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VfL Lübeck-Schwartau Verschlafen? VfL verliert Juwel Metzner an Erlangen
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Verschlafen? VfL verliert Juwel Metzner an Erlangen
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14:48 24.10.2018
Ist mit 49 Treffern Schwartaus Toptorjäger und in bestechender Form: Antonio Metzner. Quelle: 54° / Christian Schaffrath
Lübeck

Als Gerücht waberte es schon lange durch die Handball-Szene, jetzt ist es raus: Antonio „Peitsche“ Metzner verlässt den VfL Lübeck-Schwartau zum Saisonende. Der 22-jährige Linkshänder, dessen Vertrag beim VfL zum 30. Juni 2019 ausläuft, wechselt zum Erstligisten HC Erlangen. Der VfL verliert damit nicht nur seinen Shootingstar, sondern auch den in der zweiten Liga mit 49 Treffern aktuell besten Rückraumrechten. „Wir haben Antonio schon lange auf dem Zettel. Er ist der beste deutsche Linkshänder im Rückraum in seinem jungen Alter“, erklärt Erlangen-Geschäftsführer René Selke.

VfL-Chef Friedrichs: „Das tut unheimlich weh“

Für den VfL ist das ein Rückschlag auf dem Weg zum Erstliga-Aufstieg, der als Vision 2020, plus ein, zwei Jahre, ausgegeben ist. „Das tut schon unheimlich weh. Wir hätten Antonio gern behalten, er war ein fester Bestandteil unseres Konzeptes. Doch gegen die Finanzkraft eines Erstligisten und die Nähe zu seiner Heimat hatten wir keine Chance“, erklärt Lübeck-Schwartau-Chef Michael Friedrichs. Auch Trainer Torge Greve bedauert den Wechsel: „Uns allen war klar, dass ein Spieler mit diesen Qualitäten in die erste Liga muss. Ich denke aber, ein Jahr zweite Liga hätte Antonio für seine Persönlichkeitsentwicklung und seine Leistungsstabilität noch gut getan.“ Der VfL-Coach wertet den Wechsel indes auch als Erfolg für die eigene Vereinsarbeit: „Das ist doch eine wunderbare Geschichte, zeigt, dass wir junge Spieler entwickeln können.“ Das werde ja oft in Frage gestellt. Metzner kam vor drei Jahren als 2,07-Meter-Schlaks von der Junioren-Akademie des TV Großwallstadt zum VfL, ist in der Zeit vom Rohdiamanten zum Juwel geworden. Greve: „Er ist aktuell mein beständigster Spieler.“

Juni 2015: VfL-Geschäftsführer Michael Friedrichs stellt Neuzugang Antonio Metzner vom TV Grosswallstadt vor. Quelle: Felix König

Metzner: „Ich will einen neuen Impuls setzen“

Metzner selbst freut sich auf die neue Perspektive mit Zweijahresvertrag: „Erlangen will mit jungen Spielern langfristig in der ersten Liga nach oben. Das ist sehr interessant.“ Und er sei näher an der Heimat. Seine Familie ist im rheinland-pfälzischen Haßloch dann nur noch gut 350 Kilometer entfernt. „Das war auch ein Grund“, sagt Metzner und stellt klar: „Es ist keine Entscheidung gegen Schwartau. Ich fühle mich hier wohl, habe in meiner Entwicklung einen großen Schritt nach vorn gemacht.“ Vor allem Athletik-Trainer Uwe Wilts habe er viel zu verdanken. „Er hat viel individuell mit mir trainiert, richtig krass. Dank ihm bin ich athletisch so fit wie nie. Er war auch immer mein Ansprechpartner, wenn ich etwas auf der Seele hatte.“ Doch jetzt sei die Zeit reif, für den nächsten Schritt: „Ich will einen neuen Impuls setzen.“ In Erlangen sieht er sich zunächst als Vollprofi, hat für das zweite Jahr ein Studium auf Lehramt im Auge: „Ich will Lehrer werden.“

Noch vor seinem Wechsel zum VfL spielte Antonio Metzner in der Hansehalle – mit Deutschlands U21 beim Vier-Nationen-Turnier im Rahmen der Internationalen Lübecker Handballtage. Quelle: 54°/Felix König

Metzner hätte früheres VfL-Angebot in Betracht gezogen

Der VfL verliert nach Oliver Milde binnen zehn Monaten so den zweiten Torjäger. Bleibt die Frage: Hat der VfL es verschlafen, sein Juwel zu sichern? Zumal Metzner schon im Vorjahr neben Jan Schult der Topscorer war, Linkshänder mit Gardemaß und als Junioren-Nationalspieler auch eher die Nadel im Heuhaufen sind. „Nein. Das sehe ich nicht so“, wehrt Friedrichs ab, „wir haben Antonio und seinem Berater früh signalisiert, dass er eine wichtige Rolle für uns spielt.“ Als im August Erlangen anfragte, spielte das offenbar keine Rolle mehr. Hätte der VfL früher reagieren müssen? „Wenn mir der VfL schon im Vorjahr ein Angebot zu besseren Konditionen vorgelegt hätte, hätte ich das auf jeden Fall eher in Betracht gezogen“, räumt Metzner ein, stellt aber klar: „Ich werde mich bis zum letzten Tag für den VfL reinhängen. Piano gibt’s bei mir nicht, das hat man ja die letzten Spiele auch gesehen.“

Der rechte Rückraum ist in der Spur: Antonio Metzner (l.) und Toni Podpolinski (vorn) beim Familienlauf im Rahmen des Stadtwerke Lübeck Marathons. Auch Podpolinskis Vertrag läuft aus. Quelle: Agentur 54°

Hört auch Toni Podpolinski auf?

Der VfL sondiert jetzt den Markt, könnte dabei aber bald vor einem noch größeren Problem stehen. Auch der Vertrag des zweiten Rückraumrechten, Toni Podpolinski, läuft neben vier weiteren (Waschul, Mallwitz, Damm, Köhler) zum Saisonende aus. Und der 31 Jahre alte, frischgebackene Zwillingspapa, erklärte bereits unlängst, dass er nur noch von Jahr zu Jahr plane. Gut möglich, dass „Papa Podde“ auch Abschied nimmt. Friedrichs weiß um die Problematik: „Wir suchen nach Verstärkung für den rechten Rückraum, aber es wird sehr schwer, adäquaten Ersatz zu finden.“

Wer beim VfL wie lange Vertrag hat

Tor:

Dennis Klockmann 30.6.2020

Marino Mallwitz 30.6.2019

Rückraum links:

Jan Schult 30.6.2020

Pawel Genda 30.6.2020

Martin Waschul 30.6.2019

Rückraum Mitte:

Dadi Runarsson 30.6.2020

Markus Hansen 30.6.2020

Tim Claasen 30.6.2020

Rückraum rechts:

Antonio Metzner 30.6.2019

Toni Podpolinski 30.6.2019

Linksaußen:

Thees Glabisch 30.6.2021

Sebastian Damm 30.6.2019

Rechtsaußen:

Jasper Bruhn 30.6.2020

Finn Kretschmer 30.6.2022

Janik Schrader 30.6.2021

Kreis:

Fynn Ranke 30.6.2022

Marcel Möller 30.6.2020

Steffen Köhler 30.6.2019

Trainer:

Torge Greve 30.6.2020

Jens Kürbis

Antonio Metzner verlässt zur neuen Saison den Handball-Zweitligisten. Schwartaus Topspieler, wechselt zum 1. Juli 2019 zum Erstligisten HC Erlangen.

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