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VfL Lübeck-Schwartau Besuch einer Handball-Legende
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Besuch einer Handball-Legende
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21:24 31.08.2019
Jo Deckarm erkundet Lübeck. Mit Stadtführer Fynn Gonschor ging’s von der MuK zum Holstentor, danach weiter über die Obertrave in die Altstadt. Quelle: Foto: 54°
Lübeck

Als Jo Deckarm nach seiner Ankunft in Lübeck gefragt wurde, wer denn wohl das Spiel gewinnen werde, für das er extra aus Gummersbach angereist war, bereitete ihm seine Antwort sichtlich Freude: „Der VfL“, ließ er wissen und grinste schelmisch. Wohlwissend, dass der VfL Lübeck-Schwartau gegen den VfL Gummersbach spielen würde und er sich so um eine klare Antwort gedrückt hatte.

Gonschor-Spiel ausgerechnet gegen Deckarms Gummersbacher

Torjubel gegen den Ex-Klub: Fynn Gonschor traf vier Mal gegen Gummersbach Quelle: Agentur 54°

Der gastgebende VfL hatte die Gummersbacher Handball-Legende nach Lübeck eingeladen, zum ersten Spiel der Saison in der Hansehalle. Nicht zuletzt, damit er Fynn Gonschor spielen sehen konnte, der ihn in Gummersbach als FSJler betreut hatte. Dass es ausgerechnet gegen „seinen“ VfL, den aus Gummersbach, gehen würde, für den er Zeit seines Sportlerlebens gespielt hatte, bis ihn im März 1979 beim Europacup-Spiel im ungarischen Tatabanya ein Sturz auf den Hallenboden jäh stoppte, war da noch gar nicht klar. „Aber er hat sich natürlich umso mehr auf das Spiel gefreut“, weiß sein ein Jahr älterer Bruder Herbert, der ihn auch in den hohen Norden begleitet hat, mit ihm das Spiel besuchte und gemeinsam mit Ex-FSJler Gonschor auch beim Sightseeing in Lübeck dabei war.

Gonschor mit Bedingungen in Gummersbach unzufrieden

„Der Fynn ist eben ein besonders netter Kerl“, begründet Jo Deckarm die Anstrengungen, die er unternommen hatte, um Gonschor live spielen zu sehen. Als der 19-Jährige ihm eröffnet hatte, dass er Gummersbach verlassen würde, fand Deckarm das „schön für Fynn, aber nicht so schön, wie’s abgelaufen ist. Ich war stinkig, auch, weil ich Fynn gern noch wie geplant bis September bei mir gehabt hätte.“ Gonschor tätschelt Deckarm tröstend das Knie (man denkt unwillkürlich an eine Opa-Enkel-Beziehung) und ergänzt: „Wir waren beide traurig. Aber zu den Bedingungen, die mir angeboten worden waren, konnte ich nicht bleiben.“

Vor dem Spiel des VfL gegen den VfL bekam Jo Deckarm bekommt von VfL-Geschaeftsführer Michael Friedrichs ein Trikot von Fynn Gonschor mit dessen Rückkennummer 7. Quelle: 54°/Felix König

Wie Seeler: Deckarm sieht Chance für Neubeginn

Traurig war Deckarm auch, als sein VfL im Sommer erstmals aus der Bundesliga abgestiegen war. Wie Fußball-Legende Uwe Seeler beim Abstieg seines HSV, sieht auch Handball-Legende Jo Deckarm nun die Chance für einen sinnvollen Neubeginn. „Alle haben jetzt gesehen, dass sich was ändern muss. Es gibt Gründe für den Abstieg“, sagt er. Dass Torge Greve zu spät geholt wurde, sieht Deckarm genauso wie Gonschor: „Hätte er die vier Wochen in der Wintervorbereitung gehabt, wäre Gummersbach nicht abgestiegen.“ Das zu spät reagiert wurde im Verein, so Deckarm, würden auch seine alten Handball-Kumpels um Ex-Bundestrainer Heiner Brand so sehen, mit denen er sich regelmäßig trifft und hin und wieder Schach spielt.

Ehrgeiz zeichnet Deckarm noch immer aus

Nach dem Spiel: Jo Deckarm im Foyer der Hansehalle mit Fynn Gonschor und dessen Trikot. Quelle: C. Schlichting

Mit Gonschor hat er während der gemeinsamen Zeit in Gummersbach hingegen lieber gewürfelt. Wer das feinere Händchen der beiden Handballer hatte? „Die Tagesform war entscheidend“, erzählt Gonschor und Herbert Deckarm ergänzt: „Der Jo lacht sich immer kaputt, wenn einer ’nen Nullwurf hinlegt.“ Ehrgeiz hat „Jo“ nicht nur beim Würfeln, auch mit 65 und 40 Jahre nach seinem Unfall will er sich noch verbessern. „Der Drang ist noch immer in mir“, betont er. Schwimmen geht er nicht mehr. Doch seit zwei Wochen hat er ein neues Lieblingstrainingsgerät: „das Gehband“. Weil er noch nicht drauf laufen könne, nenne er es eben Gehband, erklärt Bruder Herbert.

„Noch einmal spazierengehen“

Dreimal pro Woche trainiert er darauf – und hat ein neues Ziel: „Ich will noch ’mal spazieren gehen. Vielleicht im nächsten Sommer, durch die Innenstadt von Gummersbach.“ Vielleicht, wenn man dort den Wiederaufstieg „seines“ VfL feiert. Die Hoffnung bleibt. Auch wenn sein Wunsch in der Hansehalle nicht in Erfüllung ging: „Ich würde mich freuen, wenn der Fynn sieben Tore wirft und Gummersbach dennoch einen Treffer mehr erzielt“, hatte er sich doch noch festgelegt. Dass es anders kam – Jo Deckarm nahm’s sportlich.

Jo Deckarm während des Spiels auf der Tribüne in der Hansehalle mit seinem Bruder Herbert, der ihn auch während der Tage in Lübeck begleitete. Quelle: 54° / Felix König

Von Christian Schlichting

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