Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Tennis Bianca Andreescu ganz oben – und alles begann in Wahlstedt
Sportbuzzer Sportmix Tennis Bianca Andreescu ganz oben – und alles begann in Wahlstedt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 10.09.2019
Bianca Andreescu steht nach ihrem US-Open-Sieg im Mittelpunkt und ist ganz oben angekommen. Ihren ersten Sieg feierte sie aber in Wahlstedt. Quelle: imago
New York/Lübeck

In New York brach es bei Bianca Andreescu heraus. Von ihren Gefühlen übermannt, rollten bei der Kanadierin zwei Stunden nach ihrem Grand-Slam-Coup die Tränen. „Ich habe von diesem Moment die längste Zeit geträumt“, schluchzte die 19-Jährige nach ihrem 6:3, 7:5-Erfolg im US-Open-Finale über die 37 Jahre alte Serena Williams. Und in Travemünde holte Jörg Sommerwerck sein Album heraus. Der Vater von Tennis-Talent Friedrich Sommerwerck (19), der nach seinem Abitur jetzt die ITF-Profitour spielen will, erinnerte sich an die kleine Bianca, die Kanadierin, die Tochter rumänischer Einwanderer, die im Alter von sieben Jahren mit dem Tennis begann.

Andreescu gewinnt mit 12 Jahren in Wahlstedt

„Das war 2012 beim Tennis-Europe-Turnier in Wahlstedt. Das ist das erste internationale Turnier für Unter-Zwölfährige. Und das hat Bianca gewonnen, bei den Jungs stand Friedrich im übrigen auch im Finale“, erzählt Papa Sommerwerck und zeigt auf ein Foto. In besonderer Erinnerung sei ihm das Mädchen aber deshalb geblieben, „weil sie so ruhig und abgeklärt war. Das war schon beeindruckend. Denn die anderen Kinder waren alle nervös, aufgeregt. Und: Sie ist schon damals für Kanada gestartet.“ Seitdem habe er ihren Weg, ihren Aufstieg im Tennis-Zirkus verfolgt. Alles begann in Wahlstedt . . .

Verschwommene Erinnerung: Bianca Andreescu (l.), Friedrich Sommerwerck (r.) 2012 in Wahlstedt. Quelle: Sommerwerck/HFR

Nervenstark, cool und extrem selbstbewusst

Und die vorläufige Krönung in New York, wo Andreescu den Williams-Traum vom 24. Grand-Slam-Titel zerstörte. Für Andreescu war es der Premierentitel auf der großen Bühne. Doch viele weitere werden folgen, da sind sich alle Experten einig. Es war beeindruckend, wie nervenstark, cool und extrem selbstbewusst sie in ihrem ersten großen Endspiel auftrat. Die 23 771 Zuschauer im Arthur Ashe Stadium machten einen Lärm, „dass ich phasenweise mein eigenes Wort nicht verstanden habe“, wie Andreescu anmerkte. Die Amerikaner wollten Williams mit aller Macht zum 24. Titel treiben, hinter den Kulissen war alles für die große Show nach dem Endspiel vorbereitet. Doch am Ende fiel das Lametta auf Andreescu herab. Seit klein auf habe sie sich immer wieder ausgemalt, wie es sein würde, in einem Grand-Slam-Finale gegen Williams zu spielen und zu gewinnen. „Dass es jetzt wahr geworden ist, ist verrückt.“

Vorbild Halep spielte auch in Wahlstedt

Die Senkrechtstarterin ist nun die erste Kanadierin, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Für Kanada war es der zweite große Sporterfolg nach dem NBA-Triumph der Basketballer der Toronto Raptors, der in den Netzwerken unter dem Hashtag #WeTheNorth, übersetzt: „Wir sind der Norden“, gefeiert wurde. Angesichts des ersten kanadischen Grand-Slam-Champions, erfand Kanadas Twitter-Landschaft kurzerhand den Ausdruck neu. „Sie ist der Norden“. Ihr großes Vorbild, sagt Andreescu, sei übrigens Wimbledon-Siegerin Simona Halep. Auch hier gibt es witzigerweise eine Verbindung nach Wahlstedt. Halep spielte 2011 für den dortigen Klub Rot-Weiß in der Bundesliga.

Von Jens Kürbis