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Rudern Christian von Warburg und Calina Schanze rudern für ihren Olympia-Traum
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20:06 27.03.2019
Christian von Warburg (Lübecker RG) war bei der U23-WM vor zwei Jahren in Plovdiv (Bulgarien) als Ersatzmann mit dabei. Quelle: Detlev Seyb/HFR
Lübeck

Hamburg-Allermöhe am Morgen. Die Sonne blinzelt über die Dove-Elbe. Nebelschwaden schleichen über feuchte Wiesen. Es ist kalt, arschkalt. Christian von Warburg interessiert das nicht. Die Mütze halb im Gesicht taucht der 23-Jährige die Ruderblätter hinter sich ins Wasser, zieht sie gleichmäßig nach vorn. Sein Sitz rollt zurück, das Boot schiebt sich vorwärts. Meter um Meter. Fast lautlos. Und das Tag für Tag. Ein „Vergnügen“, das sich der für die Lübecker RG rudernde Student mit 14 weiteren Mitstreitern teilt. Seit November hat der Verband Deutschlands beste Skuller am Stützpunkt Hamburg/Ratzeburg zusammengeholt, ein Pendant zu den „Riemern“, dem Team Deutschland-Achter, in Dortmund geschaffen. 15 Skuller, 3 Bootsklassen, 7 freie Plätze – für den Olympia-Traum von Tokio 2020.

Sxulls – Filmteam begleitet Skull-Team bis Tokio

Ein Filmteam begleitet die Auserwählten dabei bis Tokio. 26 Episoden, mehr als 100 Clips und Interviews sind dabei im Rahmen des Projekts „Sxulls – Row to Tokyo“ geplant und auf der Website www.sxulls.de zu sehen. Authentisch, persönlich, hautnah. Es wird Höhen und Tiefen geben – und nicht für alle ein Happy End.

Olympia hält das Studium auf

Und von Warburg ist mittendrin. Ob im Kraftraum, auf dem Ergometer, auf der Laufstrecke oder auf dem Wasser – in den täglich bis zu drei Einheiten ist es ein immerwährender Konkurrenzkampf, „aber sehr respektvoll, auch außerhalb“, erzählt er. Jeder, der Athleten schreibt dabei seine ganz eigene Geschichte. Zu Warburgs gehört auch das Studium, das für Allgemeine Ingenieurwissenschaften. Er ist im 2. Fachsemester. Er weiß: Olympia hält das Studium auf, „Vollzeit schafft man nicht. Da ist gutes Zeitmanagement gefragt.“ Er ist noch dabei, das zu finden. Die Uni hilft, die letzten Klausuren hat er im Trainingslager geschrieben.

Auf dem Ergometer eine Maschine: Christian von Warburg gewann der Lübecker U23-WM-Gold. Quelle: Agentur 54°

Test in Ratzeburg, Kleinboot-DM in Köln

Doch jetzt steht der erst Wettkampf in dieser Saison an, die Deutschen Kleinbootmeisterschaften in anderthalb Wochen in Köln. Von Warburg hat im Training eine „gewisse Anspannung“ ausgemacht. „Irgendwer fährt schneller, alle anderen ziehen mit. Es will sich ja keiner langmachen lassen.“ Seit Mittwoch testet das Skull-Team in Ratzeburg. Auf dem Ergometer – Stufentest-Rudern mit immer höherer Wattzahl, Sauerstoff-Maske und Laktatmessung. Am Donnerstag ist auf dem Ergo ein 2000-Meter-Rennen geplant, am Samstag zwei 2000-Meter-Rennen auf dem Küchensee. Von Warburg fühlt sich fit, ist nach dem Stufentest („War bis auf die letzte Stufe okay“) auch gespannt. Er weiß: „Ich bin im Anschlussbereich, nach ganz oben fehlt noch etwas. Aber mich tagtäglich mit den Besten zu messen, ist ein Geschenk.“ Die Chance in Tokio dabei zu sein, sei klein, „aber sie ist da. Und spätestens 2024 sollte es klappen.“ Keine Frage: Von Warburg lebt seinen Olympia-Traum. Auch davon wird „Sxulls“, die Geschichte von Deutschlands besten Skull-Ruderern erzählen . . .

Olympia-Kandidatinen: Calina Schanze (l.) und Tabea Schendekehl. Quelle: hfr

Schanze sorgt beim Vortest in Köln für einen Paukenschlag

Eine ganz besondere Geschichte hat auch Calina Schanze (23) vom Ratzeburger Ruderclub zu erzählen. Denn die 23-Jährige hat jetzt mit einem Paukenschlag ihre Ansprüche auf einen Platz im Olympia-Kader angemeldet. Zusammen mit Tabea Schendekehl vom RC Hansa Dortmund gewann die Lauenburgerin in Köln bei einem Vortest für die Kleinbootmeisterschaften den Zweier ohne Steuerfrau vor Isabelle Hübner/Alyssa Meyer (Potsdam/Tegel) und Ida Kruse/Leonie Heuer (Münster/Ems-Jade-Weser).

„Als beste Riemen-Ruderinnen hat sich Calli beim Deutschen Ruderverband nachdrücklich ins Gespräch gebracht“, kommentierte Marc Swienty, ihr Ex-Trainer aus dem Ratzeburger Ruderinternat, die Vorstellung der „Amerikanerinnen“.

Im Sommer Abschluss an der Uni von Seattle

Der Hintergrund: Schanze/Schendekehl und Kruse/Heuer waren extra für die Leistungsüberprüfung aus den USA nach Deutschland geflogen, sind bereits wieder auf dem Rückweg. Calina Schanze macht im Sommer ihre Abschlussprüfung an der Universität von Seattle. „Unser Ziel ist es, ein bis zwei Boote für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu qualifizieren“, erklärt Disziplintrainer Sven Ueck.

Schanze, die zuletzt 2017 im U23-Vierer WM-Bronze gewann, wäre neben Frieda Hämmerling, die erneut um einen Platz im Doppelvierer kämpft, die zweite ehemalige Ratzeburger Internatlerin, die in Tokio rudern würde.

Jens Kürbis und Christoph Staffen

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