. Dazu muss man sich emotional einfach runterregulieren zwischen den Ballwechseln. Manchmal ist man da sehr aufgeladen, muss einfach durchatmen. Man muss für den Partner mitdenken. Wie es ihm geht.

Muss man auch mal lauter werden?

Thole: Wir haben teilweise Turniere, wo wir Sachen ausprobieren. Sei es den anderen auch mal anzukacken, situativ. Das besprechen wir dann mit der Psychologin, die auch Laura Ludwig und Kira Walkenhorst betreut hat. Es geht ja darum, dass man nicht in eine Phase kommt, in der man den Kopf verliert, in ein Tief kommt. Da muss man wissen, was kann ich für den Partner machen, was kann ich für mich machen. Den Partner aus diesen Phasen rauszuholen ist teilweise echt schwierig. Das muss man lernen. Und vielleicht ist es dann eine Hilfe, dass man den Partner auch mal ankackt. Aber das ist kein emotionales Ankacken sondern eine von zehn Strategien

Nach so einer langen Saison: Wie ist das Leben als Beachvolleyballer?

Thole: Das ist eben ein Volljob, wie ein Unternehmer, der um die Welt fliegt. Anfangs war es schon krass, an entfernte Orte zu fliegen, dann zu wissen, ich muss hier jetzt performen, früher auch noch Quali spielen mit dem Wissen, wenn ich hier rausfliege, mache ich auch noch finanziell Verluste – und habe eine Woche vertan. Da hatte ich schon Respekt vor, musste mich da auch erst dran gewöhnen. Auch an die Hitze und die Zeitumstellung. Man könnte ja auch denken: Die haben ein Hammer-geiles Leben, fliegen nur rum: Brasilien, China, sehen die schönsten Orte, aber so ist es eben nicht oft.

Wie organisiert ihr euch bei der Planung?

Thole: Wir sind ein bisschen wie eine Reiseorganisation. Wir organisieren alles selber: Flüge, Hotels, Wege von Flughafen zu Hotel oder Plätzen. Wir sind inzwischen Spezialisten im Günstig-Flüge-raussuchen, wissen, auf welchen Seiten wir schauen müssen. In unserer Urlaubsplanung für die Nach-Karrierezeit hat uns das sicher schon weit gebracht. (lacht)

Macht ihr viel mit anderen Teams?

Wickler: Einerseits ist man immer mit den gleichen Leuten unterwegs, knüpft da auch super Freundschaften, andererseits sind das dann auch Gegner. Aber das Miteinander unter den Spielern ist schon gut. Wir sind mit den Norwegern (Europameister Anders Mol und Christian Sorum, Anm, d. Red) befreundet, gleichen Alters, die sind schon echt cool, da macht man auch mal was zusammen.

Thole: Auch innerhalb der Deutschen ist das sehr familiär. Da sind echt viele gute Typen dabei. Ich wohne zum Beispiel mit Yannick Harms zusammen in einer WG in Hamburg. Schon witzig, wenn man dann wie im letzten Jahr das DM-Finale gegeneinander spielt.

Von RND/Manuel Becker

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