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20:18 09.09.2019
Christopher Reinhardt ist auf der Ziellinie kollabiert und muss medizinisch versorgt werden. Quelle: Markus Scholz/dpa
Rendsburg

Er gilt als das härteste Ruderrennen der Welt: der Kanal-Cup über 12,7 Kilometer von Breiholz zur Rendsburger Hochbrücke. Eine Gratwanderung, die die weltbesten Achterrecken Jahr für Jahr zum Saisonende an ihre physischen Grenzen führt. Doch diese Dramatik, diese Besorgnis erregenden Bilder hat es in 19 Jahren noch nicht gegeben. Gut 500 Meter vorm Ziel kollabierte der Holländer Jacob van de Kerkhof. Weltmeister Christopher Reinhardt (Dorsten) aus dem Deutschland-Achter erlitt bereits nach Kilometer acht einen Schwächeanfall, sackte immer wieder nach hinten weg. Noch auf dem Wasser wurden beide Sportler medizinisch behandelt, vom Boot aus direkt ins Krankenhaus gebracht. Dass der deutsche Achter zu siebt den „SH Netz Cup“ gewann, der 14. Sieg insgesamt, es geriet zur Nebensache. Am Abend gab es Entwarnung: Reinhardt meldete sich aus dem Krankenhaus, war beim Abendessen wieder beim Team.

„Das ist das größte Drama“

„Das ist das größte Drama, das ich je beim Kanal-Cup gesehen habe. Wir wissen, dass wir ans Limit gehen müssen und wir wissen auch, dass einige übers Limit hinaus gegangen sind. In dem Moment, als es passierte, habe ich mir nur Gedanken um das Wohlergehen der Sportler gemacht. Das Ergebnis war da zweitrangig“, erklärte Bundestrainer Uwe Bender. Mit besorgter Miene hatte er die Bilder auf der zweiten Streckenhälfte verfolgt. Doch zunächst war alles gut.

Christopher Reinhardt und der Holländer Jacob van de Kerkhof erleiden einen Schwächeanfall. Quelle: Markus Scholz/dpa

„Chris, was ist denn los?“

Der Deutschland-Achter flog mit 20,3 km/h und 36 Ruderschlägen pro Minute voran. Doch dann kamen die Aussetzer. Reinhardt konnte zunächst nur noch mit senkrechtem Blatt und kürzerer Ruderbewegung mitfahren, dann setzte er komplett aus und sackte nach hinten. All das spielte sich im Rücken von Schlagmann Hannes Ocik ab. Der Schweriner hatte nur den fehlenden Rhythmus bemerkt, die Blicke von Steuermann Martin Sauer gesehen. „Und die wurden immer ernster. So habe ich Martin noch nie gesehen.“ Sauer brüllte immer wieder: „Chris, was ist denn los? Was ist los?“ Das deutsche Flaggschiff blieb kurzzeitig stehen, das holländische Boot zog vorbei. Kurze Zeit später rappelte sich Reinhardt noch einmal auf und der Deutschland-Achter zog an den Niederländern vorbei. Denn im Oranje-Achter hatten de Kerkhof die Kräfte verlassen. Der Deutschland-Achter erreichte nach 37:35 Minuten die Ziellinie an der Eisenbahnhochbrücke vor Holland. Nur: In beiden Booten lag ein Mann reglos auf seinem Rollsitz. Den dritten Platz belegte Großbritannien, gefolgt von den USA.

Über das Limit hinausgegangen

„Beide Boote sind weit über das Limit hinausgegangen. Es war schlimm, so hilflos im Ziel zu stehen und das mitansehen zu müssen“, klagte Coach Bender. Für Reinhardt war der Marathon auf dem Nord-Ostsee-Kanal eine Premiere. Ocik sieht in der Unerfahrenheit des 22-Jährigen, mit der auch ein Zweiter-Duo bildet, einen Grund: „Sich die Kräfte ein bisschen einzuteilen, das kann er noch nicht so gut. Er kann entweder Vollgas oder gar nicht. Über 2 000 Meter geht das.“

Bleibt nur die Frage: Warum wurden beide Boote nicht aus dem Rennen genommen, die Sportler sofort versorgt?

Von Jens Kürbis

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