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Sportmix VfB macht Schule: Lübecks Lohmühle als Lernort
Sportbuzzer Sportmix VfB macht Schule: Lübecks Lohmühle als Lernort
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18:48 10.12.2019
VfB-Vorstand Florian Möller mit den Cesar-Klein-Schülern aus Ratekau während der Stadionführung auf der Haupttribüne. Quelle: Agentur 54°/John Garve
Lübeck

Auf dem Flipchart neben dem großen VfB-Logo ist ein Fußball-Feld skizziert, darauf kleben kleine Karten. „An die Regeln halten“, steht auf der einen, „keine Alleingänge“ auf einer anderen, „Fair sein miteinander“ wird darauf gefordert oder auch „gegenseitig motivieren“. Doch es sind keine Jugendkicker des VfB Lübeck, die sich im Pressekonferenzraum der Lohmühle mit den Werten in ihrem Team beschäftigen. Es sind die Schüler der 6 b aus der Cesar Klein Schule in Ratekau. Sie haben für drei Tage das Klassenzimmer getauscht mit dem „Lernort Stadion“.

Die Coaches Felix Koblenzer (l.) und Marius Künzel haben mit den Schülern Verhaltensweisen vereinbart. Quelle: Agentur 54°/John Garve

Eingeladen vom Fanprojekt Lübeck und dem VfB, geht es nicht um sportliche Ziele oder taktische Finessen, stattdessen stehen Begriffe wie „Fairplay“ und „Respekt“ im Zentrum, es geht um „Mobbing“, „Diskriminierung“ und „Inklusion“, die Stärkung sozialer Kompetenzen und demokratischer Werte – letztlich also um politische Bildung. „Das soziale Miteinander ist immer wieder ein Thema unserer Arbeit an der Schule“, sagt Schulsozialarbeiterin Claudia Poppe, die dem lebendigen Treiben ihrer 22 Schüler im Stuhlkreis ebenso aus der zweiten Reihe zusieht wie die Lehrer Steffen Mascher und Christin Tiedemann, die schnell feststellen: „Dieser Ort hier ist etwas Besonderes und sorgt für eine große Motivation bei den Schülern.“

„ Präventionsprojekt für die Fanszene“

Genau das ist die Idee hinter der Initiative „Lernort Stadion“, die inzwischen als eingetragener Verein wirkt und die nun auch Marion Kowal und Christian Hauschild als hauptamtliche Mitarbeiter des Fanprojekt Lübeck gemeinsam mit dem VfB in der Hansestadt etablieren wollen. Zwar erreiche man die heute Über-20-Jährigen in der Fankurve damit nicht mehr, so Kowal, „aber wir sehen das als Präventionsprojekt für die Fanszene“. Und ein paar neue, von der Lohmühle begeisterte Anhänger.

VfB-Vorstand Möller zeigt den Schülern der Klasse 6b den Ausblick von den Logen der Haupttribüne aufs Spielfeld. Quelle: Agentur 54°

„Fußballvereine haben eine krasse Anziehungskraft, deutlich mehr als Mathe und Deutsch“, wissen auch Marius Künzel und Felix Koblenzer aus eigener Erfahrung. Sie sind an den Stadion-Lernorten in Mönchengladbach, Dortmund und Schalke beschäftigt und für den Start in Lübeck extra in den hohen Norden gekommen. „In diesem Umfeld ist es deutlich einfacher, die so genannten Soft Skills, also die persönlichen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zu schulen.“

DFL hilft bei der Finanzierung – aber nur den Profiklubs

20 fest installierte Lernorte gibt es bereits bundesweit, an denen regelmäßig 80 000 Kinder erreicht werden. Eine große Hilfe bei der Finanzierung ist vielerorts die DFL-Stiftung. Das Problem für die Lübecker Ambitionen: Als Vereinigung der 36 Profiklubs beteiligt sich die DFL nur bei den Vereinen der 1. und 2. Liga am „Lernort Stadion“. Dennoch gibt es bereits Dritt- und Viertligisten, die (nach einjähriger Probezeit) in den Verein aufgenommen wurden. „Sie müssen sich allerdings eine alternative Finanzierung ohne die Zuschüsse der DFL zusammenbasteln“, weiß Coach Künzel.

Junge Menschen für politische Bildung erreichen

Initiatordes „Lernort Stadion“ ist der Berliner Birger Schmidt, gebürtig aus Puttgarden, der im Mai dieses Jahres das Bundesverdienstkreuz erhielt für sein Engagement, Fußball und politische Bildung zu vereinen. 20 fest installierte Lernorte gibt es bereits bundesweit, an denen 80 000 Kinder erreicht werden.

Das Angebotin der Hansestadt richtet sich grundsätzlich an alle Schulen aus Lübeck und dem Umkreis, „wobei wir überwiegend junge Menschen aus gesellschaftlichen Kontexten ansprechen möchten, die von klassischen Formaten politischer Bildung oft nicht erreicht werden“, ergänzt VfB-Vorstand Florian Möller.

Wenn die Finanzierung steht, wird das Angebot öffentlich beworben, schon jetzt besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme über www.fanprojekt-luebeck.de

Jede Woche ein Modul ist das Ziel beim VfB

Ein Herausforderung, vor der auch das Fanprojekt Lübeck steht. Das jetzige Pilot-Modul haben die Gemeinde Ratekau, der Kreis Ostholstein und der VfB Lübeck finanziert, der auch künftig seine Räumlichkeiten am „Lernort Stadion“ zur Verfügung stellen wird. „Wir sind heiß auf das Projekt“, betont Kowal, und Fan-Projekt-Kollege Hauschild konkretisiert die Pläne fürs kommende Jahr: „Wir wollen klein anfangen, mit zehn Modulen über je drei Tage. Das Ziel ist es dann, jede Woche ein Modul anzubieten.“ Doch dafür braucht es Geld.

VfB-Vorstand Möller zeigt den fußballbegeisterten Jungs der Klasse die historischen Aufnahmen der Lohmühle im vereinseigenen VfB-Museum in den Räumen der Haupttribüne. Quelle: Agentur 54°

Von Christian Schlichting

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