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Überregionale Leichtathletik Zehnkampfkönig Kaul – seine Königin kommt aus Lübeck
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21:10 07.10.2019
Mareike Rösing und Niklas Kaul 2018 im „Club der Besten“ der Deutschen Sporthilfe. Quelle: Privat/HFR,
Lübeck/Mainz

Uni, sehr viel Sport, Familie, Freunde – Niklas Kaul hatte ein ziemlich geregeltes Leben bis zu jener Nacht auf den 3. Oktober, als er plötzlich zum Weltstar wurde. Bei der Leichtathletik-WM in Doha hatte er das Feld von hinten aufgerollt und sich in den letzten beiden Disziplinen, im Speerwerfen und im abschließenden 1500-m-Rennen mit seinen 21-Jahren zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten gemacht. Fast fünf Millionen Landsleute waren via ARD live dabei – und anschließend wollte ganz Deutschland möglichst alles über seinen neuen Helden wissen. Die per Google aber am häufigsten eingegebene Frage wurde nur ansatzweise beantwortet. Sie lautete: „Hat Niklas Kaul eine Freundin?“

Bei der U20-WM haben sie sich kennengelernt

Die Antwort lautet. Ja. Natürlich. Und die „Königin“ des neuen „Königs der Athleten“ kommt aus Lübeck. Mareike Rösing, Mehrkämpferin wie Niklas selbst, ist mit dem wohl zur Zeit begehrtesten Twen Deutschlands fest liiert. „Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im polnischen Bydgoszcz 2016 haben wir uns kennengelernt“, verrät die 19-Jährige den Lübecker Nachrichten. Kaul wurde U20-Weltmeister, Rösing, die damals noch für TuS Lübeck startete, war das Küken im deutschen Siebenkampfteam. „Danach hat sich das dann langsam entwickelt“, sagt sie.

Niklas Kaul feiert seine Goldmedaille im Zehnkampf in Doha. Mit 8691 Punkten übertraf er locker die Olympianorm für Tokio 2020. Quelle: imago images/Xinhua

Nach dem Abitur 2018 kam man näher zueinander. Rösing wechselte zu Hannover 96, nahm in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein Jura-Studium auf. Aber irgendwie passt es noch immer nicht – und das Paar fasste einen Entschluss. Mareike bewarb sich bei der Polizei in Rheinland-Pfalz, brach die Brücken in Hannover ab. Niklas, Lehramtsstudent in Mainz (Physik und Sport), zog bei seinen Elter – die ihn beim USC Mainz auch trainieren – in Saulheim aus. Gemeinsam suchte und fand man eine kleine Wohnung in Mainz. „Dort wohnen wir jetzt seit einem Monat zusammen, haben kurze Wege zum Training und zum Studium“, freut sich Rösing.

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Deshalb ist Niklas Kaul ein Mega-Talent

Rösing wechselt von Jura zur Polizeiausbildung

Denn auch sie gehört jetzt der USC-Mehrkampfgruppe unter der Führung der erfahrenen Kauls an, wird ab 1. Januar für den USC startberechtigt sein. Und sie wechselte vom Jura-Studium zur Polizeiausbildung, strebt den Bachelor an, ist Mitglied der Sportfördergruppe. Da dauert das Studium zwar etwas länger (4,5 Jahre), aber sie ist finanziell abgesichert und „ich bekomme für alle Sportmaßnahmen frei.“ Auch ihr Freund wird sein Studium „natürlich“ fortsetzen, zumal er eine gewisse „genetische“ Verpflichtung hat: nicht nur beide Elternteile sind Lehrer, sondern auch die in der Nähe lebenden Großeltern waren im Schuldienst tätig.

Manager und PR-Agentur unerwünscht

Wird ihr Freund denn wirklich sein Leben so fortsetzen können wie bisher – bei all dem Hype um seine Person? „Ja, das ist so geplant“, sagt Rösing. „Natürlich wird er mehr Pressetermine haben, aber das organisieren wir – auch ohne professionelle Manager oder PR-Agenturen. Darüber haben wir schon gesprochen.“ Viel Zeit war dafür allerdings nicht. Am Samstag nach der Doha-Rückkehr stand der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Mainz auf dem Programm, am Abend war Niklas Gast im „Aktuellen Sportstudio“. Mareike hat ihn im Auto ins Studio auf den Mainzer Lerchenberg gebracht, blieb dort im Hintergrund, fand: „Er kam sehr sympathisch rüber“. Und dass er nicht auf die berühmte Torwand geschossen hat, kann sie auch erklären: „Nach den 1500 m in Doha hat er die Schuhe ausgezogen, ist barfuß die Ehrenrunde und dann in den Katakomben gelaufen. Das hat seine Fußsohlen mitgenommen, er hatte Blasen, konnte gegen keinen Ball treten.“

Fokus auf Olympia 2020

Dann war Ausschlafen angesagt. Mareike: „Bis 13 Uhr haben wir alle Termine geblockt.“ Gestern ging das Programm weiter: Niklas, der noch bis zum 14. Oktober Semesterferien hat, fuhr für ein paar Tage nach Köln, seinen besten Freund besuchen, PR-Termine wahrnehmen – Mareike muss studieren. Und dann dürfte auch schon Olympia 2020 langsam geplant werden, die Norm dafür hat Niklas deutlich erfüllt. Dann möchte auch Mareike dabei sein, ihn unterstützen. Denn selbst wird sie kaum an den Spielen teilnehmen. Zur Zeit quält sie sich mit einer Rückenverletzung herum – zugezogen ausgerechnet beim Speerwerfen, der Paradedisziplin unseres Zehnkampfkönigs.

Von Jürgen Rönnau