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VfL Lübeck-Schwartau In kleinen Schritten zurück zu großen Sprüngen
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau In kleinen Schritten zurück zu großen Sprüngen
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20:36 05.01.2019
Darauf müssen die VfL-Fans noch einige Zeit verzichten: der sprunggewaltige Sebastian Damm beim Gegenstoß-Abschluss. Quelle: 54°/Felix König
Kassel

Er ist eigentlich der Überflieger beim VfL Lübeck-Schwartau. Keiner schwebt so schön durch die Halle, wenn er seinen Gegenstoß läuft und vor dem gegnerischen Tor abhebt, um zu vollenden. Doch dieser Tage ist Sebastian Damm weit entfernt von großen Sprüngen. Der 23-jährige Linksaußen arbeitet sich in kleinen Schritten langsam voran und gesteht: „Ich kann noch nicht sagen, wann ich wiederkomme, wann ich wieder Handball spielen kann.“

Es war der 27. November, Damm in seinem VW aus Travemünde kommend auf dem Weg zum Abendtraining, als ein Multivan an der Einfädelung der A 226 auf die A1 kurz vor Bad Schwartau auffuhr und Damms Polo unter den Mercedes Sprinter vor sich schob. „Ich hatte 100 Schutzengel“, ließ er noch am gleichen Abend wissen. Nicht ahnend, was noch folgen sollte.

„Die Beine sind einfach eingeknickt“

Der Schreck folgte zwei Tage später. Seine Eltern hatten ihn nach Kassel geholt, dort sollte er sich erholen. Dass er im Rollstuhl saß, war „eine Vorsichtsmaßnahme, um den Körper maximal zu entlasten“, so Damm. Doch als der Körper nicht mehr schmerzte, weil der Muskelkater vergangenen war, den das Adrenalin während des Unfalls ausgelöst hatte, machten die Beine nicht mit: „Ich bin aufgestanden, aber sie sind einfach eingeknickt.“ Ein Schock für ihn, für seine Eltern Barbara und Karsten, seinen Bruder Julian. Nach einem Telefonat mit den VfL-Teamärzten Dirk Haupt und Arndt Müller ging’s schleunigst in die Kasseler Notfallaufnahme.

Schädel-Hirn-Trauma, eine Knieverletzung, dazu eine posttraumatische Belastungsstörung – es folgten zwei weitere Wochen im Rollstuhl. „Ich musste das Gehen erst wieder lernen“, sagt Damm, der inzwischen vier bis fünf Stunden täglich sein ambulantes Rehaprogramm und zusätzlich Schwimmtraining, „Bewegungsübungen mit Wasserspielzeugen“, wie er es nennt, ableistet. In Guxhagen, auf halber Strecke zwischen seinem Elternhaus in Kassel und dem Bundesliga-Standort Melsungen. MT ist dabei nicht nur durch seine Therapeutin Tugba Capaci an Damms Genesung beteiligt. Der Klub sorgte auch für einen emotionalen Motivationsschub.

#Come back stronger #Basti: Julian Damm nach seinem Bundesliga-Debüt mit seinem im Rollstuhl sitzenden Bruder Sebastian Quelle: Schardt

Große Geste des „kleinen“ Bruders

„Als ich noch im Rollstuhl saß und ,Freigang’ hatte, war ich in der Halle dabei, als Julian gegen Flensburg sein erstes Bundesligaspiel bestritten hat“, erzählt Damm. Doch damit nicht genug: Der 18-jährige „kleine“ Bruder (der den fünf Jahre älteren „Basti“ mit 1,93 m um zehn Zentimeter überragt), hatte sich das Okay des Vereins geholt, wärmte sich im eigens bedruckten Shirt auf: „#Come back stronger #Basti“ stand darauf. Und nach dem Spiel sprachen auch Finn Lemke und andere MT-Spieler ihm Mut zu. Fin Backs, 20-jähriger MT-Linksaußen mit Zweitspielrecht bei VfL-Konkurrent Rimpar Wölfe, schaute gar mehrfach bei „Therapie Ulzheimer“ vorbei, machte Übungen mit, um für „Abwechslung im Reha-Trott“ zu sorgen.

Ende Januar endet Damms Zeit in Guxhagen, dann kommt er in den Norden, begibt sich unter die Fittiche von VfL-Athletiktrainer Uwe Wilts. Seine VfL-Kumpels sind schon jetzt stetig mit ihm in Kontakt, haben ihm viel bei WhatsApp geschrieben, zuletzt auch eine Genesungskarte geschickt. Mit vielen telefoniert er regelmäßig, allen voran mit Kapitän Martin Waschul und Torwarttrainer Jörg Engelhardt. „Der ruft gefühlt jeden Tag zweimal an“, witzelt Damm längst wieder.

Therapie auf dem Fahrübungsplatz

Ganz ernst aber wird er, wenn er von dem kurzen Moment vor inzwischen fast sechs Wochen erzählt, als er die Scheinwerfer des Multivan im Rückspiegel auf sich zukommen sah. Zur Therapie zählte so auch der erste Besuch am Freitag auf einem Fahrübungsplatz. „Ich habe mich bisher nicht in ein Auto getraut, jetzt fange ich erstmal als Beifahrer neben meinem Vater vorsichtig an.“

Beim Sport schafft er inzwischen „zehn bis 15 Minuten leichtes Jogging“, in der kommenden Woche soll’s im Ausdauerbereich weiter voran gehen, zudem sieht der Trainingsplan die ersten Sprungübungen vor. Bis er wieder die ganz großen Sprünge im VfL-Trikot machen kann, wird es noch dauern. Wie lange? „Ich weiß es nicht.“

Vertragsgespräche vertagt

Beim VfL gibt man ihm die Zeit, die er braucht. Auch mit Blick auf einen Anschlussvertrag. Sein aktueller läuft im Sommer aus. Mit Geschäftsführer Michael Friedrichs ist „nach ersten intensiven Gesprächen“ nun erst einmal eine Pause vereinbart. Abwarten, wann es wie weitergeht. „Er wartet auf ein Signal von mir“, verrät Damm – und lässt nicht unerwähnt, dass auch Angebote von anderen Vereinen da sind. „Aber auch die wollen natürlich erstmal sehen, dass ich wieder auf die Beine gefunden habe.“

Christian Schlichting

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