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VfL Lübeck-Schwartau Handball-Legende Jo Deckarm kommt nach Lübeck
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Handball-Legende Jo Deckarm kommt nach Lübeck
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19:25 28.08.2019
Jo Deckarm und Fynn Gonschor. Quelle: VfL Gummersbach
Lübeck

Zwei Würfe, zwei Tore im brisanten Pokalspiel gegen seinen Ex-Verein Gummersbach. Acht Würfe, acht Tore zum Zweitliga-Einstand in Krefeld. Fynn Gonschor, der neue auf der linken Außenbahn, ist nach sieben Wochen VfL Lübeck-Schwartau durchgestartet. Eine Überraschung. Denn in der Vorbereitung war längst nicht alles rund gelaufen, stand kurzzeitig sogar ein Zweitspielrecht für Drittligist HSG Ostsee im Raum.

Der 18-Jährige – nach der Verletzung von Thees Glabisch plötzlich die Nummer eins auf Linksaußen – musste liefern. Und er hat geliefert. „Das war schon eine Umstellung von der A-Jugend, der dritten Liga zum VfL“, erzählt Gonschor, „ich bin froh, dass ich so viel Vertrauen und Einsatzzeit erhalten habe.“ Fakt ist: Das Gummersbach-Spiel war sein Brustlöser. „Das Selbstvertrauen habe ich mit nach Krefeld genommen.“ Überbewerten will er sein „Bombenspiel“ (Trainer Piotr Przybecki ) nicht. „Das war nur ein Spiel und Krefeld ist sicher keine Übermannschaft.“

1700 Karten bereits weg

Und jetzt kommt der VfL Gummersbach erneut in die Hansehalle, zum Ligaspiel. 1700 Karten sind für den Kracher gegen den Altmeister schon weg. Für Gonschor ist es in jedem Fall ein besonderes Spiel – auch weil ein besonderer Ehrengast in Reihe eins sitzen wird: Joachim „Jo“ Deckarm. Der 18-Jährige, der ab September an der TH Lübeck BWL studiert, hat den einst weltbesten Handballer als FSJler neun Monate betreut.

Fynn Gonschor wirft und trifft – in Krefeld achtmal. Quelle: Agentur 54°

„Ich will, ich kann, ich muss!“

Tatabanya, der 30. März 1979. Es war jener Tag, an dem Deckarms Karriere jäh endete, er im Europokalspiel mit Lajos Pánovics so unglücklich zusammenprallte, dass er auf dem harten, nur mit PVC überzogenen Betonboden stürzte, dabei einen doppelten Schädelbruch erlitt und 131 Tage im Koma lag. Als er aufwachte, musste er alles von Neuem erlernen. Seitdem kämpft er sich jeden Tag zurück ins Leben. Sein Motto: „Ich will, ich kann, ich muss!“ Und Gonschor war seit September 2018, seit Deckarms Umzug in ein Gummersbacher Seniorenheim, an seiner Seite.

Gonschor: „Jo ist ein unglaublicher Kämpfer“

„Jo ist seitdem mehr als nur ein Arbeitskollege. Er ist einer meiner besten Freunde, ein Teil meiner Familie geworden.“ Das gemeinsame Schachspiel, die tägliche Fahrt zur Reha, die Übungen im Kraftraum, das „einfach mal nur so Quatschen über Handball – Gonschor hat unzählige Stunden mit seinem Idol verbracht. „Jo ist ein unglaublicher Kämpfer, hat einen genialen Humor. Was er teilweise für Sprüche rausgehauen hat, hat mich schon überrascht.“ Deckarm hat in der Zeit auch jedes Gonschor-Spiel, jedes Gummersbacher Erstliga-Spiel gesehen. „Er ist seitdem richtig aufgeblüht. Wir sind uns in der Zeit sehr nah gekommen, waren sehr offen zueinander. Es hat Riesenspaß mit ihm gemacht“, erzählt er.

Gonschor-Tränen in der Köln-Arena

Jo Deckarm wird in der Kölner Arena vor dem WM-Spiel gegen Island zu seinem 65. Geburtstag von den Fans und seinen 78er Weltmeistern gefeiert. Quelle: imago/Herbert Bucco

VfL-Einladung beim Final Four

Und das auf Einladung der Schwartauer. Im April, zum Final Four in Hamburg, wollte VfL-Chef Michael Friedrichs eigentlich nur seinem neuen Außen begrüßen. „Dabei habe ich auch Jo getroffen. Und da haben wir die Idee ausgekaspert, dass er doch Fynn in Lübeck zu einem Spiel besuchen sollte. Und er hat spontan Ja gesagt“, berichtete Friedrichs. Dass Gummersbach absteigt, der VfL das erste Heimspiel gegen den Altmeister hat, stand da noch nicht fest. Friedrichs: „Dass es jetzt so gekommen ist, ist doch um so schöner.“

Von Jens Kürbis

Der VfL Lübeck-Schwartau bezwingt Aufsteiger HSG Krefeld zum Saisonauftakt in der 2. Handball-Bundesliga mit 24:16. Stark: Keeper Mallwitz und die Abwehr. Linksaußen Gonschor zeigt ein „Bombenspiel“ (8 Treffer).

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