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VfL Lübeck-Schwartau 21:18 – „Das hat unfassbar viel Spaß gemacht“
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau 21:18 – „Das hat unfassbar viel Spaß gemacht“
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23:15 07.12.2018
So jubeln Derbysieger. Jan Schult, der von 2004 bis 2009 beim HSV gespielt hat, schreit seine Freude heraus. Quelle: Agentur 54°
Hamburg

Noch 58 Sekunden. Thees Glabisch versenkt seinen Siebenmeter zum 20:17 im HSV-Netz, dreht mit einem Urschrei jubelnd ab. Auf Schwartaus Bank gibt es kein Halten mehr, Fäuste werden geballt, gejohlt, geschrien. Auf der Tribüne liegen sich Fans in den Armen. Es ist vollbracht. Schwartaus Handballer bezwingen den HSV Hamburg im brisanten Zweitliga-Derby 21:18 (10:9) – der zweite Auswärtssieg, ein Erfolg des Willens. Schwartau-Party in Hamburg – im ersten Spiel in der „Alsterdorfer“ 17 Jahre nach dem DHB-Pokalsieg.

„Endlich ist der Knoten auswärts geplatzt, dann noch im Derby geil. Das hat unfassbar viel Spaß gemacht“, freute sich Jan Schult. Und Markus Hansen war einfach nur erleichtert: „Das war viel Kampf, wenig Handball-Attraktion. Scheißegal, Hauptsache gewonnen und dann noch die Derby-Premiere.“

Der Matchwinner mit 18 Paraden: Keeper Dennis Klockmann. Quelle: Agentur 54°

3570 Zuschauer – die Sporthalle Hamburg ausverkauft. Prächtige Stimmung (mit gut 500 VfL-Fans). Es war angerichtet für ein tolles Nordderby, das Premieren-Punktspiel zwischen den Nachbarn. Doch das beflügelte zunächst nur den HSV. Der VfL – gehemmt, übernervös. „Die Jungs waren beeindruckt von der Kulisse, der Halle“, fand Trainer Torge Greve. In Zahlen: 0:3 (4.). Die Abwehr – passiv, lethargisch, ohne Zugriff. Der VfL wirkte eingeschüchtert. Nach sieben Minuten setzte Greve das erste Stoppsignal: Auszeit zum Abkühlen.

Abspielfehler, weggeworfene Bälle, vergebene Chancen

Es half. Tolle Szene: das Runarsson-Anspiel an den Kreis auf Steffen Köhler. Der hatte von den Schwartauern die kürzeste Anreise, kam von der Arbeit in der Finanzbehörde Hamburg, wo er als IT-Trainee jobbt. Nach neun Minuten war auch Keeper Dennis Klockmann im Spiel. Genda sorgte für den ersten Ausgleich (4:4/10.). Doch die Partie fiel danach in ein Loch. Simple Abspielfehler, weggeworfene Bälle, vergebene Chancen – auf beiden Seiten.

Ein Derby mit viel Kampf: Antonio Metzner in der HSV-Zange. Quelle: Agentur 54°

Der HSV erholte sich indes schneller vom Tief (9:6/24.). Der Rückstand – ein „Hallo wach“ für Schwartau. Plötzlich wurde über Außen (Kretschmer, Glabisch) gespielt, packten Waschul & Co. besser zu. Und Klockmann setzte die „Big Points“, die wichtigen Paraden. Greve: „Wir haben uns ins Spiel reingearbeitet.“ Mit vier Treffern in Folge drehte Schwartau das Spiel. Zur Dramaturgie passt, dass ausgerechnet Jan Schult („Für mich war viel Nostalgie dabei“), der Hamburger Jung, der bis 2009 fünf Jahre das HSV-Trikot getragen hatte, für die erste Schwartauer Führung sorgte. Und das 27 Sekunden vor der Pausensirene zum 10:9. „Das war wichtig für den Kopf“, fand Antonio Metzner (6 Treffer).

Fynn Ranke trifft. Quelle: Agentur 54°

Und der VfL behielt in der weiterhin kampfbetonten Partie die Oberhand. Käptn Martin Waschul sorgte mit seinem Treffer ins verwaiste HSV-Tor für das erste Zwei-Tore-Plus (14:12/42.). Der VfL spielte sich jetzt frei – mit der Wand Klockmann. Und vorn legten Schult, Ranke & Co. nach – der VfL führte 17:13 (48.). Die Entscheidung? Denkste! Der HSV, jetzt mit 2007er Weltmeister Schröder auf Rechtsaußen (37), robbte sich ran. Als Hamburgs Rix zum 17:17 traf (54.), war die Halle wieder da. „Das ging mir zu schnell“, monierte Greve und lobte zugleich, „Kompliment an die Jungs, dass sie ihren Stiefel runtergespielt haben, nicht umgekippt sind.“ Metzner und Waschul legten zum 19:17 (56.) nach. Und immer wieder setzte Klockmann den HSV-Stopp. Insgesamt 18 Klasse-Paraden. „Schwartau hat das Torhüterduell eindeutig für sich verbucht“, anerkannte HSV-Coach „Toto“ Jansen. Metzner fand es derweil „einfach nur großartig“. Und Spielmacher Hansen brachte es auf den Punkt: „Unsere Abwehr und Super-Klocki haben das Spiel gewonnen.“

Die Statistik zum Spiel

HSV Hamburg: Edvardsson (1. – 60./10 Paraden), Kokoszka – Schröder 1, Lackovic, Tissier, Weller 3, Ossenkopp 4/2, Fuchs 2, Forstbauer, Rix 1, Wullenweber 3, Bergemann 1, Kleineidamm 1, Vogt 1, Herbst 2.

VfL Lübeck-Schwartau: Klockmann (1. – 60./18/1 Paraden), Mallwitz – Glabisch 4/2, Cordes, Genda 2, Ranke 1, Waschul 2, Schult 3, Köhler 2, Schrader, Kretschmer 1, Runarsson, Bruhn, Metzner 6.

Siebenmeter: 3/2 – 2/2.

Zeitstrafen: 4 – 4.

Zuschauer: 3570 in der Sporthalle Hamburg (ausverkauft)

Spielfilm: 3:0 (4.), 4:2 (7.), 4:4 (10.), 6:4 (19.), 9:6 (24.), 9:10 (HZ) – 11:11 (34.), 13:17 (48.), 16:17 (53.), 17:19 (56.), 18:21 (Ende).

Jens Kürbis

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