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VfL Lübeck-Schwartau VfL Lübeck-Schwartau holt Serben-Torjäger Potic aus Zagreb
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18:51 16.05.2019
Daumen hoch für Neuzugang Nikola Potic (m.): Neu-Trainer Piotr Przybecki und VfL-Geschäftsführer Michael Friedrichs. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Kräftiger Händedruck, tiefer Blick in die Augen: „Hallo, ich bin Nikola, der Neue!“ Die Zweitliga-Handballer des VfL Lübeck-Schwartau haben für die neue Saison ihre Baustelle im rechten Rückraum geschlossen: Nikola Potic, 25, serbischer Nationalspieler vom kroatischen Meister RK Zagreb.

„ Ich bin sehr zufrieden mit der Verpflichtung“, sagt VfL-Manager Michael Friedrichs – und die Erleichterung ist deutlich herauszuhören. Denn mit Toptorjäger Antonio Metzner (zum Erstligisten Erlangen) und Toni Podpolinski (Karriere-Ende) verlassen beide Halbrechte den Verein. „Wir haben die letzten Monate extrem rotiert“, erklärt Friedrichs, denn das Anforderungsprofil, sportlich top, aber wirtschaftlich in den Rahmen passend, erschwerte die Suche ungemein.

VfL kontaktierte mehr als 40 Spieler

Friedrichs: „Wir haben mehr als 40 Spieler kontaktiert.“ Und viele Körbe kassiert. Dabei auch bittere. Viggo Kristjansson von West Wien wollte zum Probetraining kommen, die Flugtickets waren bezahlt, alles arrangiert. Wer nicht kam, war der Isländer. Er unterschrieb stattdessen beim Erstligisten Leipzig. Auch mit Christoph Reißky von den Füchsen Berlin war (fast) alles geregelt. Doch der 23-Jährige entschied sich für das finanzkräftigere Minden.

Machte sich in der spanischen Liga als Shooter einen Namen: Nikola Potic. Quelle: Potic-Instagram

Potic spielte Kontrabass in einem Orchester

Piotr Przybecki, neuer VfL-Trainer ab dem 1. Juli, hatte schließlich Potic auf dem Wunschzettel: „Ich habe ihn früher schon verfolgt. Er ist als Shooter bekannt, doch er hat auch spielerische Qualitäten.“ Und so habe er bei Potic angefragt, ob für ihn die 2. Liga, das Projekt Lübeck mit dem Ziel Aufstieg, denkbar wäre. Denn Potics Vita liest sich eher erstligaambitioniert. In Belgrad geboren, entdeckte er mit zehn in der Schule den Handball. Mit 15 unterschrieb der Linkshänder bereits seinen ersten Vertrag bei Partizan Belgrad. „Zu dem Zeitpunkt war auch Musik ein Thema“, erzählt der Zweimetermann, „ich habe Kontrabass in einem Orchester gespielt, auch E-Piano, später Gitarre. Ich musste mich entscheiden, Musik oder Handball.“ Die Wahl ist bekannt.

Champions League in Flensburg, Kiel und Hamburg

Potic galt mit 15 als Super-Talent. Mit den serbischen Nachwuchsnationalteams war er vier Jahre bei WM und EM, 2011 Dritter der Olympischen Jugendspiele. Bei Partizan hat er mit 17 bereits Champions League gespielt. „Kiel, Flensburg, Hamburg – ich kenne die Hallen“, erzählt er. Vor fünf Jahren zog es ihn ins Ausland – nach Slowenien zu MRK Nove Mesto, danach in die spanische Liga Asobal, ehe er im Mai des Vorjahres einen Dreijahresvertrag in Zagreb unterschrieb.

Achillessehnenriss im ersten Länderspiel

Und dann kam mit der Berufung ins Nationalteam der Knick. „Ich habe mir in meinem ersten Länderspiel im Juni 2018 die linke Achillessehne gerissen“, erzählt Potic. Die WM in Deutschland fand so ohne ihn statt. In Zagreb kam er auch nie wirklich in Tritt, blieb nach seiner Genesung unter einem neuen Trainer nur die Nummer drei. „Deshalb wollte ich weg, und da hat Piotr angerufen. Er ist der Hauptgrund, dass ich komme“, bekennt Potic.

August 2013: Nikola Potic (2.v.l.) mit Serbiens Nationalmannschaft bei der U19-WM in Ungarn. Quelle: imago

Potic: „Bundesliga ist NBA des Handballs“

Die 2. Liga empfindet er nicht als Abstieg. „Die Bundesliga ist die NBA des Handballs – und Lübeck ist wunderschön. Ich habe darüber viel gelesen.“ In einem 48-Stunden-Intermezzo mittlerweile auch gesehen. Für die Potic-Verpflichtung ist Przybecki sogar extra aus Polen angereist, war beim Medizincheck dabei. Als das Okay von Teamarzt Dr. Arndt Müller kam, war auch der Coach erleichtert: „Nikola kann uns sehr helfen. Er muss nur wieder zu alter Stärke finden.“ Ein weiterer neuer Rückraumrechter komme nicht, stellt Friedrichs klar. Der VfL setze da auf die Eigengewächse aus dem derzeitigen Team, Jasper Bruhn und Janik Schrader. Potic selbst sieht sich als „Shooter mit Auge für den Nebenmann“. Zu sehen in diversen Youtube-Videos.

Zu sehen ist es auch in einem „Inside the game“-Porträt von EHF-TV, der Plattform des europäischen Verbandes, aus der Saison 2012/2013.

Unterschrieben hat der Serbe, der ein Management-Studium in der Tasche hat, beim VfL für ein Jahr. „Danach sehen wir weiter. Ich bin aber nicht gekommen, um sofort wieder zu gehen“, stellt er klar. „Ich spiele in Zagreb die Saison jetzt zu Ende und lerne Deutsch.“ Denn noch ist seine „Amtssprache“ mit Friedrichs & Co. Englisch.

Hintergrund

Nikola Potic hat bis 2013 bei Partizan Belgrad gespielt. Im Januar 2014 wechselte er dann nach Slowenien (Nove Mesto), im Januar 2015 nach Spanien, wo er bis zum Sommer 2018 in Gijon, Puente Genil und im andalusischen Cangas gespielt hat. Seit Juni 2018 ist RK Zagreb sein Verein. Der Dreijahreskontrakt ist aufgelöst. Ab 1. Juli steht Potic beim VfL Lübeck-Schwartau unter Vertrag.

Jens Kürbis

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