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VfL Lübeck-Schwartau „Hansehölle“ kocht: VfL stürzt Spitzenreiter Coburg
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau „Hansehölle“ kocht: VfL stürzt Spitzenreiter Coburg
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22:26 06.12.2019
Jasper Bruhn sorgt für die Entscheidung. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Um kurz nach 21 Uhr brechen in der Hansehalle alle Dämme. Spieler, Trainer – alle jagen aufs Spielfeld. Die 1847 Zuschauer schreien ihr Glück heraus. Und Hallen-DJ Volker Nagel fährt vom „Band“ den Gassenhauer „Wieder alles im Griff“ ab. Das kleine Handball-Wunder ist perfekt. Der kriselnde VfL Lübeck-Schwartau hat den Primus der 2. Handball-Bundesliga, den HSC Coburg, mit 29:27 (13:14) bezwungen. Ein Sieg der Leidenschaft – zu dem die Schiris unfreiwillig beitrugen. Und es bleibt dabei: Coburg kann seinen Ostsee-Fluch nicht besiegen,kann auch im fünften Anlauf in Lübeck nicht gewinnen.

Przybecki: „Es ist eine große Leistung“

„Die Halle hat uns mächtig geholfen. Ich weiß das aus meiner Zeit als Spieler, da wirft man die Dinger auch aus 20 Metern rein. Dadi Runarsson hat uns in der Schlussphase sehr geholfen. Es ist eine große Leistung, nach dem was wir in den letzten Wochen erlebt haben, so ein Spiel zu gewinnen“, freute sich VfL-Trainer Piotr Przybecki.

Alle Spiele, alle Ergebnisse und die Toptorschützen – die Saison 2019/20 des VfL Lübeck-Schwartau in der großen Bilder-Rückschau.

Gruß an Raguse

Vor dem Spiel entrollten Waschul & Co. ein Banner mit dem Hashtag „combackstronger, Mex!“, mit dem sie ihrem Rückraumlinken Mex Raguse einen aufmunternden Gruß schickten. Der Rechtshänder, der am Samstag seinen 20. Geburtstag feiert, hatte sich beim Auswärtsspiel gegen Rimpar einen Kreuzbandriss zugezogen, fällt für den Rest der Saison aus.

Starker Start

Tabellen-13. in der Krise kontra Spitzenreiter im Aufwind. Wer an eine „Mission Impossible“, eine unmögliche Mission der Schwartauer gedacht hatte, wähnte sich zunächst im falschen Film. Der VfL startete mutig, mit Power – und Marino Mallwitz im Tor. Eine Überraschung, aber erklärbar. Stammkeeper Dennis Klockmann hatte aufgrund eines grippalen Infektes kaum trainiert. Das VfL-Lazarett – drei verletzte Stammkräfte (Genda, Potic, Raguse) – füllt sich weiter. Dem VfL-Schwung tat das aber keinen Abbruch. Das erste Statement: Satter Schlagwurf von Jan SchultSchwartau führte 3:1 (4.) und blieb vorn. Auch dank Mallwitz.

Coburg mit einfachen Toren

Nur: Coburg zeigte schnell, warum die Oberfranken ganz oben stehen. Schwartauer Fehler bestraften sie gnadenlos mit ihrer stärksten Waffe, dem Tempogegenstoß. Und das vor allem über den schnellen Flügelflitzer Max Jaeger, der vier der fünf HSC-Konter in Halbzeit eins sicher verwandelte. Aber: Schwartau kämpfte, zeigte Herz, zeigte Leidenschaft. Aus dem Rückraum sorgte dabei vor allem Jan Schult (5 Würfe/4 Treffer bis zur Pause) für Gefahr. Der VfL zeigte auch zuletzt vermisste spielerische Qualitäten, spielte Chancen gut heraus.

Oberfranken führen

Doch die Abwehr, das sonstige Prunkstück, fand keinen Zugriff, wurde immer wieder von den schnellen, wendigen Coburgern ausgehebelt. Der HSC lag so nach zwölf Minuten erstmals vorn (5:4), stellte kurz danach das Plus auf zwei Treffer (9:7/17.). Doch der VfL ließ sich nicht abschütteln, blieb wie ein Terrier dran. Mal war es Marcel Möller am Kreis, mal Thees Glabisch per Siebenmeter. Als Jan Schult kurz vor dem Pausenpfiff auf 13:14 verkürzte, war viel Hoffnung im Spiel – aber auch die Frage: Reicht die Kraft?

Tim Claasen (l.) und Jasper Bruhn schreien ihre Freude heraus. Quelle: Agentur 54°

Schult im vierten Frühling

Ja. Schwartau (14:16) und nahm richtig Fahrt auf. Mit einem eiskalten Glabisch (Konter, Siebenmeter), mit „Powerpaket“ Schult im gefühlt vierten Frühling und dem eingewechselten Klockmann zwischen den Pfosten Zwei Paraden des 2,10-m-Riesen, dazu ein Schult- und Runarsson-Kracher – und plötzlich war die Partie gedreht (21:19/41.). Das Momentum war auf Schwartauer Seite. Doch Coburg hielt gegen.

Runarsson mit wichtigen Treffern

Und es hieß: Leinen los für eine krachende Schlussphase. In der sorgte der Käptn Martin Waschul wieder für die Führung mit seinem Wurf ins verwaiste Coburger Tor (23:22/46.). Ein Intermezzo, ein Zwischenspiel. Denn der VfL brachte sich selbst aus dem Rhythmus. Wie? Schult-Pass ins Nichts, Abspielfehler Waschul, Schritte Bruhn – Coburg antwortete mit vier Treffern in Folge, war zehn Minuten vor Schluss erstmals auf drei Treffer Differenz enteilt (26:23). Die Entscheidung? Denkste! Der VfL robbte sich mit der zweiten Luft und fünf Treffern des Isländers Dadi Runarsson ran (25:26).

Schiri-Pfiff entfacht das Feuer

Und dann brodelt es in der „Hansehölle“. Der Auslöser: Ein fragwürdiger Stürmerfoulpfiff der Schiris Hannes/Hannes gegen Finn Kretschmer bei einem Konter Und jetzt drehen die Fans richtig auf. „Schieber, Schieber“, schreit der Hansehalle-Chor. Jeder Coburger Angriff wird mit gellenden Pfiffen begleitet. Ein Lärm, als ob eine Boeing 747 startet. Als Runarsson zum 27:27 ausgleicht, wankt der Favorit.

Bruhn sorgt für Entscheidung

Die Schlussphase:Glabisch scheitert per Konter. Klockmann pariert. Noch 80 Sekunden. Bruhn tankt sich durch. 28:27. Coburg im Angriff. Schröder setzt seinen Sprungwurf neben den rechten Pfosten. Noch 16 Sekunden. Auszeit Schwartau. Alles steht, alles brüllt. Manndeckung Coburg. Noch 5 Sekunden. Bruhn ist freigespielt. Wurf. Tor. Sieg.

Und Gäste-Trainer Jan Gorr gesteht: „Der Stürmerfoul-Pfiff für uns, hat die Partie gegen uns entschieden.“ Dadi Runarsson ist erleichtert: „Es ist schön, dass ich mit einfachen Toren zum Schluss helfen konnte. Aber solch eine aufgeheizte Stimmung wie nach dem Stürmerfoul habe ich noch nicht erlebt. Das war der Bringer.“

Die Statistik zum Spiel

VfL Lübeck-Schwartau: Mallwitz (1. – 37./4 Paraden), Klockmann (ab 37./5) – Glabisch 8/4, Gonschor, Hansen, Ranke 1, Waschul 1, Schult 6, Köhler, Schrader 1, Claasen 1, Runarsson 5, Möller 1, Bruhn 5,

HSC Coburg 2000:Kulhanek (1. – 30./4 abgewehrte Bälle), Poltrum (ab 31./2) – Jaeger 4, Wucherpfennig 7/4, Spross, Weber 3, Timm 1, Knauer 1, Zettermann 3, Varvne 6, Zeman, Schröder 3, Neuhold.

Siebenmeter: 4/4 – 4/4.

Zeitstrafen: 5 – 3

Zuschauer:1847 in der Hansehalle Lübeck

SR.:Hannes/Hannes

Spielfilm: 3:1 (4.), 4:3 (7.), 4:5 (12.), 7:7 (15.), 7:9 (17.), 11:11 (20.), 11:13 (26.), 13:14 (HZ) – 14:16, 16:16 (34.), 21:19 (41.), 21: 22 (45.), 23:22 (46.), 23:26 (50.), 25:26 (53.), 29:27 (Ende).

Von Jens Kürbis

Trainer Piotr Przybecki vom VfL Lübeck-Schwartau teilt Einblicke in seine Taktik gegen den HSC 2000 Coburg. Der Tabellenführer ist aktuell zu Gast in der Hansehalle.

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