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Segeln Premieren-Meister trotz Handicap – Traum für „halbtrocken“-Crew
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15:22 29.07.2019
Das IDM-Podest der Offshore Double Handed: Knut Freudenberg und Nils Reichert flankiert von Bernd Petrick/Annika Salonen und Andreas und Birthe Grasteit. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Was für eine Premiere: Mit „Uwe, Uwe“-Sprechchören und einem „Bitte geh noch nicht in Rente“, gingen die ersten Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) der ab 2024 neuen olympischen Disziplin Offshore Double Handed zu Ende. Die Huldigungen galten nicht dem neuen Meister, sondern dem Wettfahrtleiter Uwe Wenzel, der mit seiner Crew eine blitzsaubere IDM auf die Bahn gezaubert hatte, am Finaltag sogar mit zwei Mittelstrecken über elf und 17 Seemeilen. Sonst hätte die Regatta nicht als IDM gewertet worden. „Den Kurs habe ich mir nachts um eins im Bett überlegt“, verriet Wenzel und wischte sich ob der Ovationen die Tränen aus dem Gesicht.

Lübecker Quartett auf dem Podium

Huldigungen hatten auch die neuen Champions verdient. Knut Freudenberg (55/Flensburg) und Nils Reichert (37/Hamburg), die sich mit der „Halbtrocken“ in die Geschichtsbücher des DSV eintrugen. „Es ist ein Traum“, freute sich Freudenberg. „Aber es war auch wahnsinnig anstrengend.“ Den Sieg sicherte sich die „Halbtrocken“-Crew vor vier Lübeckern, Bernd Petrick/Annika Salonen mit der „Milou“ und Andreas und Birthe Grasteit auf der „Grace“.

Start der Langstrecke in der Trave. Quelle: Fotografie C.B. / © www.segel-bilder.de

Meister trotz Handicap

Freudenberg und Reichert überraschten auch sich selbst. Einen Platz unter den Top-Drei hatten sie sich aufgrund ihrer Erfahrung und der Performance des Bootes zugetraut. Mehr nicht. Auch, weil „wir eher bei den Paralympics hätten mitmachen können“, grinste Reichert. Freudenberg hatte sich zur Kieler Woche einen Sehnenabriss im rechten Knie zugezogen, war erst vor drei Wochen operiert worden. Der Orthopäde humpelte mit Krücken so auch zum Podest. Und Reichert war vor drei Tagen gestürzt und eine Rippe verletzt. „Daher mussten wir uns die Manöver drei Minuten früher überlegen und sehr vorsichtig agieren. Das hat uns sicherlich etwas behindert“, so Freudenberg, dessen Puls gerade zum Start in die Langstrecke auf 180 war. In der Enge der Trave war spontanes Agieren gefragt – mit zusätzlichem Hindernis, als sich ein Fahrtensegler unter Motor ins Geschehen einmischte. „Eine heiße Nummer – wie in der Formel 1. Aber toll! Wir waren alle vielleicht sogar übermotiviert. Da hätte man auch schon aus der ersten Kurve fliegen können. Aber wir haben ihn auch genossen, den Start vor Publikum.“ Für die Zukunft wünscht er sich aber einen Reservetag, damit man nicht so unter Zeitdruck kommt.

Siilber an Bernd Petrick und Annika Salonen aus Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Zusätzliche Schleife kostet Petrick/Salonen den Titel

Auch Bernd Petrick (49), Architekt aus Lübeck, und seine aus Finnland stammende Frau Annika (51) haben die IDM-Premiere genossen. „Es ist unsere erste Regatta Doublehand. Wir wollten nur nicht Letzte werden und jetzt ist es Silber. Das ist völlig unerwartet“, gestand Annika Salonen. Aber auch, dass es mit einer Langstrecke und drei Mittelstrecken in 72 Stunden „wahnsinnig anstrengend“ war. Kleiner Wermutstropfen: Auf der Langstrecke hatten sie eine Bahnmarke verpasst, mussten zurück segeln. „Das hat ihnen eine halbe Stunde und den Sieg gekostet“, ist sich Wettfahrtleiter Wenzel sicher. Größere Ambitionen hegen die Lübecker jetzt nicht. „Es wird sicher ein zweites Mal geben.“ Die nächste Regatta geht Petrick aber als Solist an in Dänemark.

Finale im Ostsee-Cup

Mit einem weiteren Mittelstrecken-Rennen schlossen auch die Yachten des Ostsee-Cups ihre Travemünder Woche ab. Gesegelt wurde nach Yardstick und ORC. In der ORC I+II siegte Christian Rönsch (Kiel) auf der „Piranha“, die Gruppe der ORC III brachten Jürgen Klinghardt/Henning Tebbe (Hamburg) mit einem Sieg seiner „Patent 4“ zum Abschluss erfolgreich ins Ziel. Die Yardstick-Klasse I konnte Lutz Pouplier mit der „Tsunami“ (Lübeck) für sich entscheiden, während in der Yardstick III das Folkeboot von Heino Haase (Lübeck) top war.

Gerührter Wettfahrtleiter Uwe Wenzel. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Wenzel: „Travemünde ist im Offshore momentan die Nummer eins“

Und so fällt das Wettfahrtleiter-Fazit aus: „Das Double-Hand-Format hat Zukunft, auch in Deutschland.“ Wenzel war vom Offshore-Segeln in Travemünde mit der IDM der Seesegler, der Double-Hand-IDM und den guten Meldezahlen für Lang- und Mittelstrecke (45 Boote) begeistert. „Auch wenn einige Herrschaften es im RVS Seesegeln uns nicht zugetraut haben, die Zahlen und das tolle Feedback der Segler zeigt uns: Wir müssen uns nicht hinter Kiel verstecken.“ Wenzel, der in Bremen zu Hause ist, legt sogar noch einmal nach: „Travemünde ist im Offshore momentan die Nummer eins in Deutschland.“

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