Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
VfL Lübeck-Schwartau Polen feuern Chefcoach Przybecki: Ränkespiele um neuen VfL-Trainer?
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Polen feuern Chefcoach Przybecki: Ränkespiele um neuen VfL-Trainer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 26.02.2019
Am 31. Januar wurde Piotr Przybecki. als neuer Trainer des VfL Lübeck-Schwartau vorgestellt. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Diese Nachricht traf Piotr Przybecki wie ein Keulenschlag. Der 46-Jährige ist nicht mehr Cheftrainer der polnischen Handball-Nationalmannschaft. Abserviert. Aus heiterem Himmel, wie das Webportal „sportowefakty“ schreibt. Als Grund wurde sein neuer Trainerjob ab 1. Juli beim Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau angeführt. Durch die Doppelfunktion könne Przybecki seinen Aufgaben als Nationaltrainer, insbesondere der Arbeit mit Talenten, zeitlich nicht mehr nachkommen, argumentierte ein Trainerrat. Dieser Meinung schloss sich jetzt der Verbandsvorstand an und löste den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag auf. Przybecki bleibt bis dahin sportlicher Berater. Die Trennung sei harmonisch erfolgt, heißt es auf der Website des Verbandes.

Przybecki: „Ohne Freigabe hätte ich den Job nie angenommen“

Doch das stimmt wohl so nicht ganz. Denn Przybecki ist sauer. „Ich fühle mich vor den Kopf gestoßen, bin traurig, vor allem über die Art und Weise“, erklärte er gegenüber den LN exklusiv. Denn im Januar hatte er vom Verbandspräsidenten Andrzej Krasnicki höchstselbst die Freigabe für den VfL erhalten. „Sonst hätte ich den Job nie angenommen. Wie die anderen zuvor. Ich war da immer transparent. Der Verband hat über alle Angebote sofort Bescheid gewusst. “ Przybecki hatte zwei lukrative Angebote aus der Bundesliga und ein weiteres von einem Champions-League-Teilnehmer abgelehnt, sich für das Nationalteam entschieden. „Das ist eine Herzensangelegenheit. Es geht schließlich um unsere Zukunft als Handball-Land.“ Przybecki hatte die Nationalmannschaft im Mai 2017 übernommen, nach dem Abschied vieler Stars den Umbruch eingeleitet.

31. Januar 2019: VfL-Geschäftsführer Michael Friedrichs und Piotr Przybecki. unterschreiben den Vertrag. Quelle: Agentur 54°

VfL-Friedrichs: „Rolle rückwärts kommt überraschend“

Verein oder Nationalteam? Diese Frage hatte sich diesmal nicht gestellt. „Es war alles mit dem Verband abgestimmt, die Doppelfunktion wurde sogar schriftlich in Piotrs Vertrag fixiert“, erklärte VfL-Manager Michael Friedrichs. Um so erstaunlicher findet er jetzt „die Rolle rückwärts. Die kommt überraschend, tut mir auch leid für Piotr.“

Verband wollte, dass Przybecki VfL-Vertrag kündigt

Przybecki vermutet hinter der Entscheidung sportpolitische Ränkespiele. „Da hat jemand richtig Druck gemacht. Für den Verband ist es in jedem Fall eine Riesen-Blamage.“ Auch, weil Funktionäre jetzt nach außen tragen würden, dass er sich gegen sein Heimatland entschieden habe. „Sie haben verlangt, dass ich meinen Vertrag beim VfL kündige. Das ist ein No-Go, da hätte ich mich total unglaubwürdig gemacht.“ Präsident Krasnicki sei ein vernünftiger Mann, „aber zum Rest ist die Vertrauensbasis jetzt endgültig weg“. Deshalb seien auch die weiteren Qualifikationsspiele für die EM 2020, darunter zwei im April gegen Deutschland, kein Thema mehr gewesen. Przybecki will jetzt erst einmal „Abstand gewinnen“, sich dann seiner neuen Aufgabe in Deutschland widmen.

Neu-Trainer Piotr Przybecki nach der Pressekonferenz, in der er als VfL-Trainer vorgestellt wurde. Quelle: Agentur 54°

Przybecki sucht neuen Halbrechten

Beim VfL muss er in den nächsten Wochen sein Trainerteam benennen, vor allem seinen Co. „Entschieden ist noch nichts, aber fast alles durchgecheckt“, sagt Przybecki. Oder braucht er nun keinen Co. mehr? „Darüber haben wir noch nicht gesprochen, das kam auch für uns alles sehr überraschend“, erklärte Friedrichs. Und: Auf Halbrechts muss Verstärkung her, denn Antonio Metzner wechselt im Sommer zum Erstligisten Erlangen und Toni Podpolinski denkt über sein Karriereende nach. Przybecki: „Wir haben da zwei, drei Optionen, aber gute Halbrechte sind Mangelware.“ Er will den Markt aber weiter sondieren, auch nach Lübeck kommen. „Ich habe dafür ja jetzt mehr Zeit“, meinte er sarkastisch. Der groteske Rauswurf, er tut ihm noch immer weh.

Jens Kürbis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rückschlag für Handball-Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau: Nach Pawel Genda und Tim Claasen fällt mit Dadi Runarsson jetzt der dritte Rückraumspieler aus. Der Isländer wird am Knie operiert.

26.02.2019
VfL Lübeck-Schwartau Platz 8 für Zweitliga-Handballer zu wenig - VfL sieht Zeit gekommen für Zwischenspurt

Die Serie ausbauen und in der Tabelle klettern – so lautet das Ziel der VfL-Handballer. „Platz acht entspricht nicht dem Leistungsvermögen“, sagt Trainer Torge Greve.

25.02.2019

Vor 2047 begeisterten Zuschauern „erlegen“ die Handball-Zweitliga-Handballer des VfL Lübeck-Schwartau die Wölfe.

25.02.2019