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VfL Lübeck-Schwartau Przybecki und „die Kunst, etwas aufzubauen“
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Przybecki und „die Kunst, etwas aufzubauen“
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21:15 02.02.2019
Der künftige VfL-Trainer Piotr Przybecki bei seiner Vorstellung im VfL-Raum der Lübecker Hansehalle. Quelle: 54°/Felix König
Lübeck

„Als ich Piotr Anfang Dezember angerufen habe, hat er gedacht, ich will Pawel Genda für den bevorstehenden Lehrgang der polnischen Nationalmannschaft abmelden“, berichtete Geschäftsführer Michael Friedrichs von der ersten telefonischen Kontaktaufnahme zum künftigen VfL-Trainer. Dass der sich schließlich für ein Engagement in der 2. Liga gewinnen ließ, hat auch damit zu tun, dass Friedrichs eine Doppelfunktion Prybeckis als VfL-Coach und polnischer Nationalcoach von vornherein akzeptierte - und der 46-jährige Ex-Nationalspieler einen Reiz darin sieht, „etwas Neues aufzubauen“.

VfL-Geschaeftsführer Michael Friedrichs und Piotr Przybecki bei der vertragsunterschrift. Der polnische Nationaltrainer wird mit beginn der neuen Saison Trainer beim VfL Lübeck-Schwartau. Quelle: Agentur 54°

Der künftige VfL-Trainer über

. . . die Gründe für seine Entscheidung pro VfL

Die Frage, ob nach Stationen in der 1. Liga in Polen mit Vizemeisterschaft und Champions-League-Teilnahme sowie dem Job als polnischer Nationaltrainer das Engagement in der 2. Liga nicht ein Rückschritt sei, ist für Przybecki „berechtigt“. Die Anfrage aus Lübeck habe ihn schon überrascht. Als er sich dann aber (am 22. Dezember) mit „Friedel“ getroffen habe, „hat er mir ein Konzept vorgelegt, das auf die nächsten zwei, drei Jahre ausgelegt ist“. Und obwohl er wisse, dass die 2. Liga „eine Wundertüte“ ist, weil „dermaßen ausgeglichen, dass schon mal zwei, drei Spiele darüber entscheiden, ob man oben oder dann auch mal unten mitspielt“ , habe er trotzdem „schnell das Gefühl bekommen, dass die ganz genau wissen, was sie vorhaben.“ Der „sportliche Rückschritt“ spiele für ihn „nicht so eine großartige Rolle.“ Für ihn gehe es auch „um die Kunst, mal etwas Neues aufzubauen und dann vielleicht auch mal Richtung erste Liga zu gucken. Aber wir sollten den Ball flach halten.“

. . . seine vorherigen Angebote

Neben FA Göppingen aus der Bundesliga habe er „auch andere Optionen aus der Champions League“ gehabt, verrät Przybecki. Aber das sei schwierig in Verbindung mit der Nationalmannschaft gewesen, weil bei den anderen Klubs die Anfrage immer lautete „entweder oder“. Mit dem polnischen Verbandspräsidenten hatte er „schon früher gesprochen über private Aspekte“ („über die will ich nicht genauer reden“), auch darüber, „dass wir irgendwann nach Deutschland zurückkehren wollten.“ Der Verbandspräsident hatte zugesagt, ihm keine Steine in den Weg zu legen, und „er wird auch die Verantwortung tragen nach draußen – das wird nicht einfach.“

. . . seine Spiel-Philosophie

„Fast alle Trainer sagen eigentlich, dass man mit der Defensive anfängt. Und wenn man etwas Vernünftiges gewinnen will, dann muss man schon über die Deckung kommen“, sagt Przybecki. „Man muss heutzutage sehr variabel in der Defensive spielen, das hat man auch bei der WM gesehen. Das habe ich auch versucht, bei den Mannschaften, die ich bisher betreut habe, umzusetzen. Um aus der Deckung dann einfach mal gefährlich zu werden. Die einfachen Tore braucht man unbedingt.“ Der VfL mache das ja auch schon so, „aber ich glaube, da kann man noch mehr Kapital draus schlagen.“

Piotr Przybecki während der Pressekonferenz anlässlich seiner Vorstellung als neuer Trainer des VfL Lübeck-Schwartau. Quelle: Agentur 54°

. . . die Anforderungen, die beim VfL an ihn gestellt werden

„Spieler aus dem Verein und der Region weiterzuentwickeln, war ein wichtiger Punkt der Anforderung“, bestätigt Przybecki. Auch die Verpflichtung von Ottsen sei ein Zeichen für diese Richtung. „Das ist auch normal, dadurch kommt die Integration und die Identifikation bei den Zuschauern.“ Dennoch habe die Mannschaft „eine gesunde Mischung, hat Leute wie Klockmann, Schult, Waschul, die sind schon etwas älter. Und dann gibt’s auch jüngere Spieler. Aber nur mit jungen Spielern gewinnt man auch keine Meisterschaft, das wissen wir alle.

. . . seinen künftigen Co-Trainer

„Ich will mit allen Beteiligten einfach mal darüber sprechen. Wie sich das entwickelt, kann ich noch nicht sagen, wir sind dabei, eine vernünftige Lösung zu finden. Es gibt Leute im Verein, die schon längere Zeit hier sind und einiges geleistet haben. Die kennen sich aus im Umfeld und wissen auch, wie sich die Mannschaft weiterentwickeln kann“, betont Przybecki. Er tendiere nicht zu einer ausländischen Option. „Ich würde gern mit jemandem trainieren, der schon aus der Region kommt, der das Umfeld kennt.“

. . . die Erwartungen, die er an den VfL hat

Bezüglich neuer Spieler sei es jetzt schon etwas spät. „Wir haben schon darüber diskutiert, aber selbst im Dezember war es schon spät.“ Metzner geht weg, Podpolinski hört vermutlich auf – „natürlich brauchen wir da Verstärkung“, weiß er . Aber: Er müsse eben auch „in den finanziellen Rahmen passen und uns sportlich weiterbringen“. Da eine Kombination zu finden, am besten aus Deutschland, sei schwierig. Seine jungen polnischen Nationalspieler auf der Position „brauchen noch ein bisschen, müssen sich alle noch entwickeln“, wären „nicht automatisch schon gestandene Spieler in der 2. Liga“.

. . . seine Ziele mit dem VfL

„Zunächst muss ich die Mannschaft mal richtig kennenlernen“, sagt Przybecki. Bisher kenne er sie nur aus der Entfernung, habe sich – vor dem Spiel jetzt beim Jacob Cement Cup, das der VfL gegen Erstligist Füchse Berlin 25:27 verlor – Spiele über die Medien angeschaut. Und doch betont er: „Es ist wichtig, wie sie agieren auf der Platte. Das war dann auch entscheidend.“ Das Auftreten der Mannschaft habe ihn überzeugt, dass es klappen kann mit der Doppelbelastung Verein/Nationalmannschaft. Ziele könne man „vielleicht später einmal formulieren“. Für ihn sei es in erster Linie wichtig, „die Mannschaft weiter zu entwickeln. Torge Greve hat da schon super Arbeit bis jetzt geleistet. Ich glaube, das ist die Basis dafür, um einfach mal einen weiteren Schritt zu wagen. Das ist die Grundüberlegung jetzt für mich.“

In der Halbzeit des Jacob Cement Cup, bei dem der VfL gegen Erstligist Füchse Berlin mit 25:25 verlor, wurde Piotr Przybecki den Handball-Fans in der Hansehalle vorgestellt. Neben ihm Hallensprecher Alexander Petersen. Quelle: 54°/Felix König

. . . den Spagat zwischen Verein und Nationalmannschaft

Als polnischer Nationaltrainer habe der Verband ursprünglich bis Tokio 2020 mit ihm geplant. „Aber bei uns hat ein Umbruch stattgefunden, wir hatten nicht damit gerechnet, dass die ganze sogenannte Goldene Generation vor eineinhalb Jahren auf einmal aufhören würde. Jetzt müssen wir versuchen, eine neue Generation vorzubereiten. Das dauert, ist ein Prozess. Wir haben nur wenig Chancen auf Olympia, spielen in einer Gruppe mit Deutschland. Die Zeit bei der Nationalmannschaft ist gar nicht so viel. Man trifft sich ab und zu, dann sind Quali-Spiele, wir haben keine besonderen Trainingslager.“ Das Scouting werde er „erstmal auf andere Schultern verteilen“, er habe andere ehemalige Nationalspieler mit an Bord geholt. Und: Trotz 38 Millionen Einwohner „ist unser Potenzial begrenzt. Ich habe schon fast alle gesehen.“

. . . seine Verbindungen zu Norddeutschland

Neben seiner Zeit beim THW Kiel (2001-04), HSG Nordhorn (bis 2009) und Hannover-Burgdorf (bis 2012), aus der er „nicht übermäßig viele, aber einige sehr gute Freunde im Norden“ habe, sei da auch die Erinnerung an die Hansehalle: „Ich glaube, da stand dieser Goran Stojanovic im Tor, Peter Möller war so einer, der alle aus der Halle ’rausgehauen hat. Schon als ganz junger Spieler habe ich beim Partille-Cup den Norweger Simen Muffetangen bewundert, der dann beim VfL spielte. Und der Pierre Thorsson auf Außen. Das war ganz schwer, wenn ich mich richtig erinnern kann, in Schwartau zu bestehen damals.“

. . . die Rolle, die seine Familie bei der Entscheidung spielte

„Wir haben nie auseinander gelebt“ sagt er mit Blick auf seine Frau Agnieszka und Sohn Kaytek. Der 14-jährige hat die Grundschule in Deutschland absolviert, „deshalb kriegen wir das hin, wenn wir umgezogen sind“, sagt Przybecki, für den immer klar war, dass er „nach fast zwanzig Jahren in Deutschland irgendwann wieder zurück“ wollte. Der Umzug sei noch nicht geplant. „Wohl im Juni, aber wir müssen ja erstmals was finden, auch eine passende Schule.“

Piotr Przybecki in seiner Rolle als Trainer der polnischen Nationalmannschaft Quelle: imago/Newspix

. . . die Bedeutung des Vaters für seine Trainerkarriere

Seinen A-Trainerschein hat Przybecki mit „meinen Freunden Flo Kehrmann und Maik Machulla in Kaiserau“ gemacht. Den Anstoß aber gab sein Vater, der zu ihm sagte: „Guck mal, wie die Leute reagieren, wenn du sprichst.“ Er solle doch mal versuchen, das „an der Linie“ einzubringen. „Erst danach habe ich selbst gemerkt: ja, vielleicht geht das. Aber geplant hatte ich das vorher nie.“

. . . seine Mission als Trainer

Schon bei seiner ersten Station in Breslau, „einem traditionsreichen Verein, in dem mein Vater schon gespielt hat und ich ja auch“, wollte er „etwas entwickeln“. Das sei natürlich etwas komplett anderes als ein Job beim THW Kiel oder in Flensburg. „Ich habe da viel Energie eingebracht und alle meine Beziehungen genutzt. Es ist mir gelungen, dort von Null etwas aufzubauen. Solange, wie das Geld da war.“ Die Spieler zu entwickeln mache ihm „richtig Spaß, umso mehr, wenn man sieht, dass es funktioniert hat“.

Jens Kürbis und Christian Schlichting

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