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VfL Lübeck-Schwartau Exklusiv: Ex-Manager Michael Friedrichs über 17 VfL-Jahre und das Ende seiner Ära
Sportbuzzer VfL Lübeck-Schwartau Exklusiv: Ex-Manager Michael Friedrichs über 17 VfL-Jahre und das Ende seiner Ära
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19:47 19.11.2019
Teilen die Leidenschaft für den Handball: Ministerpräsident Daniel Günther und Michael Friedrichs im November 2018 in der Hansehalle. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Die Fischergrube in Lübeck. Im Hinterhof öffnet sich die Eingangstür eines schmucken Häuschens. Im Türrahmen: ein lächelnder Michael Friedrichs. Weißes Hemd, Jeans, das graue Haar leicht stürmisch nach oben gekämmt. So, wie man ihn aus der Hansehalle kennt. Nur: Seit drei Wochen ist er dort nicht mehr zu finden, seit seinem Rückzug als Manager der Schwartauer Zweitliga-Handballer. Korrekt: Als Geschäftsführer der HM Handball Marketing GmbH & Co. KG, dem wirtschaftlichen Träger für Waschul & Co. Eine Demission aus heiterem Himmel – fast unwahrscheinlich.

„Mir geht es gut, auch gesundheitlich“

Denn seit 17 Jahren ist der VfL sein „Baby“. Er hat es gehegt, gepflegt, großgezogen – alles im Nebenjob. Und er hatte noch einiges vor. Stichwort Erstliga-Aufstieg. Stichwort Hansehallen-Umbau. Stichwort neue Multifunktionsarena. Doch jetzt der Rückzug. Plötzlich, unerwartet.

Garniert mit einer dünnen Presseerklärung, in der als Grund der Wechsel zu einem hauptamtlichen Geschäftsführer angeführt wird. Der Beirat habe ihm diesen Posten angeboten, doch er habe ja abgelehnt, wollte seinen gut dotierten als Führungskraft bei der Schleswig-Holstein Netz AG nicht aufgeben. „Das ist auch so“, stellt Friedrichs klar. Doch viele Fragen bleiben. Zumindest einige beantwortet der 50-Jährige jetzt exklusiv.

Sportlicher Leiter, Teammanager, Netzwerker, Sanierer, Geschäftsführer – die 17 Jahre von Michael Friedrichs beim VfL Lübeck-Schwartau

Das Wichtigste: „Mir geht es gut, auch gesundheitlich.“ Denn im VfL-Umfeld wurde bereits gemutmaßt, dass er krank sei. „Das ist Quatsch, alles ist gut“, erzählt er. Mehr noch: Seit seinem Rücktritt hat er bereits vier Jobangebote erhalten, „aus der Wirtschaft, im Fuß- und Handball“. Nur letzteres könne er sich derzeit nicht vorstellen, „und auf keinen Fall im Hauptjob“.

Aus Alt Duvenstedt zum VfL Bad Schwartau

Klar: Der VfL ist sein Baby. 2002 hat er es angenommen. Michael Magull, der umtriebige „Mr. VfL“, hatte den Sportlichen Leiter des Drittligisten TSV Alt Duvenstedt zum VfL gelotst. „Und das erst zwei Monate vor Saisonbeginn.“ Es war jene Zeit, in der sich das Erstligateam gen Hamburg verabschiedete, die Zweite, „die gerade so den Regionalliga-Abstieg verhindert hatte“, zur Ersten wurde. Mit Keeper Jörg Engelhardt (heute Torhüter-Trainer), Mirko Baltic (heute U19-Coach), Ex-Nationalspieler Jens Lüdtke als Trainer und Sascha Schlichte als Manager startete Friedrichs neu.

Geschäftsführer: Aus vier Wochen wurden fünf Jahre

Und das zarte Pflänzlein VfL begann zu wachsen. Die Rückkehr von Thomas Knorr als Spieler-Trainer „war dabei ein Meilenstein“ – auch für den Aufstieg 2008. Und Sportchef Friedrichs fächerte sein Netzwerk immer weiter auf, erschnüffelte dem VfL mit feinem Gespür für Talente und kostengünstige Leistungsträger viele „Trüffel“. Und im Sommer 2014, als Manager Christian Fitzek zum HSV floh, wurde er plötzlich Geschäftsführer. „Eigentlich nur für vier Wochen und ohne Gehalt.“ Denn der Blick in die Zahlen ließ keines zu: Da standen 550 000 Euro Miese zu Buche. Doch aus vier Wochen wurden mehr als fünf Jahre . . .

Schwartaus Maskottchen Tobi Tiger (Dwayne Farell) und VfL-Chef Michael Friedrichs zeigen das neue Logo des VfL Quelle: Agentur 54°

Schönster Moment: „Die Gesundung von Podde“

Die GmbH ist mittlerweile eine Kommanditgesellschaft, der VfL schuldenfrei, mit einem dreimal so hohen Etat von, laut Handball Inside, 1,8 Millionen Euro. „Wir haben jetzt zum 30. Juni mit einem Plus im hohen fünfstelligen Bereich abgeschlossen“, sagt Friedrichs. Dass die Spieler immer pünktlich ihr Geld bekommen haben, die Umwandlung in die KG und Lübeck im Namen sind für ihn dabei die drei wichtigen Eckpfeiler. Er gibt zu: „Das macht mich schon stolz.“ Und was war der schönste Moment? Der Aufstieg? „Nein, das war die Gesundung von Podde.“ Noch immer bekommt er eine Gänsehaut, wenn er an das Comeback von Toni Podpolinski nach dessen Krebserkrankung denkt.

Mit Beirat verständigt, nichts zu sagen

Doch jetzt ist die Ära Friedrichs Geschichte. Der Sportchef, der Sanierer, der den VfL auch als Geschäftsführer zur Topmarke in der 2. Liga entwickelt, beide Bürgermeister und sogar Landesvater Daniel Günther an seine Seite geholt hat, ist weg. Hat er Fehler gemacht? „Erst einmal: Ohne meine Geschäftsstelle, ohne Maik Becker wäre das nie möglich gewesen. Und ja: Fehler bleiben nicht aus, aber es waren keine gravierenden dabei. Dass die Geschichte mit Nikola Potic, unserem Neuzugang aus Zagreb, so ausgeht, war ja nicht abzusehen.“ Hat er sein VfL-Engagement jemals bereut? „Nicht eine Sekunde“, platzt es aus ihm heraus. Doch warum das abrupte Ende? Warum arbeitet er seinen Nachfolger Daniel Pankofer nicht ein? Warum wird auf sein Netzwerk für dringend benötigte Neuverpflichtungen verzichtet? War eine Doppelspitze Friedrichs/Pankofer nicht möglich?

Friedrichs blockt ab: „Ich habe mich mit dem Beirat darauf verständigt, dazu nichts zu sagen.“ Klingt nach Rücktritt mit Geschmäckle. Doch Friedrichs stellt klar: „Der VfL braucht einen Geschäftsführer im Hauptamt. Ich habe das immer mitgetragen.“ Es wurde im Spätsommer vom Beirat auch so beschlossen.

„Muss keine Mütze in der Hansehalle tragen“

Friedrichs nippt an seinem Kaffee, schaut ins Leere: „Es waren verdammt geile Jahre. Keine Ahnung, was ich jetzt mit meiner freien Zeit anfange. Ich hab’ ja jetzt ganz viel.“ Auf jeden Fall will er die Heimspiele bald wieder besuchen. „Ich habe viele Einladungen von Sponsoren, muss ja da auch keine Mütze tragen, um unerkannt in die Halle zu kommen. Der VfL wird immer mein Baby bleiben.“ Nur: Das muss jetzt ohne ihn laufen.

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